ThemaAuslandsstudium AfrikaRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Uni-Tagebuch aus Südafrika Im Minitaxi durchs schwarz-weiße Land

Studium in Südafrika: "Eine andere Welt"
Fotos
Johannes Döveling

3. Teil: Als einziger Weißer in der schwarzen Disko - und dann umgekehrt

Februar 2010

Ohne Auto fühle ich mich auf Dauer aufgeschmissen. Über Freunde finde ich einen VW Passat, Baujahr 1987. Ich zahle 13.000 Rand, etwa 1400 Euro. Nach einigen kleinen Reparaturen bringe ich den Wagen schließlich durch den Roadworthy, den südafrikanischen TÜV, der aber nur bei jedem Eigentümerwechsel fällig wird.

Der Verkehr am Kap ist etwas abenteuerlich, gerade am Wochenende. Trotz 0,5-Promille-Grenze und harter Strafen sind viele betrunken unterwegs. "Man darf sich nur nicht erwischen lassen", meinen meine südafrikanischen Freunde.

26. Mai 2010

Heute schreibe ich mein "take-home-exam" im Umweltrecht. Es ist eine Mischung aus Prüfung und Hausarbeit. Die Studenten haben 24 Stunden Zeit und dürfen dabei alle Quellen nutzen. Die Gesetze und wichtige Gerichtsentscheidungen liegen bereit, als ich am Morgen die Fragen online abrufe. Erst rase ich in die Bibliothek, um dort zu recherchieren, dann lege ich los.

Am Abend habe ich gerade einmal die Hälfte geschafft. Zwar hält mich der Kaffee einigermaßen wach, aber mein Kopf streikt. Nach drei Stunden Schlaf geht's weiter, ich schreibe durch bis zum Morgen. Nach 24 Stunden reiche ich schließlich ein, frühstücke, falle todmüde ins Bett.

Der Leistungsdruck an den südafrikanischen Unis ist gerade bei den Undergraduates extrem: Essays im Wochentakt, ständig Tests und am Semesterende die Examen. Monate, in denen man fast nur in der Uni oder für die Uni lebt.

Mai 2010

In der Long Street reihen sich Discotheken, Kneipen und Restaurants dicht aneinander. Hier flanieren Schwarze, Weiße, Einheimische, Zugereiste, Touristen. Mit einem schwarzen Freund gehe ich in einen Nachtclub. Es ist rappelvoll, die Stimmung ausgelassen, die Musik laut, einige tanzen. Ich bin der einzige Weiße hier - das fällt auf. Von etlichen Gästen werde ich per Handschlag begrüßt und gefragt, wo ich herkomme. Trotzdem fühle ich mich ein bisschen fremd.

Als wir das Lokal verlassen, folgt uns ein Mann. Er will uns Drogen verkaufen, wir lehnen ab. Ich sehe, wie uns die uniformierten Männer der städtischen Sicherheitswacht ins Visier nehmen. Der Dealer raunt uns zu: "Los, lauft weiter, ihr wollt doch nicht etwa verhaftet werden?" Inzwischen haben sich die Hilfspolizisten einen Kunden des Dealers geschnappt und durchsuchen ihn, nicht gerade zaghaft.

Mein Kumpel meint, dass es wohl meine Hautfarbe war, die die Aufmerksamkeit zunächst auf uns gelenkt habe. Als wir später zu Studenten in einer anderen Bar stoßen, ist mein Freund der einzige Schwarze.

10. Juni 2010

Noch 24 Stunden bis zur Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Party hat längst begonnen: Kapstadts Innenstadt ist voll mit Menschen, unzählige Autos sind mit südafrikanischen Fahnen geschmückt, einige sind mit deutschen oder englischen Flaggen unterwegs. Ich schaue Vuvuzela-Tänzern zu, die zum Rhythmus der Tröten tanzen und dazu Südafrikas Flagge schwenken. Fans aus Uruguay und Frankreich begleiten mit ihren eigenen Vuvuzelas spontan die Performance.

Am nächsten Tag spielt Südafrika gegen Mexiko 1:1. Mit südafrikanischen Freunden ziehe ich durch die Straßen, das Unentschieden gegen den starken Gegner wird fast wie ein Sieg gefeiert. In die Freude über die einheimische Mannschaft, die "Bafana Bafana", mischt sich Stolz auf das Land - das allen Befürchtungen zum Trotz die Stadien pünktlich fertiggebaut hat, das ein ordentlich organisiertes "twenty-ten" präsentiert. Selbst die Weißen, die sich sonst eher für Cricket und Rugby begeistern, entdecken ihr Interesse am Nationalteam und feiern gemeinsam mit den fußballverrückten Schwarzen und Coloureds.

"Mehr konnten wir nicht erwarten", sagen viele Südafrikaner gelassen, als ihr Team trotz des 2:1-Sieges gegen Frankreich ausscheidet.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Studium
alles zum Thema Auslandsstudium Afrika

© UniSPIEGEL 4/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



UniSPIEGEL

Heft 4/2010 Schlau, aber arm Die Not der Promotionsstudenten


Zum Autor
DER SPIEGEL
Johannes Döveling, 26, studiert seit Juli 2009 Rechtswissenschaft an der University of Cape Town auf den Abschluss Master of Law (LL.M). Zuvor hat Döveling in Bayreuth die Erste Juristische Prüfung abgeschlossen. Als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Afrikastudien hatte er viel mit Gästen aus Afrika zu tun und wollte den Kontinent unbedingt kennenlernen.

Fläche: 1.219.000 km²

Bevölkerung: 50,492 Mio.

Hauptstadt: Pretoria

Staats- und Regierungschef: Jacob Zuma

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Südafrika-Reiseseite


DER SPIEGEL
Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...



TOP



TOP