Uni Göttingen: Kommission bestätigt Fälschungsverdacht

Wissenschaftler der Uni Göttingen sollen staatliche Forschungsmittel teilweise erschlichen haben. Die Untersuchungskommission der Hochschule legte nun erste Ergebnisse vor: In allen Fällen wurde ein Fehlverhalten festgestellt, die Forscher machten in einem Antrag falsche Angaben zu ihren Publikationen.

In der Affäre um Unregelmäßigkeiten bei millionenschweren Fördergeld-Anträgen an der Universität Göttingen hat die von der Hochschule eingesetzte Kommission ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Sie habe "in allen abgeschlossenen Fällen Fehlverhalten festgestellt", teilte die Universität auf ihrer Internetseite mit.

Universität Göttingen: Vorwürfe bestätigt
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Universität Göttingen: Vorwürfe bestätigt

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Forscher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 552 "Stabilität von Randzonen tropischer Regenwälder in Indonesien" sollen in einem Antrag auf Forschungsförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) falsche Angaben über Publikationen gemacht und teilweise Veröffentlichungen erfunden haben.

Die Untersuchungskommission untersuchte die Vorwürfe, von denen 16 Wissenschaftler betroffen sind. 15 Einzelverfahren konnten bisher abgeschlossen werden. "In diesen 15 Fällen hat die Kommission ein fahrlässiges Verhalten festgestellt", so die Universität. In vier Fällen handele es sich um "grob fahrlässiges Verhalten".

Universität kündigt disziplinarische Maßnahmen an

So habe ein Forscher drei bis dahin noch nicht fertiggestellte Manuskripte aufgeführt, sagte der Vorsitzende der Kommission, Langerichts-Präsident Klaus Henning. Drei weitere führende Wissenschaftler hatten fälschlich angegeben, ihre Arbeiten seien bereits bei wissenschaftlichen Journalen zur Veröffentlichung eingereicht. Hochschulpräsident Kurt von Figura betonte, es seien keine Texte erfunden worden.

Die Wissenschaftler müssen jetzt mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen. Schwerwiegende Maßnahmen wie etwa die Entfernung aus dem Dienst werde es aber nicht geben, sagte von Figura. Die Forscher hätten ohnehin erheblich an der Beschädigung ihrer wissenschaftlichen Reputation zu tragen. In dem rund 1100 Seiten starken Förderantrag des SFB waren insgesamt 230 von Fachzeitschriften bereits zur Veröffentlichung angenommene Texte und 63 bei Journalen eingereichte Manuskripte aufgeführt.

Während die Untersuchungen zu den Publikationslisten mit dem Bericht der Kommission so gut wie abgeschlossen ist, dauern nach Angaben von Präsident von Figura die internen Ermittlungen zur angeblich zweckwidrigen Verwendung von Fördermitteln im SFB 552 noch an.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Uni-Mitarbeiter

Die DFG überprüft seit einem Vierteljahr, wie es dazu kam, dass Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs die Mittel der Forschungsgemeinschaft nicht sachgemäß verwendeten. Im September 2007 nahm die Universität einen Kassensturz vor und bemerkte, dass 150.000 Euro übrig waren, die an die DFG hätten zurückfließen müssen. Nach SPIEGEL-Informationen wurden kurzerhand mehrere Mitarbeiter aus anderen Bereichen auf die Gehaltsliste der Tropenforscher gesetzt.

Die Göttinger Staatsanwaltschaft hatte im Mai ein Verfahren gegen Mitarbeiter der Universität wegen des Verdachts des versuchten Betruges und der Untreue eingeleitet. Es ist noch nicht abgeschlossen.

bim/dpa

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