Harvard: Elite-Studenten schummelten bei Hausaufgaben

"Beispiellos in Umfang und Ausmaß" und "völlig inakzeptabel": Die Harvard University hat öffentlich gemacht, dass 125 Studenten bei einer Hausaufgabe verbotenerweise zusammengearbeitet haben. Der Furor über das unerlaubte Teamwork ist immens - und soll wohl vor allem der Abschreckung dienen.

Juhu, bestandenes Examen: Harvard-Absolventen bei der Abschlussfeier (Symbolbild) Zur Großansicht
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Juhu, bestandenes Examen: Harvard-Absolventen bei der Abschlussfeier (Symbolbild)

An der Uni Harvard, Hort der Exzellenz, könnten sich über 100 Studenten durch ihre Abschlussprüfungen geschummelt haben. Sollte sich der Verdacht bestätigen, stünde die Elite-Uni vor dem wohl größten Schwindel-Skandal ihrer Geschichte. "Das ist beispiellos in Umfang und Ausmaß", sagte Jay Harris, Leiter der Bachelor-Studiengänge, der "New York Times".

Die Uni Harvard gibt weitere Informationen nur sehr zurückhaltend preis, sie wolle die Identität der beschuldigten Studenten schützen. "The Harvard Crimson", die Studentenzeitung der Uni, ist weniger zurückhaltend: Die Studenten sollen das Politik-Seminar "Einführung in den Kongress" besucht haben. Ende April verteilte der Professor an seine Studenten die Prüfungsaufgabe, die alle Studenten zu Hause bearbeiten mussten. Die Auflage: "Studenten dürfen die Prüfung nicht mit anderen diskutieren." Insgesamt besuchten dieses Seminar 279 Studenten, 125 von ihnen sollen die Auflage missachtet haben. Sie sollen das "take-home exam" zumindest in Teilen gemeinsam bearbeitet haben.

Stutzig wurde der zuständige Professor bereits im Mai, als er die Aufgaben korrigierte; denn einige Antworten ähnelten sich. Das meldete er der Uni-Verwaltung. Deswegen wurden im Sommer nun alle Abschlussprüfungen genau kontrolliert und abgeglichen.

Konsequenzen? Vielleicht...

Es ist bestimmt nicht das erste Mal, dass Studenten sich bei dieser Art von Prüfung zwischenzeitlich beraten und absprechen - auch wenn sie es offiziell nicht dürfen. Nur ist es bislang nicht in dieser Form aufgefallen.

Die Uni Harvard zeigt sich jedenfalls entsetzt: "Akademische Unehrlichkeit kann und wird an der Uni Harvard nicht toleriert werden", sagte Michael Smith, Dekan der geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultät, der "Times of India". Der Uni-Präsident spricht von "völlig inakzeptablem Verhalten". In einem Schreiben der Verwaltung ist auch von Plagiaten die Rede.

Womöglich haben aber nicht nur die Studenten bei der wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht geschlampt, sondern auch der Dozent in der Lehre. Denn die Studentenzeitung "The Harvard Crimson" schreibt, dass die Studenten das Seminar leicht unterdurchschnittlich bewertet haben. Sie gaben ihm im internen Evaulierungssystem nur 2,54 von 5 möglichen Punkten. Die durchschnittliche Note bei sozialwissenschaftlichen Seminaren beträgt 3,91. Der Kurs sei schlecht organisiert, schrieben die Studenten, und die Prüfungsaufgaben sehr schwer - teilweise hätten sie die Prüfungsfragen gar nicht verstanden, und der Dozent hätte kurz vor Abgabe seine Sprechstunde abgesagt.

Die Studentenzeitung berichtet, dass die Uni den Schwindel auch deswegen öffentlich gemacht hat, um über akademische Integrität zu diskutieren. Was sich dahinter verbirgt, das sollten Studenten in Zukunft wieder verstärkt lernen. Sollte die Uni in diesem Zusammenhang ein Exempel statuieren wollen, könnten die beschuldigten Studenten für ein Jahr von der Uni suspendiert werden.

fln

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insgesamt 61 Beiträge
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1. Lächerlich
wwwwalter 01.09.2012
Zusammenarbeit unter Studenten, zwecks gemeinsamem Erfolg ist doch nichts Schlechtes. Ich denke jeder Student macht das, insbesondere während des Grundstudiums. Lächerlich ist nur der Dozent, der allen die gleiche Prüfungsaufgabe, inkl. den Fragen zur Bearbeitung nach Hause gibt. Ein faires und aussagekräftiges Verfahren sieht anders aus: entweder jeder Student bekommt ein eigenes Thema zum Bearbeiten, oder es gibt Prüfungen in der Uni, bei denen nur die groben Themen und entsprechende Literatur vorgegeben sind. Klar ist das aufwändig, bei mehr als 250 Studenten. Aber es ist eine reiche Uni mit hohen Studiengebühren, das sollte doch zu stemmen sein. Allerdings würde ich von einer Eliteuni auch erwarten, dass generell in kleineren Gruppen gearbeitet wird. Ein Seminar mit beinahe 300 Studenten - wo gibts denn so was ?
2. Ja ja..Elite müsste man sein...
jetzt:hördochauf 01.09.2012
Alle bekommen das selbe Thema - und bitte nicht absprechen! Du Du Du ! Aber was soll man machen - man sagt es seien " die Prüfungsaufgaben sehr schwer - teilweise hätten sie die Prüfungsfragen gar nicht verstanden" Ja,ja ..die Uni Harvard, Hort der Exzellenz....
3. Fail
ilmephax 01.09.2012
Zitat von sysopDPA"Beispiellos in Umfang und Ausmaß" und "völlig inakzeptabel": Die Harvard University hat öffentlich gemacht, dass 125 Studenten bei einer Hausaufgabe verbotenerweise zusammen gearbeitet haben. Der Furor über das unerlaubte Teamwork ist immens - und soll wohl vor allem der Abschreckung dienen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,853200,00.html
Prüfungsfragen als Hausaufgaben sind grob lächerlich und sicherlich keine Elite-Uni-Methoden
4.
lindenbast 01.09.2012
Ich finde es eigentlich unwürdig, was für einen Aufwand wir hier veranstalten müssen, um Schummeleien zu erschweren (von gänzlichem Unterbinden wage ich gar nicht zu träumen). Trotzdem ist die hier genannte Art der Prüfungsorganisation geradezu eine Einladung zum Betrug. Im Übrigen finde ich es völlig normal, dass Studenten vor einer gemeinsamen Prüfung miteinander kommunizieren (dagegen ist ja auch nicht das Mindeste zu sagen). Zu verlangen, dass sie das unterlassen, ist geradezu unnatürlich und evoziert das Bild eines unkollegialen Einzelkämpfers an der Wissenschaftsfront - eine Figur, die, je mehr in ganzen Forschungsverbünden geforscht wird, zunehmend zum Anachronismus wird.
5. Zusammen arbeiten?
quibus48 01.09.2012
" ... dass 125 Studenten bei einer Hausaufgabe verbotenerweise zusammen gearbeitet haben." Das Studenten zusammen arbeiten, dürfte doch eigentlich nicht verboten sein, wohl eher, dass sie zusammenarbeiten. Oder nciht?
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