Verdacht auf Wissenschaftsbetrug: Uni Salzburg feuert Professor

Mit offenbar gefälschten Forschungsergebnissen hat sich ein Salzburger Uni-Professor ins Aus gekickt. Die Hochschule hat den Biologen entlassen, weitere Arbeiten von ihm werden jetzt auf Daten-Manipulation hin untersucht.

Molekularbiologie: Ein Salzburger Professor wurde wegen Datenmanipulationen entlassen Zur Großansicht
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Molekularbiologie: Ein Salzburger Professor wurde wegen Datenmanipulationen entlassen

Die Universität Salzburg hat einen Biologie-Professor entlassen, der wissenschaftliche Forschungsergebnisse gefälscht haben soll. Eine Uni-Sprecherin sagte, der Forscher habe zugegeben, bei der Strukturanalyse von Birkenpollen-Allergenen Resultate gefälscht zu haben. Der Aufsatz mit den falschen Daten war im "Journal of Immunology" erschienen und später durch Veröffentlichungen in der Zeitschriftengruppe "Acta Crystallographica" enttarnt worden. Nun würden weitere Arbeiten daraufhin untersucht, ob der renommierte Molekularbiologe dort ebenfalls mit gefälschten Ergebnissen gearbeitet habe.

Für die Erforschung von Molekül-Strukturen hatte der Professor vor sechs Jahren ein mit 1,7 Millionen Euro dotiertes Marie-Curie-Stipendium erhalten. Dahinter verbirgt sich eine der höchsten europäischen Einzelförderungen für Wissenschaftler.

Der Rektor der Uni Salzburg, Heinrich Schmidinger, sagte dem Sender ORF: "Es gibt einen wissenschaftlichen Beitrag in einer renommierten amerikanischen Zeitschrift, und darin wird dem Kollegen Datenmanipulation in Zusammenhang mit einem Artikel beziehungsweise mit Experimenten und Messungen vorgeworfen." Die US-Forscher hatten die Universität Salzburg bereits Ende Januar über die Vorwürfe informiert.

Daraufhin hatte die Agentur für wissenschaftliche Integrität in Wien den Fall überprüft und das Fehlverhalten bestätigt. Auch der Forscher selbst habe mittlerweile ihm gegenüber die Datenmanipulation eingeräumt, sagte der Uni-Rektor. Schmidinger betonte, es gehe in diesem Fall um den Ruf der gesamten Universität und der Wissenschaft, die Aufklärung müsse lückenlos sein. Es sei richtig, "dass alle Publikationen des Kollegen untersucht werden, um festzustellen, ob das ein einmaliges Verhalten war oder ob das mehrmals vorgekommen ist".

Doch selbst, wenn es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt haben sollte - die Uni-Karriere des Biologen dürfte zu Ende sein.

him/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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1. .
RosaHasi 11.04.2012
warum wurde er entlassen? er ist doch nur den vorbildern der deutschen gefolgt. guttenberg lässt grüßen
2. keiner
poly123 11.04.2012
Zitat von RosaHasiwarum wurde er entlassen? er ist doch nur den vorbildern der deutschen gefolgt. guttenberg lässt grüßen
....zumal sich unsere Nachbarn gerne auch in allen anderen Dingen gerne am größeren Nachbarn orientieren ;) Nur bei der Vergabe akad. Titel, oder wie auch immer man diese Farce nennen mag, sind sie klar im Vorteil :P
3.
Hamsi 11.04.2012
Zitat von RosaHasiwarum wurde er entlassen? er ist doch nur den vorbildern der deutschen gefolgt. guttenberg lässt grüßen
Gutenberg hat abgeschrieben, dieser Professor hat aber Daten gefälscht. Während der eine sich richtiger (wenn auch fremder Daten) bedient hat, verstieß der andere gegen das Selbstverständnis der Wissenschaft, nach neuen Erkenntnissen zu suchen und die Forschung voranzubringen. Die Forschungsergebnisse müssen nachprüfbar sein. Durch gefälschte Daten wird die Forschung fehlgeleitet.
4. Gegensatz zu Vroniplag/Geisteswissenschaften
luzil 11.04.2012
Bevor jetzt alle wieder in die Kerbe schlagen, "Betrogen wird überall". Natürlich gibt es in jeder Branche Betrüger. Nur sieht man wie an diesem Beispiel, dass die Forscher in Biologie/Physik Datenfälschung SELBER aufdecken innerhalb eines gewissen Zeitraumes (Keine Fälschung halt auf Dauer dem Fortschritt der Wahreit stand) und dafür keine Institutionen ausserhalb der scientific community wie Vroniplag in den Geisteswissenschaften brauchen, wo scheinbar nichtmal mehr die Dissertationen von Doktorvätern geprüft werden. Dieser "Selbstreinigungsprozess" funktioniert in den Naturwissenschaften also, publish or perish Druck in der momentanen Pubkliationsflut stichelt scheinbar auch mehr Naturwissenschaftler an zu tricksen (grösstenteils wohl eher Verzweiflung, Jobangst, Geltungssucht als das Argument in den Geisteswissenschaften zu tricksen: Da merkt es sowieso keiner und Vroniplag deckt gerade mal die Spitze des Eisbergs von prominenten Fällen auf, die Dunkelziffer möcht ich lieber nicht wissen). Wer dauerhaft in den Naturwissenschaften eine wiss. Karriere anstrebt sollte sich klar das jede Publikation die grössere Aufmerksamkeit auf sich zieht intensiv unter die Lupe genommen wird und versucht wird die Ergebnisse zu reproduzieren. Das ist mit der Hauptgrund, warum in Geisteswissenschaften Betrug so einfach ist, unterschiedliche Ergebnisse oder Schlussfolgerungen muss man aufgrund fehlender Reproduktion nicht fürchten
5. ...
TribbleOO 11.04.2012
Zitat von HamsiGutenberg hat abgeschrieben, dieser Professor hat aber Daten gefälscht. Während der eine sich richtiger (wenn auch fremder Daten) bedient hat, verstieß der andere gegen das Selbstverständnis der Wissenschaft, nach neuen Erkenntnissen zu suchen und die Forschung voranzubringen. Die Forschungsergebnisse müssen nachprüfbar sein. Durch gefälschte Daten wird die Forschung fehlgeleitet.
Gutenberg hat in seinem Buch nach Abzug aller abgeschrieben Stellen scheinbar nicht wirklich viel zur Sache beigetragen (ergo keine neuen Erkenntnisse). Ich heiße es nicht gut, dass jemand Daten fälscht, aber man muss auch in gewisser Weise verstehen, warum er das macht: Nur so kommt er teilweise an die Gelder. In der Naturwissenschaft sind zwar auch negative Ergebnisse Ergebnisse, aber gut verkaufen kann man nur positive. Gepaart mit Geltungssucht und etwas Gier kommt dann sowas heraus. Es war nicht das erste mal - und es wird nicht das letzte mal sein. Komisch ist wirklich nur, dass es die Naturwissenschaftler selber raus bekommen, wenn einer von Ihnen bescheißt, die Geisteswissenschaftler nicht.
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