Teure Bildung: US-Unis lechzen nach solventen Studenten

Das Auswahlverfahren an amerikanischen Unis wandelt sich: Es zählt weniger als früher, was ein Anwärter kann. Wichtiger wird, ob der Student die horrenden Studiengebühren selbst aufbringt, ergab eine Umfrage. Kritiker sehen die Glaubwürdigkeit der Unis in Gefahr.

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US-Studenten: An vielen Unis zählt nicht mehr die Leistung, sondern der Geldbeutel

Wenn US-Hochschulen ihre Bewerber casten, wird das Thema Geld dabei offenbar immer wichtiger: Viele Colleges und Universitäten suchen nicht mehr nur nach Bewerbern mit guten Schulnoten, angehenden Top-Athleten oder armen Angehörigen von Minderheiten, sondern verstärkt auch nach den solventesten Bewerbern für ihre Studienprogramme.

Für viele Colleges sei es inzwischen sogar das wichtigste Ziel, Bewerber anzunehmen, die ihre Studiengebühren selbst aufbringen können. Das ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Studie von "Inside Higher Ed", einer amerikanische Online-Plattform für Hochschulbildung.

Rund ein Zehntel aller Hochschulen brauchen zahlungskräftige Studenten, die die kompletten Studiengebühren zahlen können, so dringend, dass sie bei ihnen sogar schlechtere Noten akzeptierten, schreiben die Autoren in der Zusammenfassung der Studie. Wichtigste Strategie einer Mehrzahl staatlicher Hochschulen ist es mittlerweile, Studenten besonders aus anderen Bundesstaaten und ausländische Studenten anzuwerben, weil die mehr für ihr Studium zahlen müssen. Aus deutscher Sicht sind die Studiengebühren in den USA immens hoch: An einem öffentlichen College betragen sie etwa 7600 Dollar jährlich, an privaten Hochschulen teilsweise mehr als 40.000 Dollar.

"Inside Higher Ed" befragte 462 Mitarbeiter öffentlicher und privater Hochschulen, die dort für die Zulassung von Studenten verantwortlich sind. Jeder Fünfte sagte, der finanzielle Abschwung habe dazu geführt, dass sie stärker auf die Zahlungsfähigkeit ihrer Studenten achten müssten.

Lloyd Thacker, der Gründer der Non-Profit-Organisation "Education Conservancy", sagte zu den Ergebnissen der Studie: "Wir müssen uns fragen, warum wir tun, was wir tun. Und wenn wir das nicht beantworten können, sollten wir Autos verkaufen." Thackers Education Conservancy versucht, wirtschaftliche Widerstände bei der Hochschulzulassung zu überwinden.

Studenten werden zynischer

David A. Hawkins von der nationalen Vereinigung für Hochschulzulassungs-Beratung (NACAC) sieht einen grundsätzlichen Wandel bei der Studenten-Auswahl: Hochschulen stünden unter zunehmenden Druck, sagte er der "New York Times". Die staatliche Finanzierung gehe zurück, andererseits werde von Hochschulen verlangt, ihr Profil zu schärfen und bestimmte Studenten zuzulassen. "Wir sehen einen fundamentalen Wandel im Zulassungsprozess", sagt er. Auch Hawkins sieht die andauernde Wirtschaftskrise als Faktor, der die Auswahl der Studenten negativ beeinflusst. Es gebe strenge Standards für die Zulassung, aber es bestehe die Gefahr, "dass wir, sobald die Wirtschaftsleistung einknickt, auf unsere Standards pfeifen".

US-Hochschulen haben ihre Studenten schon immer nach einer Vielzahl von Kriterien ausgewählt. Zu dem Konzept gehörte auch, dass reiche Studenten die vollen Studiengebühren bezahlen, damit auch ärmere eine Chance bekommen. Auch Leistungssportler kommen leichter an Colleges. Um die entsprechende Mischung zu erreichen, werden auch mal schlechtere Noten der Bewerber akzeptiert, was die aktuelle Studie wieder bestätigt.

Rund 40 Prozent der Hochschulen akzeptieren bei Studienbewerbern, die einer Minderheit angehören, schlechtere Zensuren. Bei Sportlern akzeptiert jede vierte Hochschule schlechtere Noten. Bei Kindern ehemaliger Studenten zeigen sich zwölf Prozent, bei ausländischen Studenten neun Prozent nachgiebiger. Die Hälfte der Befragten gibt außerdem an, viele Studenten würden von Eltern und Studienberater so gut auf die Auswahlverfahren vorbereitet, dass es schwer falle herauszufinden, wie gut Bewerber tatsächlich sind.

Lloyd Thacker glaubt, weil sich die Auswahlkriterien der Hochschulen immer stärker verschieben, würden Studenten zunehmend misstrauischer. "Studenten sagen: Sie betrügen uns, also betrügen wir sie." Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Hochschulen.

fln

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Die Elite...
happy 1819 21.09.2011
...bleibt unter sich. In diesen Zyklus steigen nur sehr wenige aus "mittleren Verhältnissen" auf. Es fehlt einfach das Geld, obwohl Interesse und Bereitschaft da sind. Ein System das meiner Meinung nach an ungerechtigkeit nicht zu übertreffen ist. Wieder einmal geht es nur um drei Sachen : Geld, Geld und ...Geld.
2. Kapitalmarktbasierte Bildungspolitik
jan.dark 21.09.2011
Stufe 1: Die Hochschulen legen ihre überschüssigen Studiengebühren auf dem Kapitalmarkt an, um sich besser finanzieren zu können. "Harvard verbrennt acht Milliarden Dollar" http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,594671,00.html Stufe 2: Diese Elite Universität lehrt Elite-Methoden für ihre Elite-MBA und macht Rekord-Verluste. Diese Underperformer werden dann auf die Wirtschaft losgelassen. Ergebnis: schon eine Bank wie Lehmans bringt das Weltfinanzsystem mit den unreifen Produkten der Harvard-MBAs an den Abgrund. Die USA können aufgrund dieser Elite-Underperformer ihre Schulden nicht mehr bezahlen: AA-. Stufe 3: Die chinesischen Studenten rümpfen die Nase über diese Misthochschulen und gehen lieber nach Europa. Stufe 4: Für die Junk-Bildung findet man keine Leute mehr, die für ihr Geld arbeiten müssen, nur noch dumme Faulenzer, die Geld von ihren Eltern erben und trotzt ihre Blödheit einen Elite-MBA machen. Stufe 5: Das US-System ist im Arsch. Politisch, öknomisch, moralisch. Früher hörte ich von jüngeren, dass sie nach New York, Washinton, San Franzisko gingen. Heute höre Shanghai, Peking, Wuhan. Die Amis können nur noch töten und foltern: Mit Drohen, mit Bomben feige und hinterhältig aus der Luft wie von der CIA gekaufte saudische Terroristen, die WTC angreifen oder in Bahrein mit Panzern auf Demokraten schießen. Konsequenterweise wird dann Waterboarding in Harvard Pflichtfach für die geistig minderbemittelte MBA-Elite. Konsequenz für Europa und China: hüte Dich vor den Economic-Hitman der MBA-Schools. Sie wollen Dich leistungslos plündern. FDP-mäßig.
3. ...
Spades 21.09.2011
na und? ich hatte in den quantitativen und sprachlichen Aufnahmetests einen Top 2% Wert und hätte die Gebühren selber aufgebracht. Trotzdem wollte mich die amerikanische Uni, an der ich mich beworben hatte, nicht weil ich mit 30 schon zu alt war. Auch nicht viel besser.
4. Leistungssportler...
tetaro 21.09.2011
mit Uni Freikarte... das ist, als dürfte Stephen Hawking in die Basketball-Nationalmannschaft. Bei diesem Punkt habe ich die Amis noch nie verstanden. Dass sich dagegen die Reichen Privileg auf Führungspositionen nicht nehmen lassen wollen, wundert mich weniger.
5. Rothgrüne "Intellenz"
gsm900 22.09.2011
Zitat von jan.darkdie Geld von ihren Eltern erben und >trotzt ihre Blödheit< einen Elite-MBA machen.
Vermutlich IGS Absolvent mit rite.
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