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Streit über Nahost-Politik: US-Wissenschaftler rufen zu Israel-Boykott auf

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Website der ASA: "Boykott gegen Israel"

Sie wollen nicht mehr mit israelischen Universitäten zusammenarbeiten: Die amerikanische Wissenschaftlervereinigung ASA hat für einen Boykott gestimmt, aus Protest gegen die israelische Palästina-Politik. Die Kritik an der Kritik kam prompt - die Resolution gilt als Tabubruch.

Auch wenn die Gruppe vergleichsweise klein und ihr Anliegen nicht neu ist, der Aufschrei in den USA und Israel ist groß. So groß, dass sich der israelische Botschafter in Washington umgehend dazu äußerte. Weil das Thema in Amerika, ähnlich wie in Deutschland, zu den sensibelsten gehört: Die American Studies Association (ASA), eine Wissenschaftler-Vereinigung, hat für einen akademischen Boykott gegen Hochschulen und Universitäten in Israel gestimmt.

Der Boykott ist Ausdruck des Protests gegen die israelische Palästina-Politik. "Die American Studies Association befürwortet den Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu einem Boykott von akademischen Institutionen in Israel." Zudem sei beschlossen worden, dass die ASA die Rechte von Studenten und Wissenschaftlern unterstützt, die sich in ihrer Forschung und öffentlichen Äußerungen mit Israel und Palästina beschäftigen oder sich für die israelkritische "Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen"-Bewegung (BDS) engagieren. Die BDS-Bewegung hat sich zum Ziel gesetzt, das Land Israel zu boykottieren, ähnlich wie Südafrika während der Apartheid. Damit soll erreicht werden, dass Israel seine Politik gegenüber den Palästinensern ändert. Allerdings: Der Boykott ist zunächst nur symbolisch. Der Beschluss der ASA bezieht sich auf die Zusammenarbeit mit israelischen Institutionen, nicht auf einzelne Forscher.

Die ASA rief ihre 5000 Mitglieder aus dem Bereich Amerikanische Kultur und Geschichte auf, über die Resolution abzustimmen. Mehr als 1200 Wissenschaftler beteiligten sich an der Abstimmung, Zweidrittel stimmten für den Boykott. Diese ungefähr 800 Forscher und Professoren sind die bislang größte akademische Gruppe, die einen Streik wie diesen unterstützt. In einem Statement kritisiert die ASA, dass Israel internationales Recht und Uno-Resolutionen verletze, die Auswirkungen, welche die israelische Besatzung des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens auf palästinensische Wissenschaftler und Studenten hat sowie das Ausmaß, in welchem israelische Bildungsinstitutionen ein Teil der staatlichen israelischen Politik sind, die Menschenrechte verletzt.

Die Abstimmung sei ein "Meilenstein" für die BDS-Gruppe, schreibt die "New York Times". Im April hat demnach bereits die Association for Asian American Studies den Boykott öffentlich unterstützt. Auch in Irland und Großbritannien sympathisieren einige Akademiker-Vereinigungen mit BDS, tatsächlich ist derartige Kritik an Israel in den USA aber eher ungewöhnlich. Entsprechend harsch sind die Reaktionen: "Es ist sehr besorgniserregend und traurig, dass dies passiert, insbesondere in den USA. Es ist fast wie ein Verrat in der eigenen Familie", zitiert die "New York Times" Manuel Trajtenberg, einen der führenden israelischen Wissenschaftler.

Israel-kritische Wissenschaftler werden denunziert

Der Boykott sei ein Zeichen für "orwellschen Antisemitismus und moralischen Bankrott", sagte Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Auch Ron Dermer, Israels Botschafter in Washington, kritisiert den Vorstoß der ASA-Mitglieder: "Anstatt sich dort für akademische Freiheit und Menschenrechte einzusetzen, wo Professoren für ihre Meinungen eingesperrt werden, sucht sich die ASA für ihren ersten Boykott Israel aus, die einzige Demokratie im Nahen Osten."

Doch nicht nur von israelischer Seite, auch aus den eigenen Reihen bekommt ASA Gegenwind. Die American Association of University Professors, die größte Wissenschaftler-Vereinigung in den USA, stellt sich laut "New York Times" gegen den Boykott. Derartige Sanktionen würden die akademische Freiheit beschneiden und Leuten schaden, die nicht zu den beabsichtigten Zielen zählten.

Dass die Debatte um die nicht bindende Resolution so hitzig geführt wird, mag auch daran liegen, dass die ASA-Resolution als ein Tabubruch betrachtet wird, gelten die USA doch als Israels engster Verbündeter. Es mag auch daran liegen, dass Vertreter beider Seiten recht schrill reagieren, wenn sie angegriffen werden.

lgr/Reuters/AP

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