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Studie zu Drittmitteln: Gut für die Forschung, nicht unbedingt für die Lehre

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Wer im Labor forscht, braucht dafür Geld: Die Situation der Studenten wird dadurch nicht automatisch besser Zur Großansicht
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Wer im Labor forscht, braucht dafür Geld: Die Situation der Studenten wird dadurch nicht automatisch besser

Schreibe Anträge, finde den nächsten Fördertopf: Eine Hochschule gilt als erfolgreich, wenn sie mehr Geld einwirbt als die anderen. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: Studenten profitieren nicht unbedingt davon.

Woran erkennt man eine gute Uni? Daran, dass viele Förderer sie mit Geld unterstützen. Dieses Credo hat sich in den vergangenen Jahren zumindest unter Hochschulpolitikern und vielen Hochschulchefs durchgesetzt. Bund und Länder schoben etwa die Exzellenzinitiative an; die Unis mussten sich mit Anträgen um die ausgeschriebenen Fördermillionen bemühen. Die Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der wichtigsten Förderstelle für die Unis, wurden kräftig aufgestockt. Und viele Länder zahlen ihren Hochschulen Extraprämien, wenn sie sich gut im Wettbewerb um sogenannte Drittmittel behaupten.

Jetzt zeigt eine neue Studie, dass die Drittmittelsuche mitunter zulasten der Studenten gehen kann. Das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs), eine private Beratungsfirma aus Berlin, hat untersucht, was Hochschulen in Forschung und Lehre erfolgreich macht. Zentrales Ergebnis der Arbeit mit dem Titel "Anreize und Steuerung in Hochschulen - Welche Rolle spielen leistungsbezogene Mittelzuweisungen?": Je mehr Personal ein Fachbereich hat, desto mehr Studenten schaffen dort den Abschluss und desto mehr Erkenntnis stiftende Doktorarbeiten werden geschrieben.

Mehr Drittmittel, mehr Abbrecher?

Interessante Details liefert die Untersuchung allerdings zum Thema Drittmittel: Zwar steigern auch sie die Zahl der Promotionen, weil über drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten neue Doktorandenstellen ausgeschrieben werden. Auch ermöglichen Drittmittel zusätzliches Personal und führen dazu, dass mehr Studienbewerber zugelassen werden. Für die Lehre sind mehr Drittmittel allerdings nicht nur ein Segen: Je mehr Geld ein Fachbereich einnimmt, desto weniger Absolventen schließen dort das Studium ab und desto geringer ist der Anteil derer, die in der Regelstudienzeit studieren.

Das mag auch mit dem jeweiligen Studienfach zusammenhängen. Technikdisziplinen wie die Ingenieurswissenschaften haben traditionell hohe Abbruchquoten und erhalten besonders viel Geld aus der Industrie und aus der Staatskasse. Aber selbst wenn man diese Fachbesonderheiten berücksichtigt, bleibt der Effekt bestehen. Die Fibs-Studie zeigt: Der Effekt ist zwar schwach, aber statistisch nachweisbar.

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1. Hmmm
quark@mailinator.com 27.02.2015
Das die Unis mittlerweile komplett abhängig davon sind, zusätzliches Geld aus der Wirtschaft zu bekommen, ist nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Forschung an sich ein Problem. Der Effekt zeigt sich z.B. klar bei der Gentechnik. Hier sind erstmals in einem Wissensgebiet die Unis der Welt nicht mehr in der Lage, mit der Wirtschaft mitzuhalten. Soll heißen, das Wissen über Gentechnik an den Unis ist geringer als in den Firmen. Dort ist es natürlich geheim. Die Folge ist u.a. das auch die Staaten (Politiker) nicht in der Lage sind, den Stand der Technik und den daraus resultierenden Bedarf an Kontrolle und Regulierung vernünftig und zeitnah abzuschätzen. Auf lange Sicht ist dies eine reale Bedrohung für die Gesellschaft, da Gentechnik nunmal mit Dingen arbeitet, auf denen das ganze Leben auf der Erde basiert. Es ist erbärmlich, daß die Steuereinnahmen offenbar nicht mehr reichen, um Unis komplett staatlich zu finanzieren. Nebenbei: Eine Ausrichtung der Forschung auf pekuinären Ertrag schadet der Grundlagenforschung und den Geisteswissenschaften, etc. Somit passiert an den Unis das Gleiche wie im normalen Leben - alles wird aufs Geld reduziert, statt das man sich über das Glück der Menschen den Kopf zerbricht.
2.
Hans-WilhelmBerghoff 27.02.2015
Es wäre interessant, zu erfahren, inwieweit sich die Situation der Studierenden verbessern würde, wenn die Drittmittel an diesen Hochschulen um einen nenneswerten Teil reduziert würden. Ich denke, diese Diskussion ist so alt wie der Konflikt zwischen Forschung und Lehre - und ebenso überflüssig. Beides wirkt nur zusammen erfolgreich. Ansonsten müssten in Kuba ausgebildete Automobil-Ingenierue die besten der Welt sein.
3.
Alaaf 27.02.2015
Zitat von Hans-WilhelmBerghoffEs wäre interessant, zu erfahren, inwieweit sich die Situation der Studierenden verbessern würde, wenn die Drittmittel an diesen Hochschulen um einen nenneswerten Teil reduziert würden. Ich denke, diese Diskussion ist so alt wie der Konflikt zwischen Forschung und Lehre - und ebenso überflüssig. Beides wirkt nur zusammen erfolgreich. Ansonsten müssten in Kuba ausgebildete Automobil-Ingenierue die besten der Welt sein.
Vielleicht. Aber dann wären keine Mittel mehr da, um der aktuellen Anzahl von Ihnen eine Promotion oder anderweitige Abschlussarbeit zu ermöglichen. Angesichts der Tatsache, dass gemäss Artikel die Auswirkungen (Regelstudienzeit/Abschlussquote) nur schwach sind, halte ich das für ein geringes in Kauf zu nehmendes Übel für die finanziell bessere Ausstattung des Lehrstuhls im Forschungsbereich, die zumindest den überbleibenden Studenten dann den Abschluss ermöglicht, den sie fürs spätere Berufsleben brauchen. Denn ansonsten würden die Unis ja viele Studenten in Regelstudienzeit und mit geringer Durchfallerquote durchs Studium peitschen können, ihnen dann aber keine adäquate Abschlussmöglichkeit bieten können. Das ist wohl kaum erwünscht.
4. Nein, früher war nicht alles besser, aber......
Olding Bone 27.02.2015
...früher galt die Qualität (gemesssen in Veröffentlichungen) der Forschung als Maß für das Renommee eines Wissenschaftlers, heute ist das Maß an Drittmitteln ausschlagebend. Je mehr Drittmittel an den Unis, desto mehr zieht sich die öffentliche Hand aus der Finanzierung zurück. An unserer Uni wird gar schon die Lehre teils aus Drittmitteln finanziert. Bildung ist aber eine staatliche Aufgabe... und das sollte sie auch bleiben, ebenso wie die Grundlagenforschung !
5. Interressant wäre auch,
mittekwilli 27.02.2015
zu erfahren, wie lange so eine Promotion mit und ohne Drittmittel dauert.
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