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US-Studenten auf Achse: "Die Deutschen sind klüger"

Die US-Studentin Laura Ubbelohde versucht, Amerikaner zum Auslandssemester in Deutschland zu bewegen. Keine leichte Aufgabe, die "Krauts" sind als dröge Spaßbremsen berüchtigt. Im Interview erklärt die DAAD-Botschafterin, warum Ingenieure und Historiker trotzdem kommen.

SPIEGEL ONLINE: Als "Jung-Botschafterin" des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) informieren Sie an der Universität von Wisconsin über Studienmöglichkeiten in Deutschland. Was erwarten Ihre Kommilitonen von den "Krauts"?

Studentin Ubbelohe, 22: Als eine von 16 "Young Ambassadors" des DAAD informiert sie über Deutschland

Studentin Ubbelohe, 22: Als eine von 16 "Young Ambassadors" des DAAD informiert sie über Deutschland

Laura Ubbelohde: Obwohl viele noch nie in Deutschland, ja nicht einmal in Europa waren, gibt es ziemlich klar umrissene Vorstellungen: Die Deutschen seien nicht so offen wie die Amerikaner, aber dafür viel klüger. Sie hätten schöne, schnelle Autos und würden sich für Technomusik und Politik interessieren.

SPIEGEL ONLINE: Und auf der Negativliste?

Ubbelohde: Deutschland gilt als unfreundliches und kaltes Land, da schwingt die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg mit. Manche Studenten kommen aber auch mit ganz banalen Fragen: Gibt es in Deutschland richtige Toiletten? Sind die Städte immer noch vom Krieg zerstört? In einigen Fällen stimmt das europäische Klischee vom total ignoranten Ami.

SPIEGEL ONLINE: Deutschland wird als Studienort allmählich populärer in Amerika, das zeigen jedenfalls Zahlen des New Yorker Instituts für internationale Ausbildung: Im letzten Jahr haben über 6500 Amerikaner in Deutschland studiert, ein Anstieg um fast zehn Prozent. Beobachten Sie auch wachsendes Interesse?

Ubbelohde: Einen wirklichen Boom kann ich an meiner Hochschule bisher nicht feststellen. Die meisten Kommilitonen wollen wegen der gemeinsamen Sprache nach Australien oder England. China und Japan sind besonders bei Wirtschaftsstudenten gefragt, Spanien gilt als idealer Ort für ein bequemes Semester. Die Leute erwarten Siestas und tolle Partys. Bei Deutschland denkt niemand an Spaß.

SPIEGEL ONLINE: Und warum entscheiden sich einige Studenten trotzdem für ein, zwei Semester bei den germanischen Spaßbremsen?

Ubbelohde: Die deutsche Ingenieurausbildung und das Medizinstudium genießen hier einen sehr guten Ruf. Außerdem wollen viele Geschichtsstudenten vor Ort zum Dritten Reich forschen.

SPIEGEL ONLINE: Bei weltweiten Uni-Rankings und der aktuellen Diskussion um Elite-Unis blicken die Deutschen neidvoll nach Amerika. Was halten US-Studenten von der Qualität deutscher Forschung und Lehre?

Top Ten von US-Studenten 2005
Insgesamt im Ausland: 206.000 Studenten Vergleich zu 2004
1. Großbritannien 32.071 -0.5%
2. Italien 24.858 +13,4%
3. Spanien 20.806 +3,6%
4. Frankreich 15.374 +12,1%
5. Australien 10.813 -5,3%
6. Mexiko 9244 -0,5%
7. Deutschland 6557 +9,6%
8. China 6389 +34,9%
9. Irland 5083 -2,2%
10. Costa Rica 4887 +8,4%
Quelle: Institute of International Education
Ubbelohde: Wir glauben, dass die Deutschen viel mehr lernen und die Ausbildung an den Hochschulen härter ist. Das hat wohl mit der Tradition als "Nation der Dichter und Denker" zu tun. Außerdem stöhnen etliche Rückkehrer, dass sie Probleme mit der verlangten Selbstständigkeit an deutschen Unis hatten. In Amerika gibt es ständig Sprechstunden und sehr viel Unterstützung von den Dozenten, wir müssen viel tun, bekommen dabei aber Hilfe. Wenn US-Studenten an deutsche Unis kommen, fühlen sie sich oft verloren.

SPIEGEL ONLINE: Welche Städte sind besonders beliebt?

Ubbelohde: Berlin wegen seines Nachtlebens und der Loveparade. München und Heidelberg wegen ihrer Universitäten.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren bereits viermal in Deutschland, zuletzt von März bis August an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Was sind Ihre persönlichen "Pro-Kraut-Argumente"?

Ubbelohde: Die Deutschen sind nett und aufgeschlossen. Außerdem liebe ich die Küche, besonders Schnitzel, Semmelknödel und Bier in allen Variationen. Weitere Pluspunkte: Fast jeder spricht Englisch, und man kann viel über europäische Kultur und Geschichte lernen.

Das Interview führte Antonia Götsch

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