Referate an der Uni: Sie reden, wir leiden

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Hättet ihr geschwiegen! An der Uni nervt kaum etwas so wie schlechte Referate von Angebern, Hektikern, Verpeilern. Dennoch quälen sich jedes Semester Menschen durch Vorträge, denen niemand zuhören will. Eine Typologie der schlimmsten Redner.

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Corbis

Furchtbare Vorträge: Bitte, lass es schnell vorbei sein

Am Studium ist nichts so furchtbar wie schlechte Referate. Da stottern und schwitzen die Nervösen, da produzieren sich Selbstdarsteller, da nerven die Pedanten, da langweilen die Lustlosen. In kaum einer Situation an der Uni verdichtet sich alles Furchtbare so wie in den Vorträgen von Studenten, die übermotiviert oder unfähig sind, aufgeregt oder ahnungslos.

Die Zeit dehnt sich, wie man das nur aus dem Chemie-Unterricht der zehnten Klasse kannte, vor allem wenn vorne jemand steht, der mit monotoner Stimme vom Blatt abliest. Weniger zur Gedulds- als zur Toleranzprobe wird der Vortrag hingegen, wenn vorne niemand steht, sondern auf- und abläuft, wild gestikuliert und sich für den akademischen Wiedergänger von Stefan Raab hält. Dem, was er für ein Pointen-Feuerwerk hält, lässt sich nicht entkommen.

Man erlebt solche Kommilitonen in allen Fachrichtungen und an allen Instituten, wenn auch in unterschiedlicher Häufung. Zwar gibt es an vielen Unis und Hochschulen mittlerweile Präsentationskurse, doch weit herumgesprochen scheint es sich oft noch nicht zu haben. Selbst elementare Rhetorik-Regeln kennen oder beherrschen viele Referenten nicht - und so leiden allzu oft beide: Vortragende und Zuhörer.

Für Dozenten jedoch ist das Referat ein beliebtes Mittel, eigene Aufgaben abzuwälzen oder zumindest auf das Nötigste zu reduzieren. Während sich vorn ein Student durch seine Gliederung quält, lässt sich ja der Fachaufsatz des Forschungskollegen lesen oder eigenen genialen Gedanken nachhängen.

Es wird also auch künftig kaum ein Student den Vorträgen entkommen, die sich anfühlen wie die Vorhölle.

Eine Typologie der wichtigsten Referenten: Wie bereiten sie sich vor? Was sind ihre typischen Sätze? Wie lange muss man durchhalten? Klicken Sie zum Weiterlesen auf die Überschriften:

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insgesamt 52 Beiträge
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1. Wie der Zufall es will...
Shinichi91 16.11.2012
...sitze ich gerade in meiner Uni und hatte das Vergnügen 6 Seminare in 100 min anzuhören. Zu viel Inhalt in zu kurzer Zeit mit völlig überladenen PP-Präsentationen.
2. Dozenten und Referate
blackpfo 16.11.2012
Die Behauptung, Dozenten würden die Referate ihrer Studenten dazu nutzen, sich selbst Arbeit zu ersparen und dabei womöglich sogar noch andere Sachen machen, ist - bis auf einen minimalen Prozentsatz - nicht nur falsch, sondern auch ziemlich daneben. Für uns Dozenten sind Referate meist eine ziemlich Arbeit und ein einfacher "Lehrervortrag", eine Quellenarbeit oder ähnliches wäre meist viel leichter - ganz unabhängig davon, dass in Zeiten des Bachelors jedes Referat (oftmals mit schrifltichen Begründungen im Fall möglicher Beschwerden) bewertet werden muss - gerade bei problematischen Referaten oftmals keine leichte Sache!
3. was soll das denn?
santacatalina 16.11.2012
die uni ist genau dafür da, daß man (unter anderem) das lernt. ein referat in einem seminar ist eine übung für z. b. später eine präsentation, ein plädoyer, eine schulstunde. niemand kann erwarten, daß studenten an die uni kommen und das bereits können. es liegt an den lehrenden, grundsätzliches klarzumachen wie etwa frei sprechen. und einzugreifen, wenn es gar nicht mehr geht, ansonsten aber am ende manöverkritik anzubieten.
4. ...
Barath 16.11.2012
Zitat von sysopCorbisHättet ihr geschwiegen! An der Uni nervt kaum etwas so wie schlechte Referate von Angebern, Hektikern, Verpeilern. Dennoch quälen sich jedes Semester Menschen durch Vorträge, denen niemand zuhören will. Eine Typologie der schlimmsten Redner. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/typologie-der-referenten-uni-vortraege-des-grauens-a-867538.html
Achja. Das kannte ich auch. Am schlimmsten aber sind Referate die man in "Teamarbeit" erledigen muß, weil Voraussetzung für den Schein ist, das jeder ein Referat gehalten hat. Zweimal hatte ich mit Leuten ein Referat gehalten, die das Thema überhaupt nicht verstanden haben aber trotzdem die doppelte Redezeit benutzt haben weil sie dachten sie wären so genial. Beide Male habe ich bei der Referatsvorbereitung den Kommilitonen versucht zu erklären wie es wirklich aussah. Sie wollten mir einfach nicht glauben, weil sies ja besser wussten. Das einmal hat der Kommilitone die erste Hälfte des Referats gehalten und der Dozent hat mittendrinne abgebrochen weil es so schrecklich falsch und albern war (ich kanns ihm nicht verdenken). Ich hätte meinen Kommilitonen am liebsten erwürgt, als er genau den Müll erzählt hat, den ich ihm in der Vorbereitung ausreden wollte... Danach habe ich immer einen weiten Bogen um Gruppenarbeiten gemacht. Es ist schon ein Horror wenn man halbwegs gut durch so ein Gemeinschaftsreferat durchgekommen ist und Schweißausbrüche kriegt, wenn der Dozent Rückfragen stellen will, weil man genau weiß, daß die "Partner" diese nicht beantworten können... Trotzdem finde ich Referate selbst eine gute Sache, weil sie einem helfen tiefer in die Thematik einzusteigen. Ansonsten sind im überfüllten deutschen Uni-Alltag die Möglichkeiten zu zahlreich einfach nur da zu sitzen und nur die nötigsten Leistungen zu bringen. Nichts ist unangenehmer als ein Seminar in dem alle solange schweigen und hoffen, daß die anderen den Text gelesen haben, bis der Dozent einen Wutanfall bekommt. Ich war weißgott kein Musterstudent, aber bei 50% - 90% meiner Kommilitonen habe ich mich gefragt, warum sie ein Fach studieren, daß sie offenbar nichtmal genug interessiert um die Literatur zu lesen...
5. Schön wär's ...
renzodohm 16.11.2012
... aber wer nicht vortragen kann, lernt es an der Uni auch nicht. Als Student sähe ich auch nicht ein, als Versuchskaninchen für Vortragsübende dienen zu müssen. Leider wird die Lehre noch immer als Verwaltung und eifriges Beschnuppern eines Wissensberges verstanden. Wie Wissen am besten vermittelt wird, das kümmert weiter als Randkunst vor sich hin. Mit den richtigen Büchern, Medien und den richtigen Dozenten könnte Lernen ebenso kurz wie kurzweilig sein.
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