Weltweite Studienfinanzierung: USA flop, Deutschland top

Wo ist Studieren erschwinglicher geworden? Wo ist es heute schwerer, sein Studium zu finanzieren? Das wollten kanadische Uni-Berater wissen und haben dafür weltweit die Studienfinanzierung verglichen. Amerikanische Studenten müssen demnach leiden, deutsche haben es gut.

Ländervergleich: Wo ist Studieren erschwinglich? Fotos
Getty Images

In Chile gehen sie auf die Straße und in Kanada, auch Großbritannien hat heftige Proteste erlebt: In mehreren Ländern wehren sich Studenten dagegen, dass sie mehr Geld fürs Studieren bezahlen sollen. Doch auch woanders haben junge Leute Anlass zur Sorge, wie eine neuer Ländervergleich zeigt.

Fast überall auf der Welt seien Hochschulen zunehmend gezwungen, sich durch Studiengebühren zu finanzieren, oder durch private Spenden, die Vermietung von Campuseinrichtungen, Beratungsangebote und andere nicht öffentliche Geldquellen, schreiben die Autoren von "2011 Year in Review: Global Changes in Tuition Fee Policies and Student Financial Assistance". Für den Bericht hat die kanadische Firma Higher Education Strategy Associates (Hesa), die sich auf Hochschulberatung spezialisiert hat, die Studienfinanzierung in fast 40 Ländern verglichen. Der Bericht zeigt, wo es schwieriger geworden ist, ein Studium zu finanzieren, wo leichter. Am schlechtesten schnitten dabei Spanien, die Philippinen und die USA ab. Denn obwohl die Studiengebühren hier gestiegen seien, sei die finanzielle Unterstützung für Studenten nicht erhöht oder sogar reduziert worden.

Fast überall seien steigende Studentenzahlen zu beobachten, sowie wachsende Kosten und das ständige Konkurrieren um Staatsmittel im öffentlichen Sektor, heißt es in dem Papier, das vergangene Woche veröffentlicht wurde. In den Ländern der OECD hätten die Staatsausgaben für Bildung im vergangenen Jahr nur gerade so mit der Inflation Schritt gehalten. Für dieses Jahr sei auch wegen der Schuldenkrise in Europa zu erwarten, dass Hochschulen noch mehr unter Druck geraten, sich ihre Ausgaben von den Studenten zurückzuholen.

In den USA ist ein Studium besonders schwer zu finanzieren

Besonders düster sieht die Lage demnach für Studenten in den USA aus. Dort seien die Kosten fürs Studium in allen Bereichen um mehr als fünf Prozent gestiegen, während verschiedene staatliche Darlehen und Stipendien gekürzt worden seien.

In allen Ländern zusammen erhöhten sich die Studiengebühren 2011 durchschnittlich um 2,58 Prozent, schreiben die Autoren. Allerdings stiegen die Verbraucherpreise weltweit teilweise noch stärker. In insgesamt acht Ländern zogen die Studiengebühren stärker an als die Inflationsrate. Dazu gehört an erster Stelle Südafrika, aber auch Chile, Kanada, Singapur, Spanien und die Philippinen.

Deutschland kam in dem Vergleich gut weg. Hier sei es einfacher geworden, sich ein Studium zu leisten - wie unter anderem auch in Frankreich, Kolumbien und Schweden. Die Autoren erwähnen die Erhöhung der Bafög-Sätze 2010 und die Einführung des "Deutschlandstipendiums" im vergangenen Jahr, das Stipendiaten mit 300 Euro monatlich aus privaten Spenden und einem Zuschuss des Bundes unterstützt. In Deutschland kritisieren viele das Stipendium:Die Regeln seien zu starr, die Unis, die die Hälfte des Betrags einwerben müssen, zu lustlos.

Ab diesem Jahr sollen Studenten in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg keine Studiengebühren mehr zahlen müssen. Auch Südkorea will dem Bericht zufolge die Gebühren deutlich senken. In Australien, China, Frankreich und Südafrika sollen die Gebühren zumindest nicht so stark steigen. Britische Studenten hingegen müssen sich auf einen dramatischen Anstieg gefasst machen, da Universitäten ab Herbst bis zu 9000 Pfund, rund 10.800 Euro, für ein Studienjahr verlangen dürfen.

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Das ist nur die halbe Wahrheit
muttisbester 30.03.2012
In Großbritannien z.B. werden (soweit ich weiß) die Studiengebühren komplett über staatliche zinslose Darlehen bezahlt! Das Geld muss erst an den Staat zurück gezahlt werden - in Miniraten -, wenn man mehr als 26.000 (oder 30.000?) Pfund pro Jahr verdient. Deswegen war die britische Regierung auch höchst alarmiert, als fast alle Unis die Studiengebühren auf 9.000 Pfund erhöhten. Denn statt Geld zu sparen, musste die Regierung nun wesentlich mehr Geld in Form von Studentendarlehen ausgeben. Ein klassisches Eigentor also. Und schon heute steht fest, dass die Studenten niemals die Darlehen vollständig an den Staat zurückzahlen. Also zumindest die englischen Studenten (Schotten studieren in Schotland kostenlos) bezahlen nur in der Theorie mehr, nicht in der Praxis.
2. Warum so zögerlich, Spiegel,
wander 30.03.2012
beim Schönlügen der deutschen Situation? Nehmt doch gleich sofort "Kongo Flop, Deutschland top" als Schlagzeile. Denn je dunkler die Nacht desto heller die Tranfunzel, nicht wahr?
3. Nein, nein, nein!
KT712 30.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesWo ist Studieren erschwinglicher geworden? Wo ist es heute schwerer, sein Studium zu finanzieren? Das wollten kanadische Uni-Berater wissen und haben dafür weltweit die Studienfinanzierung verglichen. Amerikanische Studenten müssen demnach leiden, deutsche haben es gut. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,824583,00.html
Das darf doch nicht wahr sein! Bestimmt hat es da einen Fehler gegeben. In Deutschland ist es leicht ein Studium zu finanzieren? Wo es uns doch soooo schlecht geht?! Wo Arbeiterkinder null Chancen haben? Wo Millionen (gefühlt Milliarden) Menschen in Deutschland bitterste Not leiden, dass selbst den Menschen in Afrika die Tränen kommen, wenn sie unsere Klagen hören?
4. Sehe ich auch so ...
casparman 30.03.2012
Zitat von KT712Das darf doch nicht wahr sein! Bestimmt hat es da einen Fehler gegeben. In Deutschland ist es leicht ein Studium zu finanzieren? Wo es uns doch soooo schlecht geht?! Wo Arbeiterkinder null Chancen haben? Wo Millionen (gefühlt Milliarden) Menschen in Deutschland bitterste Not leiden, dass selbst den Menschen in Afrika die Tränen kommen, wenn sie unsere Klagen hören?
Ich sehe jedes Wochenende massig Studenten in Augsburg, die mit Tränen in den Augen sich kaum noch an der Bar festhalten können, sooo sehr verzweifelt sind die ... Und zum Thema selbst kann ich nur sagen: Verkehrte Welt, ich habe in meinem Bekanntenkreis 4 Studenten (Kinder meiner Freunde), die alle nicht arbeiten können (sondern BAfög kriegen), weil sie´s soooo schwer haben mit dem Studium. Wir haben damals alle nebenbei gearbeitet. Das ging von Taxifahren über Leichenwaschen bis hin zur Baustelle (min. 20 Stunden die Woche). Und uns hat niemand das Studium voll-verschult "vorgekaut" .... Und des Weiteren ist es ja nun leider auch so, dass heutzutage gefühlt jeder Vollpfosten die Hochschul- / Fachhochschulreife erlangt. Da is mir schon klar, warum die alle sooooo viel zu tun haben ... Auswendiglernen kostet eben viel mehr Zeit als Zusammenhänge einfach logisch zu verstehen .... Es sollen aber eben alle die gleichen Chancen haben ... denn Deutschland wird ja auch zum Land der "Gleichgemachten", egal wieviel und was man leistet ...
5. mimimi
aquarelle 30.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesWo ist Studieren erschwinglicher geworden? Wo ist es heute schwerer, sein Studium zu finanzieren? Das wollten kanadische Uni-Berater wissen und haben dafür weltweit die Studienfinanzierung verglichen. Amerikanische Studenten müssen demnach leiden, deutsche haben es gut. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,824583,00.html
Dieses Rumgeheule, dass es in Deutschland wer weiß wie schwer ist, ein Studium zu beginnen, kann ich langsam auch nicht mehr hören. Es gibt bald nur noch in zwei Bundesländern Studiengebühren, die im Gegensatz zu Großbritannien und den USA ein echter Witz sind. Nicht umsonst richten Eltern sogenannte Collegefonds ein, wo sie von Beginn an etwas eingezahlt haben damit ihr Kind später alle Chancen nutzen kann. Es gibt auch hier Stipendien und Hilfe vom Staat in Form von Bafög. Auch als Student kann man Geld sparen und sich so ein Studium ermöglichen- wenn man denn will. Also: Mal über den Tellerrand schauen, in Deutschland ist nicht alles schlecht!
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