Wie sehr es nerven kann, wenn eine E-Mail endlose Schleifen dreht, haben Studenten in New York erfahren: Ein Kommilitone wollte eine E-Mail an seine Mutter senden - und schickte sie aus Versehen an seine 40.000 Mitstudenten. Die begnügten sich nicht damit, die E-Mail zu lesen, viele antworteten auch darauf - und zwar ebenfalls an alle. So überfluteten Tausende zum Teil witzige und absurde E-Mails die elektronischen Postfächer an der New York University, wie unter anderem die Studentenzeitung "NYU Local" berichtet.
Die E-Mail, die Max Wiseltier eigentlich an seine Mutter schicken wollte, enthielt nur eine einzige Frage: "Willst du, dass ich das mache?" Die Finanzabteilung hatte die Studenten gerade darüber informiert, dass sie die Abrechnung der Studiengebühren demnächst auch elektronisch erhalten könnten.
Als sein alter Computer die E-Mail nicht gleich verschickte, habe er am Montagabend "irgendwie herumgeklickt", sagte Wiseltier ABCNews.com. Dabei sei er wohl auf das Feld "Allen antworten" gekommen. Der Student im zweiten Jahr, der Wirtschaft und im Nebenfach Informatik studiert, bemerkte seinen Fehler schnell. Doch als er eine Entschuldigungsmail absetzte, war es schon zu spät.
Wiseltiers verirrte Nachricht löste eine Kettenreaktion aus, die Tausende Studenten in den folgenden 24 Stunden teils unterhielt und teils nervte und die es auf Facebook, Twitter und in mehrere US-Medien schaffte. Denn nach anfänglicher Verwirrung nutzten einige den großen Verteiler schamlos für mehr oder weniger spaßige Botschaften aus.
"Leute, ich versuche zu lernen."
Das Internetportal BuzzFeed hat einige E-Mails veröffentlicht, die die Studenten sich gegenseitig schickten. So fragten zwei in die Runde: "Kann mir einer einen Stift leihen?" und "Möchte jemand mit mir befreundet sein?" Jemand teilte ein Bild von Nicolas Cage und ein anderer bat die Uni, ihm doch lieber Geld zu schicken statt eines elektronischen Abrechnungsformulars.
Ein weiterer Absender beglückte den Verteiler mit der Frage: "Würdest du eher gegen hundert entengroße Pferde kämpfen oder gegen eine pferdegroße Ente?" Als der E-Mail-Strom nicht abriss, wurde es manchen zu viel. "Leute, ich versuche zu lernen. Das nervt und lenkt ab", heißt es in einer Nachricht.
Die Studentenzeitung "NYU Local" unkte später: "Uns wurde eine große und schreckliche Macht verliehen. Für einen Moment dachten wir darüber nach, Verantwortung zu zeigen, doch dann verwarfen wir das schadenfroh und posteten lieber Katzenbilder." Die Aktion bekam den Spitznamen "The Replyallpocalypse" verpasst - die "Allen-antworten-Apokalypse".
Eigentlich hätten die Studenten technisch gar nicht in der Lage sein sollen, auf die E-Mail aus der Finanzabteilung zu reagieren. Doch ein Universitätsmitarbeiter hatte das falsche E-Mailprogramm benutzt, er entschuldigte sich hinterher dafür. Nach etwa 24 Stunden habe die Universität den Verteiler geschlossen, berichtete ABCNews.com.
Student Wiseltier sah seinen Patzer optimistisch: Er habe wahrscheinlich aufgedeckt, dass die Universität fehlerhaft mit ihren E-Mail-Verteilern umgehe, sagte er "NYU Local". Außerdem hätten die E-Mails das Gemeinschaftsgefühl an der Uni neu entfacht.

In einer zehnteiligen Reihe gibt er einen Uni-Crashkurs und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Studium - natürlich vor der Kamera.
son
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