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Urteil über Studiengebühren: CSU-Politiker rät Studenten zur Sparsamkeit

Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester seien auch für ärmere Studenten problemlos ohne Kredite zu finanzieren, sagt Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel. Sie müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben". Studentenvertreter sind fassungslos.



Proteste gegen Studiengebühren: Wut nach dem Urteil aus Karlsruhe
DPA

Proteste gegen Studiengebühren: Wut nach dem Urteil aus Karlsruhe

München - Bayern werde den Universitäten eine Ober- und Untergrenze für die Studiengebühren vorgeben, sagte Goppel der Münchner "Abendzeitung". Wenn der Startschuss tatsächlich zum kommenden Wintersemester falle, werde der Semester-Betrag aber voraussichtlich unter 500 Euro liegen. Goppel versicherte, die Einnahmen würden komplett den Universitäten zu Gute kommen, damit die Lehrkonditionen und die Ausstattung verbessert werden könnten. "Dafür verbürg' ich mich."

Studiengebühren von rund 500 Euro pro Semester seien auch für ärmere Studenten problemlos ohne Kredite zu finanzieren, sagte Goppel. Die Betroffenen müssten lediglich "jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben". Bei guten Studenten könnten die Universitäten im Einzelfall die Gebühren auch erlassen oder stunden, meinte er.

Die Juso-Hochschulgruppen forderten Goppel daraufhin auf, künftig auf ein Sechstel seines Gehalts verzichten: "Wir garantieren auch, dass das Geld direkt an die Hochschule fließt." Wer andere zur Sparsamkeit aufrufe, sollte zunächst bei sich anfangen, schrieben die Studenten in einer Mitteilung.

Mehr als ein Viertel der Studenten in Deutschland habe weniger als 600 Euro im Monat zu Verfügung. Wer der Meinung sei, dass dabei 100 Euro pro Monat nicht viel seien, "hat keine Ahnung von der sozialen Situation der Studierenden".

DIW-Chef Zimmermann rechnet mit 2500 Euro Gebühren

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, rechnet mittelfristig mit Studiengebühren in Höhe von 2500 Euro pro Semester in Deutschland. "Klar ist, dass die 500 Euro pro Semester, die derzeit diskutiert werden, nur ein Einstieg sein können", sagte er dem "Handelsblatt". "Auf die Dauer ist das viel zu wenig, um den Universitäten Anreize zu geben, ihre Studenten als Kunden zu betrachten", sagte Zimmermann. Er rechne damit, dass ein Studiengang an einer durchschnittlichen deutschen Universität in fünf Jahren etwa 2500 Euro pro Semester kosten werde.

Das Bundesverfassungsgericht hatte das Studiengebühren-Verbot des Bundes am Mittwoch für nichtig erklärt. Damit ist der Weg für die einzelnen Bundesländer frei, Gebühren für das Erststudium zu erheben. Die SPD-geführten Bundesländer planen dies aber nicht. Deutschland brauche deutlich mehr und nicht weniger Studenten, sagte der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner. Bei Studiengebühren sehe er die Gefahr, "dass die ohnehin vorhandenen sozialen Barrieren vor einem Studium noch größer werden". Dies gelte trotz der in den Unionsländern geplanten Kreditmodelle.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wanka (CDU), prognostiziert, dass Studenten in Deutschland mittelfristig Universitäten mit Studiengebühren bevorzugen werden. "Zunächst werden die Studenten noch an die Hochschulen gehen, wo es billig ist", sagte Wanka der "Berliner Zeitung". Das werde sich aber umkehren, wenn das Billige keine gute Qualität mehr habe.

"Die Tendenz geht dahin, dass die Universitäten, die jetzt auf Dauer auf Studiengebühren verzichten, Probleme mit der Finanzierung haben werden", betonte die CDU-Politikerin. Die kostenpflichtigen Universitäten würden aber nur attraktiv, wenn die Einkünfte aus den Studiengebühren direkt an die Hochschulen gingen und die staatlichen Zuschüsse nicht abgesenkt würden. Gleichzeitig plädierte die brandenburgische Wissenschaftsministerin für ein "bundeseinheitliches Darlehenssystem", um sozial schwächer gestellten Studenten den Zugang zur Universität zu ermöglichen. Deshalb müsse der Bund auch die bestehende Bafög-Regelung überdenken.

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Forum - Studiengebühren - ein Gewinn für die Unis?
insgesamt 1557 Beiträge
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1. Studiengebühren müssen an den Unis bleiben!
Don LoC, 12.04.2005
Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium. Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen. Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein: 1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern! 2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können. 3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann. Gruß, LoC
2.
DJ Doena 12.04.2005
@Don Loc Ihr 1.) wird dann von den Länderfinazministern (LFM) dann so unterlaufen werden, als dass sie nicht die Studiengebühren antasten, aber im gleichen Maße einfach die Bezuschussung zurückfahren. Und damit stopfen sie inoffiziell doch wieder ihre Haushaltslöcher, nur wird es den LFMs schwer nachzuweisen sein.
3. Ok...
Don LoC, 12.04.2005
Ein guter Punkt. Selbstverständlich darf auf keiner Ebene weiter an der Bildung herumgekürzt werden. Aber es liegt schon nahe, dass der ein oder andere es versuchen wird. Also müssen wir aufpassen wie die Luchse ;) Gruß, LoC
4.
DanielaMund, 12.04.2005
Würde den irgendwer für die derzeitigen Studienbedingungen zahlen? Schon heute ist in bestimmten Fächern der Besuch von privaten Repetitorien Usus, da die deutschen Universitäten nicht gut genug ausbilden. Da a) ich nicht dran glaube, dass die erzielten Gelder den Universitäten zugute kommen b) selbst wenn, amerikanische First-Class-Universitäten einen ca 10 mal höheren Etat haben, wird es sich eher lohnen, in den USA, der Schweiz, GB,... zu studieren, als hier zu zahlen. Und wenn man kein Geld hat, wer soll einem dann Kredit geben, selbst wenn man wirklich clever ist? Ich hätte mir kein Studium leisten können, und Stipendien sind Mangelware (im Gegensatz zu den USA).Damit auch sozial schwächere studieren können, bleiben also nur nachgelagerte Studiengebühren, und die Steuerprogression sollte doch eigentlich die Kosten für ein Studium decken. Und jetzt geh ich erst mal in ein anderes Forum, um mit der Software zu spielen, damit ich das ganze besser ordnen kann....
5.
Reimer, 12.04.2005
Studiengebühren sind meiner Meinung nach (als Student) ein Gewinn für die Studenten. Wenn ich einen Studiengebühr zahle, so darf ich auch eine Leistung verlangen. Leider entspricht meine Vorstellung vom Preis/Leistungsverhältnis nicht der Realität :)
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