Unis in Finanznöten: Hörsaal sponsored by Aldi

Geht es um neue Einnahmequellen, werden klamme Hochschulen kreativ. Erste Hörsäle tragen bereits Discounter-Namen oder sind mit bedruckten Farbbändern geschmückt. Studentenvertreter allerdings warnen vor Beeinflussung der Lehre.

Den Namen des Hörsaals Z02 werden sich die Studenten der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt künftig noch besser einprägen können. Nachdem einer der größten Lebensmittel-Discounter für eine fünfstellige Summe die Namensrechte erworben hat, heißt der Raum jetzt "Aldi-Süd-Hörsaal". Mit dem Geld wird die dringend notwendige Renovierung finanziert und im Gegenzug auf den Sponsor hingewiesen. Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist längst Alltag an deutschen Hochschulen.

Vorher Z 09, jetzt "Aldi-Süd-Hörsaal": Eine Fachhochschule sucht Auswege aus der Finanzmisere
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Vorher Z 09, jetzt "Aldi-Süd-Hörsaal": Eine Fachhochschule sucht Auswege aus der Finanzmisere

Das Hörsaal- Sponsoring durch Unternehmen gebe es bereits seit einigen Jahren mit zunehmender Tendenz, sagt die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel. Gut sei, wenn es in weitere Kooperationen wie Praxissemester oder Haus- und Diplomarbeiten im Unternehmen eingebettet werde. Die finanziellen Vorteile, die eine solche Kooperation für die Hochschulen biete, sollten genutzt werden. Allerdings müssten Forschung und Lehre frei von Beeinflussung im Sinne der Unternehmensziele bleiben. Dies sei oftmals eine "schmale Grenze".

Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) kritisiert dagegen diese Entwicklung als "gänzlich falschen Weg". Die Förderung durch die freie Wirtschaft sei zwar "ein nettes Bonbon, aber auch ein Zeichen verfehlter Politik", sagt fzs-Vorstandsmitglied Konstantin Bender. Der Staat dürfe sich nicht zurückziehen. Bildung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bender warnt zudem vor einer unterschwelligen Beeinflussung.

Eine Uni, die sich bereits seit 2000 einen Großteil ihrer Hörsäle finanzieren lässt, ist die Universität Mannheim, die mit Hilfe von Sponsoring nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen Euro eingeworben hat. Die Vorlesungsräume im 300 Jahre alten Barockschloss seien dafür nach mittelständischen Unternehmen, Privatpersonen oder Stiftungen benannt worden, sagt Sprecher Achim Fischer. Dabei sei aber Wert darauf gelegt worden, dass die Unternehmenshinweise beispielsweise mit kleinen Schildern "sehr dezent" gehalten sind.

Wandverschalung vom Textilhändler

Es gebe aber auch einen Raum, der mit einem roten Farbband, der Unternehmensfarbe eines Energieunternehmens, gestaltet wurde, sagt Fischer. Ein Textileinzelhändler konnte ebenfalls seine Ideen mit einbringen, so dass bordeauxfarbene Wandverschalungen installiert wurden. Für die Renovierung eines Bürgerhörsaals haben dagegen rund 200 Bürger Geld gespendet.

Die Berliner Humboldt-Universität betrachtet das Thema noch eher kritisch. Vor einigen Jahren habe es Überlegungen gegeben, die neuen Gebäude der Naturwissenschaften in Berlin-Adlershof "zu veräußern", sagt der Geschäftsführer der Humbold-Innovation GmbH, Dirk Radzinski.

Das Präsidium habe dies damals aber noch abgelehnt. Hörsäle und Gebäude seien nach bekannten Persönlichkeiten benannt worden. Die Uni lege sehr viel Wert auf Unabhängigkeit, betont Radzinski. Schließlich gehe es bei dem Thema auch um das Image der Wissenschaftler und die Akzeptanz beim Berliner Senat, wenn ein Unternehmensname mit der Bildungseinrichtung so eng verknüpft werde.

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist Hörsaal-Sponsoring kein Thema. Alle Hörsäle tragen nach wie vor Nummern. Einzig der Hörsaal im 1834 errichteten Löwengebäude wird "Historischer Hörsaal" genannt, wie Sprecherin Katrin Rehschuh sagt. Sie vermutet, dass das Interesse von Unternehmen möglicherweise auch nicht so groß sei, da diese ihren Hauptsitz meist in den alten Bundesländern haben.

Von Romy Richter, ddp

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