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Vergewaltigungsvorwurf: Elitestudentin schleppt ihre Matratze umher

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Kunststudentin Emma Sulkowicz: Mahnmal Matratze Zur Großansicht
Kirsten Luce/ The New York Times/ Redux/ laif

Kunststudentin Emma Sulkowicz: Mahnmal Matratze

Ihre Aktion ist eine Mahnung: Die Studentin Emma Sulkowicz, 21, besucht Vorlesungen an der US-Elite-Uni Columbia nur noch mit ihrer Matratze. Ein Kommilitone soll sie darauf vergewaltigt haben.

So lange, wie ihr mutmaßlicher Vergewaltiger die Columbia-Universität besuchen wird, will Emma Sulkowicz, 21, eine besondere Art von Protest-Performance durchziehen. Sie bugsiert eine dunkelblaue, extralange Matratze durch ihr Leben, wohin sie auch geht.

"Carry that Weight" ist der Titel ihres Protests, über den die Kunststudentin ihre Abschlussarbeit schreiben will. Gleichzeitig möchte sie mit der Aktion ein Trauma überwinden: "Ich wurde in meinem eigenen Bett im Studentenheim vergewaltigt. Seitdem trage ich diese Bürde. Ich nehme die Matratze mit, damit die Leute sehen, dass dies überall geschehen kann. Sie steht als Metapher für einen intimen Rückzugsort des Menschen, der an die Öffentlichkeit gezerrt wird", sagt Sulkowicz in einem Video über ihre Performance.

Zunächst hatte Sulkowicz aus Scham über die Vergewaltigung geschwiegen, die ihren Angaben zufolge am ersten Tag ihres zweiten Studienjahrs passiert war. Dann traf sie zwei Studentinnen, die von demselben Kommilitonen belästigt worden waren. Gemeinsam wandten sich die Frauen an die Leitung ihrer Universität, einer der acht renommiertesten US-Hochschulen der Ivy League.

Doch die Hochschulleitung befand, dass der Beschuldigte nicht zur Verantwortung gezogen werden müsse, der Fall wurde zu den Akten gelegt. Für die Studentin war die offizielle Anhörung quälend, das Ergebnis ein Hohn: "Mein Vergewaltiger lebt mit mir auf diesem Campus. Sogar Menschen, die ihm nur leicht ähneln, machen mir Angst", sagte sie dem "Time Magazine". Bei der Polizei zeigte sie ihren Peiniger erst vor wenigen Tagen an.

Nicht erst seitdem sie aus ihrem Fall ein Kunstprojekt macht, ringt Sulkowicz um Aufmerksamkeit für ihren Fall. Im Mai war sie eine von 23 Studentinnen, die bei der US-Regierung eine Beschwerde über den Umgang der Columbia-Universität mit sexuellen Übergriffen einreichten.

Ihr Vorwurf: Die Universität würde systematisch sexuelle Übergriffe herunterspielen und die Opfer in den Untersuchungsverfahren unter Druck setzen, erklärten die Frauen gegenüber dem US-Bildungsministerium. Vor allem aber habe die Columbia-Universität auf ihre alten Vertraulichkeitsrichtlinien gepocht und gefordert, dass sich die Frauen außerhalb des Verfahrens niemand anderem anvertrauten - nach dem Motto: Was auf dem Campus geschieht, bleibt auf dem Campus. Dabei hätten die Studentinnen Unterstützung von Freunden und Familien gebraucht. Laut "New York Times" gibt es ähnliche gesetzeswidrige Praktiken auch an anderen Hochschulen.

Die Columbia-Universität hat angekündigt, ihren Umgang mit Fällen sexuellen Fehlverhaltens zu überprüfen, berichtet die "New York Times". Die Beschwerdeakte beim Bildungsministerium konnte die Universität bisher noch nicht einsehen.

Ihre Matratzen-Performance will Sulkowicz nun durchziehen. Dafür hat sie sich Regeln auferlegt: Sie darf nicht um Hilfe bitten, sollte jemand aber ungefragt Hilfe anbieten, darf sie diese annehmen. An den Wänden ihres Wohnheims will sie die Verhaltensregeln der Universität aushängen und gleichzeitig dort von ihren Erfahrungen berichten, sodass jeder daran teilnehmen kann. "Für mich ist 'Carry that Weight' eine Ausdauer-Aktionskunst mit Protestelementen", sagt Sulkowicz. "Ich bin sehr gespannt, ob die Aktion etwas bewegt."

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