Uni-Aufnahmeprüfung in Liberia: Ein Land fällt durch
Etwa 25.000 Schulabsolventen sind im afrikanischen Liberia am Zulassungtest der staatlichen Uni gescheitert. Bestanden hat keiner. Studentenvertreter protestieren, die Bildungsministerin vergleicht die Ergebnisse mit bildungspolitischem Massenmord.
Rund 25.000 Schulabgänger haben den Zulassungstest der Universität von Liberia geschrieben - zunächst hatte keiner von ihnen bestanden. Den Schülern mangele es an Enthusiasmus und grundlegenden Englischkenntnissen, sagte ein Uni-Mitarbeiter der BBC.
Bereits in der vergangenen Woche lud die Universität, eine von zwei staatlichen Unis in dem afrikanischen Land, zu einer Pressekonferenz, berichtet die örtliche Zeitung "The News". Der Pressesprecher teilte demnach mit: Kein Kandidat habe die erforderliche Punktzahl erreicht, mindestens 50 Prozent in Mathe und 70 Prozent in Englisch. Die Testergebnisse zeigten ganz klar, dass Liberias Bildungssystem noch immer ein Problem habe, sagte er bei der Pressekonferenz. Auch zehn Jahre nach Ende des Bürgerkriegs.
Trotzdem will die Universität auf Liberia nicht ganz auf neue Erstsemester verzichten: Im kommenden Semester sollen 1626 Schulabgänger zugelassen werden. Denn, so der Sprecher, nach den katastrophalen Ergebnissen habe sich die Uni-Verwaltung zu einer Krisensitzung getroffen. Das Ergebnis: Sie beschlossen, ihre Erwartungen etwas zu drosseln und alle Bewerber zuzulassen, die mindestens 40 Prozent in Mathe und 50 Prozent der Punkte in Englisch erreicht hatten.
Mit dieser Mindestpunktzahl nähert sich die Uni den Anforderungen aus dem vergangenen Jahr. Damals habe sie rund 7500 Kandidaten zugelassen, berichtet die Zeitung "Front Page Africa". Sie mussten damals mindestens 49 Prozent der Punkte in Englisch und 33 Prozent in Mathe erreicht haben.
"Es ist wie Massenmord"
Das Testergebnis sorgt nun für Protest im Land. Der Studentenvertreter Alhadji Kromah sagte der Zeitung "Front Page Africa": "Man kann hier nicht den Eindruck erwecken, dass Liberias Schüler überhaupt nichts lernen, nur um die Zahl der Immatrikulationen zu reduzieren." Er wies darauf hin, dass nur zwei Personen die Tausenden Klausuren korrigiert hätten - in weniger als einem Monat. Wer solle das leisten?
Auch die Bildungsministerin Etmonia David-Tarpeh hat sich inzwischen eingeschaltet: Sie plane, die Uni-Leitung zu treffen, um mit ihr über die Ergebnisse zu sprechen, teilte sie der BBC mit. Sie wisse, dass es viele Schwächen gebe an Liberias Schulen. Aber sie habe doch starke Zweifel, dass bei so einer großen Gruppe jeder einzelne durchgefallen sei. "Es ist wie Massenmord", sagte sie. Sie würde sich sehr gern die Testergebnisse der Schüler ansehen.
Der Sprecher wiederum kündigte der BBC bereits an: Die Uni stehe zu ihrer Entscheidung, sie werde sich auch nicht von Emotionen beeinflussen lassen. Zwar ist Englisch in dem afrikanischen Land Amtssprache, und trotzdem sagte er: "Von Englisch, den Mechanismen der Sprache, davon haben die Schüler keine Ahnung. Die Regierung muss etwas tun."
fln
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- BBC: "Liberia students all fail university admission exam"
- "The News": Massive Failure In UL Entrance
- "Front Page Africa": UL Student Group Members Disappointed Over Massive Failure in Entrance Examination
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