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30. März 2012, 08:44 Uhr

Weltweite Studienfinanzierung

USA flop, Deutschland top

Wo ist Studieren erschwinglicher geworden? Wo ist es heute schwerer, sein Studium zu finanzieren? Das wollten kanadische Uni-Berater wissen und haben dafür weltweit die Studienfinanzierung verglichen. Amerikanische Studenten müssen demnach leiden, deutsche haben es gut.

In Chile gehen sie auf die Straße und in Kanada, auch Großbritannien hat heftige Proteste erlebt: In mehreren Ländern wehren sich Studenten dagegen, dass sie mehr Geld fürs Studieren bezahlen sollen. Doch auch woanders haben junge Leute Anlass zur Sorge, wie eine neuer Ländervergleich zeigt.

Fast überall auf der Welt seien Hochschulen zunehmend gezwungen, sich durch Studiengebühren zu finanzieren, oder durch private Spenden, die Vermietung von Campuseinrichtungen, Beratungsangebote und andere nicht öffentliche Geldquellen, schreiben die Autoren von "2011 Year in Review: Global Changes in Tuition Fee Policies and Student Financial Assistance". Für den Bericht hat die kanadische Firma Higher Education Strategy Associates (Hesa), die sich auf Hochschulberatung spezialisiert hat, die Studienfinanzierung in fast 40 Ländern verglichen. Der Bericht zeigt, wo es schwieriger geworden ist, ein Studium zu finanzieren, wo leichter. Am schlechtesten schnitten dabei Spanien, die Philippinen und die USA ab. Denn obwohl die Studiengebühren hier gestiegen seien, sei die finanzielle Unterstützung für Studenten nicht erhöht oder sogar reduziert worden.

Fast überall seien steigende Studentenzahlen zu beobachten, sowie wachsende Kosten und das ständige Konkurrieren um Staatsmittel im öffentlichen Sektor, heißt es in dem Papier, das vergangene Woche veröffentlicht wurde. In den Ländern der OECD hätten die Staatsausgaben für Bildung im vergangenen Jahr nur gerade so mit der Inflation Schritt gehalten. Für dieses Jahr sei auch wegen der Schuldenkrise in Europa zu erwarten, dass Hochschulen noch mehr unter Druck geraten, sich ihre Ausgaben von den Studenten zurückzuholen.

In den USA ist ein Studium besonders schwer zu finanzieren

Besonders düster sieht die Lage demnach für Studenten in den USA aus. Dort seien die Kosten fürs Studium in allen Bereichen um mehr als fünf Prozent gestiegen, während verschiedene staatliche Darlehen und Stipendien gekürzt worden seien.

In allen Ländern zusammen erhöhten sich die Studiengebühren 2011 durchschnittlich um 2,58 Prozent, schreiben die Autoren. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise weltweit teilweise noch stärker. In insgesamt acht Ländern zogen die Studiengebühren stärker an als die Inflationsrate. Dazu gehört an erster Stelle Südafrika, aber auch Chile, Kanada, Singapur, Spanien und die Philippinen.

Deutschland kam in dem Vergleich gut weg. Hier sei es einfacher geworden, sich ein Studium zu leisten - wie unter anderem auch in Frankreich, Kolumbien und Schweden. Die Autoren erwähnen die Erhöhung der Bafög-Sätze 2010 und die Einführung des "Deutschlandstipendiums" im vergangenen Jahr, das Stipendiaten mit 300 Euro monatlich aus privaten Spenden und einem Zuschuss des Bundes unterstützt. In Deutschland kritisieren viele das Stipendium: Die Regeln seien zu starr, die Unis, die die Hälfte des Betrags einwerben müssen, zu lustlos.

Ab diesem Jahr sollen Studenten in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg keine Studiengebühren mehr zahlen müssen. Auch Südkorea will dem Bericht zufolge die Gebühren deutlich senken. In Australien, China, Frankreich und Südafrika sollen die Gebühren zumindest nicht so stark steigen. Britische Studenten hingegen müssen sich auf einen dramatischen Anstieg gefasst machen, da Universitäten ab Herbst bis zu 9000 Pfund, rund 10.800 Euro, für ein Studienjahr verlangen dürfen.

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