Vermietung an NPD: Frühere Kohl-Beraterin Höhler soll gehen

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In Paderborn spitzt sich der Konflikt um Gertrud Höhler zu. Die Universität will die Wissenschaftlerin zum Rücktritt bewegen, weil sie ein Büro in Zwickau an einen NPD-Abgeordneten vermietet hat. Höhler bestreitet jetzt, dass sie vom NPD-Hintergrund wusste.

Der Druck auf Gertrud Höhler, 66, steigt. Die Unternehmensberaterin, Literaturwissenschaftlerin, Buchautorin ("Jenseits der Gier") und Ex-Beraterin von Altkanzler Helmut Kohl soll sich aus dem Hochschulrat der Universität Paderborn zurückziehen, in den sie erst Ende April gewählt worden war. Das fordern der Hochschulrat, der Rektor und Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Höhler indes wies Freitag erneut den Vorwurf zurück, sie habe bewusst ein Büro an einen sächsischen Landtagsabgeordneten der NPD vermietet.

Gertrud Höhler: Will nicht weichen
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Gertrud Höhler: Will nicht weichen

Über die Vermietung in Zwickau hatte die Zeitung "Freie Presse" in Chemnitz bereits Anfang Mai berichtet. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" beschrieb pikante Details: Der NPD-Abgeordnete habe die beiden Büroräume in der Zwickauer Bahnhofsvorstadt am 8. Mai, dem Jahrestags des Kriegsendes, eröffnet. Zuvor sei er bereits aufgefallen, als er am 20. April, dem Geburtstag Hitlers, eine Reichsfahne aus dem Fenster seiner Wohnung gehängt habe.

Ob Gertrud Höhler wusste, wem sie das Büro im Geschäftshaus vermietete, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Am Freitag ließ sie durch ihren Anwalt Christian Schertz in Berlin mitteilen, sie habe zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung keinerlei Kenntnis von der Tätigkeit des Mieters gehabt. Das habe die Hausverwaltung bestätigt, die die Räume im Auftrag Höhlers vermietet habe, so der Anwalt. Nach Kenntnis des Sachverhalts habe Höhler unverzüglich rechtlich prüfen lassen, ob der bereits abgeschlossene Mietvertrag gekündigt werden könne. Das sei aber aus Rechtsgründen nicht möglich gewesen, erklärte Schertz weiter.

Ziel: "Frau Höhler zum Rücktritt bewegen"

Zuvor hatte die "Neue Westfälische" unter Berufung auf den Hausverwalter berichtet, Höhler habe die politische Orientierung ihres neuen Mieters gekannt. Jahrelang seien die Räume nicht vermietet gewesen; als dann die NPD angefragt habe, "da hat sie sich verführen lassen", zitierte die Zeitung den Hausverwalter. Auch die Uni Paderborn erklärte am 22. Juni in einer Pressemitteilung, Höhler habe am Vortag dem Vorsitzenden des Hochschulrates "im Wesentlichen die Richtigkeit der Aussagen ihres Zwickauer Hausverwalters bestätigt, dass sie von Anfang an über den Zweck der Anmietung durch den NPD-Abgeordneten Peter Klose informiert war".

Einen Rücktritt lehnte die Kommunikationsexpertin jedoch ab und wollte sich zu der strittigen Mietsache auch zunächst öffentlich nicht äußern. Am Donnerstag dann bezeichnete sie die Angriffe als "völlig unangemessen": "Es geht nicht um Gerechtigkeit, es geht um Vernichtung", warf sie den Kritikern in der "Rheinischen Post" vor.

Höhler will nicht weichen, obwohl sie an der Universität nicht mehr willkommen ist. Bereits vor einer Woche hatten sowohl der Hochschulratsvorsitzende als auch Wissenschaftsminister Pinkwart ihr empfohlen, sich aus dem Gremium zurückzuziehen. Der Paderborner Rektor Nikolaus Risch schloss sich an. Am kommenden Montag wolle der Hochschulrat in einer außerordentlichen Sitzung "Lösungsmöglichkeiten diskutieren", schrieb Risch am Freitag in einem offenen Brief an alle Hochschulangehörigen: "Ziel bleibt es, Frau Höhler zum Rücktritt zu bewegen." Ein Mitglied des Hochschulrates könne aber "nicht ohne weiteres aus dem Amt entfernt werden".

Lange Schatten der akademischen Vergangenheit

So ist es in der Tat - und das nährt Kritik an Nordrhein-Westfalens "Hochschulfreiheitsgesetz", das zum Jahresanfang in Kraft trat: Wer einmal drin ist im Hochschulrat, der bleibt drin. Nach dem Vorbild aus der Wirtschaft fungiert das neue Gremium als eine Art Aufsichtsrat, der mindestens zur Hälfte mit externen Experten besetzt werden muss. Die Mitgliedern werden für fünf Jahre berufen. Eine Eingriffs- oder Abberufungsmöglichkeit sieht das Gesetz nicht vor, die Hochschulen sollen ja unabhängiger vom Staat werden.

Um Gertrud Höhler hatte es an der Universität Paderborn schon früher Querelen gegeben. Rektor Nikolaus Risch deutete in seinem Brief zart an, bei der Wahl des Hochschulrates seien "Aspekte auch der Vergangenheit und der Erfahrungen speziell im Fall von Prof. Dr. Gertrud Höhler diskutiert" worden. Es ist eine Anspielung auf einen Zwist vor gut 15 Jahren: Damals wurde der umtriebigen Literaturwissenschaftlerin wiederholt vorgeworfen, sie lasse sich zu selten an der Hochschule blicken und vernachlässige die Lehre. Zugunsten ihrer Wirtschaftstätigkeit hatte sie sich zunächst beurlauben lassen und 1992 dann auf ihren Lehrstuhl verzichtet, wenig später aber um Wiederaufnahme gebeten. Rektorat und Studenten protestierten scharf; die Muster-Karrierefrau sprach von "Mobbing". 1993 verzichtete Höhler endgültig auf den Paderborner Lehrstuhl.

Der damalige Dekan ist noch heute zornig. "Vor vielen Jahren" sei festgehalten worden, dass Höhler "nicht einmal mehr durch die Hintertür" zurückkehren könne. "Heute stellen wir fest, dass die besagte Person durch die Vordertür der Universität Paderborn erneut Einzug hält", beschwerte sich Bremer bei Rektor Risch.

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