Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Wohnprojekt: Ein Haus aus Müll

Bauwagenbewohner Schaeffer und Hüdepohl: "Alles ist so toll naturnah" Zur Großansicht
Melanie Vogel/ UNI SPIEGEL

Bauwagenbewohner Schaeffer und Hüdepohl: "Alles ist so toll naturnah"

Sie ist noch Studentin - wohnt aber schon in ihren eigenen vier Wänden. Wie hat Hannah Hüdepohl das gemacht? Sie hat sich einen Wohnwagen gebaut, mit Material aus dem Müll. Nur die Dusche fehlt.

Ein Häuschen im Grünen? Für die meisten Studenten ist das völlig unerschwinglich. Außer, man hat reiche Eltern oder macht es so wie Hannah Hüdepohl aus Kassel.

Die 25-jährige Studentin des Umweltingenieurwesens und ihr vier Jahre älterer Freund Tim Schaeffer, ein Student des Produktdesigns, entdeckten während einer Radtour einen alten Bauwagen, kauften ihn für 950 Euro und fassten den kühnen Plan, ihn ökologisch korrekt für Hannah herzurichten - und zwar nur mit "Müll".

Was wie ein Hirngespinst klingt, ist tatsächlich gelungen. Ein glücklicher Zufall war es, dass an der Kasseler Uni gerade gebaut wurde und bei den Arbeiten viele Holzreste anfielen, die verbrannt werden sollten. Hannah fragte die Baufirma, ob sie sich aus dem Abfallcontainer bedienen dürfe - und bekam eine Zusage.

Renovierter Bauwagen: "Es gibt viel Müll, der keiner ist" Zur Großansicht
Melanie Vogel/ UNI SPIEGEL

Renovierter Bauwagen: "Es gibt viel Müll, der keiner ist"

Auf anderen Baustellen fanden die beiden alte Styroporplatten für die Dämmung, zweifach verglaste Fensterscheiben und eine ausrangierte Haustür. Außerdem trieben sie gut erhaltene Möbel auf, die sonst auf dem Sperrmüll gelandet wären. "Mit unserem Wagen haben wir bewiesen, dass es viel Müll gibt, der eigentlich keiner ist", sagt Hannah.

Eine Leistung, die auch die Kasseler Uni würdigte: Sie erlaubte dem Paar, den Container während der Ausbauarbeiten auf dem Campus der Kunsthochschule zu parken, und integrierte ihn in ihre Jahresausstellung - als "ambitioniertes gestalterisches Projekt".

Im Oktober 2014 rollten Hannah und Tim das kleine Eigenheim auf einen Wagenplatz nahe Kassel, wo schon zehn andere Wagen geparkt sind. Das Duschhäuschen und die Komposttoilette, die auf dem Platz angelegt wurden, muss sich Hannah mit ihren Nachbarn teilen, dafür gibt es aber in jedem Container fließendes Wasser. "Alles ist so toll naturnah", schwärmt Hannah, "den ersten Kaffee des Tages trinke ich auf der Wiese."

Fotostrecke

12  Bilder
Besondere Studenten: Wir sind hier die Guten

Nun will das Paar noch einen zweiten (Müll-)Wagen für Tim ausbauen - und ihn direkt nebenan aufstellen. "17 Quadratmeter wären für zwei Personen dann doch ein wenig eng gewesen", sagt Tim, der derzeit noch in einem Wohnheim lebt.

Hol Dir den gedruckten UNI SPIEGEL!
Gute Ideen für die Schule gesucht!
  • Gesucht werden Entwürfe aus dem Bereich Social Design, die Schulen zu attraktiveren Orten machen. Das kann ein wandelbares Sportgerät für den Pausenhof sein, eine App für den Schulalltag oder ein mobiles Traumsofa für die Pausenhalle. Jeder kann jetzt mitmachen beim Orange Social Design Award 2015!
  • Hier geht es zum Wettbewerb.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
numey 23.08.2015
Löblich, aber da geht noch mehr! https://www.facebook.com/media/set/?set=oa.786823178070138&type=1
2. Cool
amidelis 23.08.2015
Ich reíse in einer woche nach mittelamerika. Dort hat es Millionen "kreativer projekte" und alle so naturnah. Vielleicht findet die junge Dame ja einen Weg ihre Erkenntnisse über den Genuss morgendlichen Kaffees anderen zugänglich zu machen die nicht das Glück haben Armut als Event zu erleben. Im fetten Leben sitzen und sich mal was billiges basteln - coole Idee. Für Milliarden leider nicht cool sondern tägliches Brot.
3. alter Hut
rageagainstthemachine 23.08.2015
Was ist daran nun so besonders neu, ambitioniert oder innovativ? Genau das haben Bekannte von mir schon vor 35 Jahren gemacht. Einer von denen sah dem Typ auf dem Foto mit dem Rauschebart, sogar zum Verwechseln ähnlich. Das war aber nicht nur ein "ambitioniertes gestalterisches Projekt", der hat das mehrere Jahre lang durchgezogen (ohne fliessend Wasser im Container) und zwar als ganzjährige Hauptwohnstätte. Nicht nur als Gartenhäuschen zum Kaffetrinken im Sommer. Mal sehen ob Hannah das in ein paar Jahren auch noch "alles ist so toll naturnah" empfindet, was ich stark bezweifle. Nach dem nächsten Winter ist es wahrscheinl. vorbei damit.
4. Peter Lustig...
reinerhohn 23.08.2015
... wohnt schon seit Jahren In einem solchen Bauwagen. Die allerneuste Erfindung ist das ganz sicher nicht. Andere Bauherren muessten sich vom Bauamt fragen lassen wo die Statik fuer die Nutzung des Daches als Terrasse ist, wo das Gelaender und die sicher begehbare Treppe ist, und wie es um die Waermedaemmung gem. EnEV 2014 aussieht! Dann wird die Junge Dame nachruesten muessen oder ihr wird die Benutzung untersagt.
5. Interessant
MissMorgan 23.08.2015
Klar, das ist keine besonders originelle Idee für ältere Leute. Alles ist ja irgendwie schon dagewesen. Aber machen wir es doch nicht künstlich klein. Immerhin hat sich eine junge Dame aus einer konsumlastigen Generation an ein Experiment gewagt und lebt nun auch nicht ganz so komfortabel wie ihre Studienkollegen. Und natürlich gibt es Länder in denen ein solcher Bauwagen reiner Luxus wäre, aber was soll denn diese - fast schon reflexhafte Vergleich immer? Ja, uns geht es hier besser, aber wir leben hier. Wir könnten hier in Deutschland auch nicht von den Löhnen in Sierra Leone leben; bleiben wir doch bitte im eigenen Lande. Oder sind still.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 4/2015 Wie Studenten Jagd auf ungeliebte Profs machen