Gefühlslage der Bachelor-Studenten: Gestresst, aber okay

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Tunnelblick: Der Akademikernachwuchs ist gestresst, studiert aber gern

Wie geht es deutschen Bachelor-Studenten? In einer Online-Befragung erkundigten sich Hochschulforscher nach dem Befinden bei Nachwuchsakademikern. Sie untersuchten Stress und Belastung im Studium und fanden heraus: Größte Sorge ist und bleibt das Geld.

Viele Sorgen, aber kein Grund gleich alles hinzuschmeißen - so haben 4087 deutsche Bachelor-Studenten in einem Online-Panel ihre Gefühlslage im Studium beschrieben.

Fast die Hälfte aller Bachelor-Studenten kämpft jedoch mit Erschöpfung und dem Gefühl der Überforderung. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS), die vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Auftrag gegeben wurde. Befragt wurden dafür deutsche Studenten im November und Dezember 2011, jetzt wurde die Auswertung vorgestellt.

Die Befragung soll einen Einblick in das Stress- und Belastungspotential angehender Akademiker geben. Demnach liegen Zuversicht und Frust dicht beieinander: Gut zwei Drittel der Befragten macht das Studium Spaß.

Drei Viertel der Studenten sind sogar davon überzeugt, den Bachelor erfolgreich abzuschließen. Immerhin 61 Prozent der Befragten glauben, anfallende Probleme im Studium selbst lösen zu können.

Andererseits geben 68 Prozent der Bachelor-Studenten an, durch das Studium besonders belastet zu sein. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit der letzten Sozialerhebung des Studentenwerks aus dem Jahr 2010. Jedoch gibt es ebenfalls genügend Studien, die einem steigenden Leistungsdruck widersprechen.

Problem: Knappe Kasse

Besonders anstrengend wird es, wenn weitere Stressfaktoren wie Studienfinanzierung hinzukommen. Zu wenig Geld ist für Studenten immer noch eines der Hauptprobleme: 41 Prozent der Befragten empfinden ihre finanzielle Situation sowie die daraus resultierenden Anforderungen im Nebenjob als besonders belastend.

Für knapp die Hälfte geht dieser Druck so weit, dass sie sich im Studium beeinträchtigt fühlen. Symptome sind dafür bei Bachelor-Studenten "Erschöpfung" (47 Prozent), "psychosomatische Beschwerden" (44 Prozent) und allgemeine "Ängste" (42 Prozent).

Das DSW weist vor dem Hintergrund wieder auf seine Beratungsangebote hin, die Studenten in Krisen helfen können. Laut Studie haben 38 Prozent der Studenten schon einmal eine Beratung zu einem sozialen oder psychosozialen Problem in Anspruch genommen. 47 Prozent würden sich gern beraten lassen. Oft kann gestressten Studenten auch schon helfen, dem fremd- und selbstgemachten Druck elegant auszuweichen. "Wenn das Einhalten der Regelstudienzeit mich so belastet, dann muss ich eine gewisse Gelassenheit entwickeln", empfiehlt Stefan Grob vom DSW. Ein oder zwei Semester dranhängen könne dabei manchmal schon helfen.


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dpa/jon

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Dozenten ...
shalom-71 10.04.2013
Gefühlslage eines Bachelor-Dozenten: Gestresst und ohne grosse Hoffnung, den jungen Leuten wirklich viel beibringen zu können.
2.
faturek 10.04.2013
Zitat von shalom-71Gefühlslage eines Bachelor-Dozenten: Gestresst und ohne grosse Hoffnung, den jungen Leuten wirklich viel beibringen zu können.
Thema verfehlt, setzen, sechs. Als Student der Physik muss ich sagen, dass die Belastung durch diverse Klausuren und Leistungsüberprüfungen innerhalb des Semesters schon immens hoch ist. Unter anderem auch aufgrund total wirrer Studienordnungen. Da gibt es dann Pflichtübungen, die man bestehen muss, um zur Zulassungsklausur zugelassen zu werden, welche wiederum Vorraussetzung ist, um an einer Klausur ein Semester später zugelassen zu werden. Aha, das geht wohl auch direkter. Die schlechte Organisation und Leistung vieler unmotivierter Dozenten tut dann ihr übriges.
3. Ebenso
whostalking 10.04.2013
Zitat von faturekThema verfehlt, setzen, sechs. Als Student der Physik muss ich sagen, dass die Belastung durch diverse Klausuren und Leistungsüberprüfungen innerhalb des Semesters schon immens hoch ist. Unter anderem auch aufgrund total wirrer Studienordnungen. Da gibt es dann Pflichtübungen, die man bestehen muss, um zur Zulassungsklausur zugelassen zu werden, welche wiederum Vorraussetzung ist, um an einer Klausur ein Semester später zugelassen zu werden. Aha, das geht wohl auch direkter. Die schlechte Organisation und Leistung vieler unmotivierter Dozenten tut dann ihr übriges.
Und was hat das jetzt mit dem Bachelor zu tun? Exakt genau so sah mein Grundstudium zum Diplom-Informatiker auch aus (TU-Berlin: Pflichtübungen mit Mindestpunktzahl, Teilklausuren etc. als Voraussetzung für eine spätere weitere Prüfung/Klausur). Deshalb frage ich mich auch immer, was jetzt stressiger geworden sein soll? Was ist an einer durchgehenden Leistungskontrolle jetzt so schlimm (und ja, ich habe damals auch nebenher gearbeitet)? Das ganze wurde übrigens mit einer neuen Studienordnung Anfang der 90er auf betreiben des Asta eingeführt, weil es immer so viele Durchfaller gab und man der Meinung war, das man im Grundstudium nicht in der Lage ist, selbständig und eigenverantwortlich konsequent die behandelten Themen zu verinnerlichen...
4. Was ich meinte ...
shalom-71 10.04.2013
Zitat von faturekAls Student der Physik muss ich sagen, dass die Belastung durch diverse Klausuren und Leistungsüberprüfungen innerhalb des Semesters schon immens hoch ist...
In meinem Posting hatte ich mich kryptisch ausgedrückt. Als ein Hauptproblem sehe ich, dass es in den Bachelor-Studiengängen mehr Prüfungen als früher gibt UND dass viele Studenten eine Art Bulemie-Lernen eingeübt haben: Am Tag der Klausur/Prüfung sind sie fit, aber nur wenige Tage später ist fast alles wieder vergessen. Für mich ist es eine absolute Katastrophe, wenn ein Sechstsemester in einer mündlichen Prüfung auf eine Frage antwortet: "Das ist Stoff aus dem und dem Modul des ersten Semesters. Das gehört nicht in die aktuelle Prüfung." Man lernt nicht für die Prüfungen, sondern dafür, dass man später mit dem Erlernten Probleme lösen kann. Ich wäre froh, wenn ich eine Lösung zum Problem Bulemielernen wüsste...
5. Die Zeiten ändern sich. Und du?
heiwie 10.04.2013
Ob man das heute "Bachelor" nennt oder irgendwie anders, spielt doch keine Rolle. Ob die Anforderungen früher genauso hoch waren wie heute, ich weiß es nicht. Gewiss sind aber die Lebensumstände heute andere. Wir leben in einer Zeit kultureller Verrohung. Worum geht es überhaupt bei alldem? Wo steuert unsere Gesellschaft hin? Wo ist unser Platz, wo ist mein Platz in diesem Leben? Das sind Fragen, die mich als sog. Bachelor-Studenten beschäftigen. Ich beobachte eine Tendenz zur Beschleunigung, zur Oberflächlichkeit. Ich sehe egozentrische Menschen im Medienwahn. Was ich vermisse, ist Tiefenschärfe, ist ein Innehalten, Solidarität, echtes Interesse. Mir fehlt Ruhe und Genauigkeit. Mir mangelt es an Zivilcourage und Aufrichtigkeit, auch an Privatsphäre und Intimität. Alles Gute ist verdächtig in Auflösung begriffen. Es macht mir Angst. Ich fühle, dass Deutschland kein guter Ort ist, um Wurzeln zu schlagen und Erbgut zu streuen. Letztlich bleibt mir nichts anderes als die Anpassung an gefühlt Falsches, bis zur Selbstauflösung. Oder - und das präferiere ich - den eigenen Weg weiter zu gehen und wenn er noch so skurril anmuten mag.
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