Uni-Ranking: Starke Unis im Süden und Osten

Bei einem bundesweiten Hochschulranking ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung erhebliche regionale Unterschiede. Eindeutiger Spitzenreiter im Ländervergleich ist Baden-Württemberg, noch zufriedener sind allerdings Studenten in Mecklenburg-Vorpommern. Derweil holten andere Nordlichter sich eine schallende Ohrfeige ab.

Uni Heidelberg: Half bei den guten Noten für das Ländle
DDP

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Baden-Württemberg eroberte in fast allen Kriterien des Rankings Spitzenplätze und verwies die Konkurrenten aus Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen auf die folgenden Ränge. Im Mittelfeld liegen Hessen, Sachsen-Anhalt, Bremen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Brandenburg. Das letzte Drittel bilden Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, das Saarland, Schleswig-Holstein sowie - als Schlusslicht - Hamburg.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), eine gemeinsame Einrichtung der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz, veröffentlicht regelmäßig Hochschulranglisten zu einzelnen Fachbereichen. Einen Ländervergleich legt das CHE bereits zum dritten Mal vor. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Ergebnisse der Geistes- und Ingenieurswissenschaften, die im Frühjahr 2004 neu erschienen. In die Wertung einbezogen wurden aber auch die Fächergruppen Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Das Tief im Norden

Vier Faktoren spielten beim Ländervergleich eine Rolle: das Urteil der Studenten, die Reputation, die Studiendauer und Forschungsleistung. Das CHE hat berechnet, wie häufig die untersuchten Fakultäten eines Bundeslandes den Sprung in die Spitzengruppe schafften.

Uni Hamburg: Studenten extrem unzufrieden
DPA

Uni Hamburg: Studenten extrem unzufrieden

Baden-Württemberg konnte dabei recht gleichmäßig punkten und landete lediglich bei der Studiendauer im Mittelfeld. Besonders zufrieden sind die Studenten in Mecklenburg-Vorpommern, und bei der Forschung gelang Bremen der Sprung an die Spitze. Das mit Abstand studentenstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen sammelte mittelprächtige Platzierungen ein - der Ruf der Hochschulen ist recht gut, die Studenten sehen das allerdings anders und moserten laut.

Noch schlimmer sieht es hoch im Norden aus. Für Hamburg und Schleswig-Holstein kommt die Auswertung einer glatten Ohrfeige gleich: Beide Länder schnitten durchweg mäßig bis schlecht ab, keines konnte sich in einer der vier Kategorien besser als im Mittelfeld platzieren.

In den Fächer-Rankings verzichtet das CHE stets auf einzelne Rangplätze für die Hochschulen - immerhin wird die Einrichtung von den Rektoren mitgetragen, und die haben Angst vor einer möglichen Blamage für ihre Universität. Deshalb setzt das CHE auf "mehrdimensionale" Ergebnisse und will vermeiden, "dass minimale Unterschiede im Zahlenwert eines Indikators als Qualitätsunterschied fehlinterpretiert werden". Beim Länder-Ranking indes wirft das CHE solche Befürchtungen flugs über Bord.

Ein guter Tag für die Ost-Hochschulen

Man muss Rankings ja nicht trauen. Die Methodik und die Kriterien sorgen an den Hochschulen schon traditionell für heftigen Streit: Dass die Sieger lautstark triumphieren und die Verlierer sich nach Kräften wehren, gehört zur akademischen Folklore, seit der SPIEGEL Ende der achtziger Jahre die ersten echten Hochschul-Ranklisten veröffentlichte (das letzte SPIEGEL-Ranking erschien 1999).

Deutsche Hochschulen im Ländervergleich
Bundesland Spitzenplätze gesamt Fakultäten gesamt Spitzenplätze je Fakultät
Baden-Württemberg 165 111 1,49
Bayern 159 134 1,19
Mecklenburg-Vorpommern 35 31 1,13
Thüringen 27 26 1,04
Sachsen 51 58 0,88
Hessen 58 82 0,71
Sachsen-Anhalt 24 34 0,71
Bremen 11 16 0,69
Rheinland-Pfalz 33 49 0,67
Berlin 31 48 0,65
Brandenburg 15 24 0,63
Nordhein-Westfalen 101 181 0,56
Niedersachsen 49 89 0,55
Saarland 7 15 0,47
Schleswig-Holstein 9 22 0,41
Hamburg 8 21 0,38
Quelle: CHE-Länderranking 2004

Aber die Trends, die das CHE jetzt im Ländervergleich nachzeichnet, sind durchaus bemerkenswert - gerade was die ostdeutschen Länder angeht. Sie schneiden insgesamt stark ab. Zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: im Studentenurteil ganz vorn und bei der Studiendauer auf Platz zwei. In diesen beiden Kategorien können auch Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen gut mithalten, während sich zu Brandenburg eine Lücke öffnet.

In der Forschung indes landen die Ost-Länder allesamt in der zweiten Tabellenhälfte. Und bei der Reputation, einem "weichen" Kriterium, sieht es ähnlich aus - der gute Ruf einer Hochschule oder Fakultät bildet sich über Jahrzehnte und muss sich bei den traditionsfesten Kollegen anderer Hochschulen immer erst herumsprechen.

Jochen Leffers

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