Aufstand gegen Großverlag: TU München bestellt Elsevier-Paket ab
Einige wichtige wissenschaftliche Zeitschriften werden bald in der TU München fehlen. Denn die Uni hat ihre Abos bei dem einflussreichen Wissenschaftsverlag Elsevier gekündigt. Damit ist die nächste Stufe eines lange köchelnden Streits zwischen Bibliotheken, Forschern und Verlag erreicht.
Der Wissenschaftsverlag Elsevier ist sehr einflussreich, kaum ein Forscher und kaum eine Uni-Bibliothek kommt bislang an ihm vorbei. Trotzdem hat die mathematische Fakultät der Technischen Universität München (TUM) nun entschieden, ein Abo-Paket des Verlags zu kündigen. "Aufgrund unzumutbarer Kosten und Bezugsbedingungen hat das Direktorium des Zentrums Mathematik beschlossen, alle abonnierten Elsevier-Zeitschriften ab 2013 abzubestellen", teilte die die Mathe-Fakultät auf ihrer Webseite mit. Damit ist die nächste Stufe eines seit langem schwelenden Konflikts zwischen Unis, Bibliotheken, Forschern und dem Verlag erreicht.
Das britisch-niederländische Unternehmen Elsevier gehört zum Medienkonzern Reed Elsevier, es verdient mit wissenschaftlichen Zeitschriften und Datenbanken sehr viel Geld. Bibliotheken abonnieren bei ihm meist mehrere Titel, um Preisnachlässe zu bekommen. Ein normales Bündel mit zahlreichen Pharmakologie-Zeitschriften beispielsweise kostet rund 50.000 Euro pro Jahr.
In dem Zeitschriftenpaket, das die Münchner Mathematiker nun boykottieren, seien die enthaltenen Publikationen "mehrheitlich nicht sehr bedeutend", sagte ein Sprecher der Uni SPIEGEL ONLINE. Darum hätte sich die Leitung der Fakultät Mathematik in Absprache mit der Hauptbibliothek der TU entschieden, das Elsevier-Bündel trotz einiger relevanter Titel künftig nicht mehr zu beziehen.
Unis klagen schon lange, dass die Abos zu teuer seien, der Verlag nutze seine Marktmacht aus. Bisher gibt es allerdings kein Verfahren der Kartellbehörden. Ein Sprecher des EU-Wettbewerbskommissars Joaquín Almunia sagt zwar, man beobachte die Vorgänge, formale Beschwerden gegen Elsevier seien bisher aber nicht eingegangen.
Für die Forscher ist es ein Dilemma: Einerseits sind sie nicht einverstanden mit den Praktiken des Verlags, andererseits können gerade junge Wissenschaftler es sich kaum leisten, ihre Forschungsergebnisse nicht bei ihm zu veröffentlichen. Trotzdem haben sie Anfang des Jahres zu einem Boykott des Großverlags aufgerufen. Über 11.000 Unterschriften sind bislang auf der Internetseite eingegangen. Der Verlag reagierte mit einem offenen Brief auf den Aufruf: Einige Fakten würden falsch interpretiert, steht darin - trotzdem würde die Petition sehr ernst genommen.
cht/fln
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