Uni Potsdam: Polizei löst Sitzblockade gegen Steinbach-Vortrag auf

Die Vertriebenen-Chefin kam, aber konnte nicht sprechen: Erika Steinbach wollte am Dienstag eine Vortragsreihe an der Uni Potsdam beginnen - hundert Studenten blockierten den Eingang. Die Polizei griff ein, angeblich angefeuert durch Professoren.

Über die "Hoch- und spätmittelalterliche Ostsiedlung bzw. -kolonisation bis zum 14. Jahrhundert" wollte Erika Steinbach (CDU), Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, am Dienstagabend in Potsdam sprechen. Es sollte der Auftakt der Vortragsreihe zur "Siedlungsgeschichte der Deutschen in Ostmitteleuropa" sein, die sie auf Einladung des Historischen Instituts der Uni im Mai und Juni halten soll.

Politikerin Steinbach: Zoff an der Uni Potsdam
AP

Politikerin Steinbach: Zoff an der Uni Potsdam

Daraus wurde erstmal nichts. Am Dienstagabend standen rund hundert Studenten vor dem Auditorium Maximum und blockierten die Eingänge. Die Polizei wurde gerufen - Veranstaltungsteilnehmer seien mit wassergefüllten Luftballons beworfen worden, hieß es. Die Polizei teilte mit, sie sei vom Veranstaltungsleiter um Unterstützung bei der "Wahrnahme seines Hausrechts" gebeten worden.

Die Blockierer hätten mehrfache Aufforderungen ignoriert, den Weg freizugeben. Daher hätten die Beamten die Zugänge geräumt und auch Demonstranten weggetragen; es seien keine Verletzten bekannt geworden, so die Polizei. Von 26 Menschen seien die Personalien aufgenommen worden. Gegen sie werde wegen des Verdachts der Nötigung ermittelt.

Professoren sollen die Polizei angefeuert haben

Nach Angaben des Asta der Universität ging die Polizei bei der Auflösung der Blockade gewaltsam gegen Studenten vor. Die Beamten seien von einigen Professoren mit Rufen wie "Draufhauen!" angestachelt und angefeuert worden. Die Asta-Vorsitzende Sabine Finzelberg sei verletzt worden. Der Asta hatte vor dem Vortrag daran erinnert, dass Erika Steinbach 1990 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als Grenze Deutschlands im Osten gestimmt hatte.

Dies sei im Übrigen der erste Polizeieinsatz gegen Studenten auf dem Campus der Universität Potsdam gewesen, teilte der Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AnifaschistInnen (VVN-BdA) mit. Der Verband warf Erika Steinbach außerdem Geschichtsverfälschung vor.

Brandenburgs Hochschulministerin Johanna Wanka (CDU) sagte am Mittwoch, sie "habe für die handgreiflichen Ausschreitungen kein Verständnis. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt für alle gleichermaßen." Die Universität als Forum des Dialoges sei der richtige Ort, um Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren. "Pöbeleien, Sitzblockaden und massive Störversuche, um Vorträge zu verhindern, sind völlig fehl am Platz."

Erika Steinbach hätte gern nach ihrem Vortrag mit ihren Gegnern diskutiert, sagte sie den "Potsdamer Neuesten Nachrichten". Dazu habe es aber keine Bereitschaft gegeben.

Die Fraktion der Linken im brandenburgischen Landtag unterstützt dagegen die Proteste: "Eine Universität ist ein Ort wissenschaftlicher Diskussion, aber kein Ort von revisionistischen Positionen", sagte Peer Jürgens, hochschulpolitischer Sprecher der Fraktion. Die Auflösung der Blockade von der Polizei sei ungewöhnlich hart gewesen, "dabei haben leider auch Professoren der Universität Potsdam eine negative Rolle gespielt". Eine Lehrkraft sei sogar selbst handgreiflich geworden." Die Universität wäre gut beraten, "wenn sie die geplante Vortragsreihe von Frau Steinbach ab nächster Woche absagen" würde, so Jürgens. Der Asta der Uni sieht das genauso, "um den Frieden an der Hochschule nicht weiter zu gefährden".

maf, dpa/ddp

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