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Umstrittene Honorar-Professur: Frankfurter Uni will zweite Chance für Ackermann

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Die Ehrung wurde kurzfristig, fast heimlich geplant: Die Ökonomen der Frankfurter Uni wollen Deutsche-Bank-Boss Ackermann im zweiten Anlauf zum Honorarprofessor machen. Der erste Versuch scheiterte am Protest von Professoren und Studenten - auch jetzt gibt es Widerstand gegen den "Victory"-Banker.

Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, könnte am kommenden Mittwoch richtig was zu feiern haben: Der Senat der Goethe-Universität in Frankfurt am Main soll den Banker und Oberst der Schweizer Armee zum Honorarprofessor machen. So will es der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität.

Der Plan wurde erst bekannt, als Uni-Präsident Rudolf Steinberg am vergangenen Montag die Tagesordnung der Senatssitzung veröffentlichte. Zur Überraschung der Senatsmitglieder steht dort unter Punkt 11.1 "die Verleihung der akademischen Bezeichnung 'Honorarprofessor' an Herrn Dr. Josef Ackermann" auf dem Zettel.

Dass diese Personalie so kurzfristig und beinahe heimlich auf den Senatstisch flattern sollte, hat einen Grund: Es ist schon der zweite Anlauf, dem Banker Ackermann zu einem Professorentitel zu verhelfen. Seine Honorarprofessur stand nämlich schon im April 2005 auf der Agenda des Senats. Sie wurde aber nicht behandelt, weil etliche Professoren und Studenten einen Professor Ackermann nicht wollten.

Legendäre Siegerpose im Gerichtssaal

Die Kritiker störte besonders die Ackermanns Siegerpose als Angeklagter zu Beginn des Mannesmann-Prozesses 2004. Dafür entschuldigte er sich später. Der Prozess wurde Ende 2006 eingestellt, Ackermann musste aber mit 3,2 Millionen Euro den Großteil einer Geldauflage tragen.

Für neue Negativschlagzeilen sorgte Ackermann, als er im Februar 2005 Massenentlassungen bei der Deutschen Bank ankündigte - trotz imposanter Gewinne. Ein Professor müsse nicht nur lehren, sondern auch Vorbild sein, monierten die Kritiker. Wegen der öffentlichen Empörung von Asta und Senatsmitgliedern trat die Uni-Verwaltung damals auf die Bremse.

Drei Jahre später ist für die Wirtschaftswissenschaftler in Frankfurt wohl genug Gras über die Sache gewachsen. Der "weltweit angesehenste Experte auf dem Gebiet des Bankwesens" - Ackermann - solle mit der Honorarprofessur dauerhaft an die Hochschule gebunden werden, heißt es in einer Stellungnahme des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Ackermann könne den Studenten "die für die Praxis nötigen Qualifikationen" zeigen. Das tut Ackermann allerdings auch ohne Honorarprofessur bereits: Seit dem Jahr 2002 gibt er hin und wieder ein Seminar am Lehrstuhl für Unternehmensfinanzierung.

Honorarprofessur als Dienst am Standort Deutschland

Der Fachbereich Wirtschaft weiß noch einen zweiten guten Grund: Weil der Großbanker auch an der London School of Economics (LSE) unterrichtet, deutet man die Promi-Professur offenbar als eine Art patriotische Pflicht. Gemeinsam mit der Universität sähe es der Fachbereich als "enormen Verlust, wenn Dr. Ackermann weiter zur Stärkung des Finanzplatzes London beitrüge".

Im Senat zweifeln indes einige Mitglieder an einer flotten Ehrung Ackermanns. "Ich glaube nicht, dass das glatt durchgeht" sagte Jost Gippert, Literaturprofessor und Senator, SPIEGEL ONLINE. Die Personalie Ackermann halte er für problematisch. Es gebe drei Gruppen von Professoren im Senat, die sich laut Gippert am Mittwoch vor der Senatssitzung treffen und beraten werden. Ihn persönlich habe es überrascht, dass "es die Wirtschaftswissenschaften noch einmal versuchen".

Inflation der Ehrentitel

Ganz und gar nicht überrascht ist der Asta, dass Ackermann jetzt noch einmal gekürt werden soll. Der hochschulpolitische Sprecher David Malcharczyk nennt die Ehrung "absehbar". Die Entscheidung passe zur Grundausrichtung am "wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream", der an der Uni gepflegt werde. Dazu gehöre auch das Ende Mai eröffnete House of Finance, ein nagelneues Institut, das die Kompetenzen aus Juristerei und Wirtschaft in Sachen Geld und Kapitalmarkt bündeln soll - eine Art Ideenschmiede für die Finanzwirtschaft.

Mit unter dem Dach des Instituts: die private Goethe Business School der Stiftungsuni Frankfurt, die für das Masterstudium 56.000 Euro nimmt. Keine Peanuts, aber in Frankfurt orientiert man sich eben an der englischen Kaderschmiede LSE - und dort ist der Master in Wirtschaft und Finanzen auch nicht unter 21.000 Euro pro Jahr zu haben.

Finanziert hat das House of Finance in Teilen Josef Ackermanns Deutsche Bank. Das Ackermann jetzt Professor werden soll, sei nur "folgerichtig", spottet Asta-Vertreter Malcharczyk. Beim letzten Versuch, Ackermann akademisch zu weihen, war Wolfgang König die treibende Kraft, der frühere Dekan der Frankfurter Wirtschaftswissenschaften. Er ist nun seit knapp zwei Wochen neuer Geschäftsführer des House of Finance, in dessen Kuratorium wiederum auch Banken-Lenker Ackermann sitzt. All das bestätige den Frankfurter Trend zur "Ökonomisierung der Wissenschaft", sagt Asta-Vertreter Malcharczyk.

Die engen personellen und finanziellen Verstrickungen befeuern die Kritiker zusätzlich. Sie halten es für anrüchig, wenn es akademische Ehren im Gegenzug für Geldgeschenke regnet - oder wenn zumindest dieser Eindruck entstehen kann. Manche finden auch, dass deutsche Hochschulen generell zu generös mit Ehrentiteln um sich werfen.

Klimawandel pro Josef Ackermann?

Die studentischen Senatsmitglieder werden wohl nicht geschlossen zustimmen. Zumindest Peter Jung von der Grünen Hochschulgruppe will Ackermann nicht als Honorarprofessor sehen. "Ich habe ein Problem damit, einem Mann ein Ehrenamt zu geben, der in einem Gerichtsverfahren gezeigt hat, was er vom Rechtstaat hält", sagte Jung mit Bezug auf Ackermanns Victory-Pose im Mannesmann-Prozess.

Die Tagesordnung für die Senatssitzung am Mittwoch schrieb Uni-Präsident Rudolf Steinberg zwar selbst, zu dem Professur-Kandidaten wollten sich Steinberg und das Präsidium aber nicht äußern. Sein Sprecher verwies lediglich auf die akademischen Meriten von Ackermann, der ja auch in St. Gallen und an der LSE lehre. Das Präsidium glaubt also an eine Chance - schließlich habe sich das Klima in Sachen Ackermann geändert, so der Sprecher.

Peter Jung, der 2005 selbst bei der gescheiterten Ackermann-Ernennung im Senat saß, vermutet, das Verfahren könnte ähnlich ausgehen wie damals. "Der Honorarprofessor ist ein Ehrentitel. Das ist nichts, was man mit einer Stimme Mehrheit durchdrückt", so der Studentenvertreter. Sollte die umstrittene Personalie abermals am Senat der Goethe-Universität scheitern, wäre es diesmal wohl das endgültige Aus für Ackermanns Honorarprofessur am Main.

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Forum - Deutsche Unis - zu großzügig mit Ehrentiteln?
insgesamt 54 Beiträge
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1. jedem den seinen Prof.
Tupolev 21.07.2008
Es ist die Frage wo man hin will. Es gibt eine Reihe von Universitäten (meist auf Papier) die Doktor und Professortitel (meist für Geld) verleihen. Bei dem "Ehrenprofessor" verhält es sich bei uns recht ähnlich. Jeder der als "wichtig" eingestuft wird (Gorbatschow, Putin, Schröder... ) und alle anderen Leuchten am Horizont - bekommen sofort den Professortitel verliehen. Will man sich einschleimen? NEIIN! Das sind alles wichtige Persönlichkeiten, ohne die wäre man ja sonstwo! Die sollen sich dem Geschenk freuen. Das auch Ackermann diesen Titel bekommt wundert mich nicht. Schließlich entlässt man ja fast so viele wie Siemens, (wegen ausgeklügelter Geschäftsführung)
2.
kro 21.07.2008
Zitat von sysopDie Ökonomen der Frankfurter Uni wollen Deutsche-Bank-Boss Ackermann zum Honorarprofessor machen. Der erste Versuch scheiterte am Protest von Professoren und Studenten - auch jetzt gibt es Widerstand gegen den "Victory"-Banker. Ihre Meinung: Sind deutsche Universitäten generell zu großzügig mit Ehrentiteln?
Grundsätzlich bin ich völlig ihrer Meinung, dass deutsche Unis Honorarprofessuren viel zu großzügig vergeben. Im Falle Ackermann muss man aber den überragenden Einsatz und die riesige Bedeutung dieses Mannes für Universität und Stadt betrachten, und dann sieht man klar, dass er das einfach verdient hat.
3.
mauskeu 21.07.2008
Zitat von sysopDie Ökonomen der Frankfurter Uni wollen Deutsche-Bank-Boss Ackermann zum Honorarprofessor machen. Der erste Versuch scheiterte am Protest von Professoren und Studenten - auch jetzt gibt es Widerstand gegen den "Victory"-Banker. Ihre Meinung: Sind deutsche Universitäten generell zu großzügig mit Ehrentiteln?
Wenn man einmal betrachtet, was Ackermann so alles richtig gemacht hat im Bankengeschäft und wieviele hoch geehrte da so richtig daneben gelegen haben, dann sollte man ihm schon eine Anerkennung dafür auch von der Uni geben. Diese unglückliche Geste im Gerichtssaal sollte man nicht für sein ganzes Leben als Masstab setzen. Er wird ja für seinen Beitrag als Bankfachmann geehrt und da können doch auch seine grössten Feinde nicht widersprechen. Dass er jungen Wirtschaftsfachleuten etwas vom Bankgeschäft beibringen kann ist wichtig und in seinem persönlichen Leben ist er ja auch eher ein Vorbild für junge Leute. Stellen Sie sich nur einmal vor, wie gross der Schaden für das Bankengeschäft in Deutschland wäre, wenn er genau wie so manche seiner Kollegen 40 Milliarden Verluste "erwirtschaftet" hätte durch die subprime Krise.
4. typisch deutsche Kleingeisterei
mcmaier 21.07.2008
Im Schweizer Fernsehen habe ich vor ca. einem halben ein längeres Interview mit Herrn Ackermann verfolgen können: Ich hatte anschließend den Eindruck, daß es sich bei H. Ackermann sowohl um eine sehr intelligente, als auch humorvolle Persönlichkeit handelt. Vergleiche ich Herr Ackermann etwa mit Persönlichkeiten aus der deutschen Politik, so fällt mir kein Name ein, den ich so hocheinschätzen würde. Die laufende Diskussion erinnert mich an intellektuelle Kleinkrämerei.
5. Deutschland absurd
MarkH, 21.07.2008
warum sollte Jemand einen Professorentitel erhalten, der globaleinfach nach den niedrigsten Preisen schaut. Da versucht jede Hausfrau Warum entschliessen sich die Universitäten nicht längst die bsin die Lächerlichkeit entarteten Studiengänge - mittlerwiel mit amerikanischen Siegel - endlich aus den Unisälen zu kicken.
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