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Vorentscheid der Exzellenzinitiative: Sieben Unis in der Elite-Endrunde

Es geht um 2,7 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre - und um den Status Elite-Universität: Sieben Hochschulen setzten sich im Vorentscheid der Exzellenzinitiative durch. Jetzt treten sie an gegen neun Titelverteidiger. Und diesmal haben auch Ost-Unis eine Chance.

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DPA

Humboldt Universität in Berlin: Erfolg in der Vorrunde

Es ist so etwas wie die Vorrunde im Fußball: Wer weiterkommt, wetteifert um Ehre, Anerkennung und um viel Geld. In der zweiten Phase der sogenannten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern geht es um 2,7 Milliarden Euro Fördermittel für die Spitzenforschung und darum, welche Universitäten sich künftig zur Elite zählen dürfen.

Neun Universitäten waren das bisher, weil sie sich schon in der ersten Phase der Exzellenzinitiative durchgesetzt haben und seit 2006 oder 2007 gefördert werden. Sie stehen in Aachen, Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und München. Sie alle dürfen ihren Titel ohnehin verteidigen.

Jetzt aber haben sieben weitere Hochschulen die Vorauswahl überstanden und gehen ins Rennen um das Elite-Siegel: Es sind die Humboldt Universität in Berlin, die Unis Bochum, Bremen, Mainz, Köln und Tübingen sowie die Technische Universität Dresden.

Beim Elite-Wettbewerb geht es darum, ein überzeugendes Zukunftskonzept für die eigene Hochschule zu präsentieren. Insgesamt hatten sich 22 Hochschulen mit sogenannten Antragsskizzen beworben. Über das Weiterkommen entschied ein gemeinsames Gremium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats (WR) - also nur die Wissenschaft. 26 Experten saßen in Bonn zusammen, die meisten Natur- und Technikwissenschaftler, daneben einige Geistes- und Sozialwissenschaftler.

Wer dann tatsächlich erfolgreich ist, darüber entscheidet die Wissenschaft gemeinsam mit der Politik im Juni 2012. Bis zum 1. September 2011 haben die vorausgewählten Universitäten jetzt Zeit, ausführliche Bewerbungen einzureichen. Insgesamt soll es am Schluss maximal zwölf Elite-Unis geben.

Was verbirgt dich hinter den drei Förderlinien?

Die Milliarden der Exzellenzinitiative werden aber keineswegs nur in die Zukunftkonzepte, also den Elite-Wettbewerb, gesteckt. Die Verteilung der Mittel ist kompliziert, insgesamt gibt es drei Förderlinien. Zum einen fördern Bund und Länder die Zukunftskonzepte, zum anderen Graduiertenschulen und drittens sogenannte "Exzellenzcluster", also fachübergreifende Forschungsprojekte. Ein Viertel der Fördersumme stellen die Länder, in denen die Gewinner-Hochschulen stehen, drei Viertel stammen aus dem Forschungshaushalt des Bundesbildungsministeriums.

Für die Förderung von Graduiertenschulen reichten 55 Universitäten 98 Antragsskizzen ein. Davon wählte die Jury für die Endrunde 25 Skizzen von 18 Hochschulen aus. Sie konkurrieren jetzt mit den bereits geförderten 39 Graduiertenschulen der letzten Runde der Exzellenzinitiative.

Noch mehr Antragsskizzen gab es bei den Exzellenzclustern: 60 Hochschulen reichten 107 Skizzen ein. Die Kommission entschied sich für 27 Entwürfe von 24 Unis. Sie treten an gegen 37 Cluster, die bereits seit 2006 oder 2007 gefördert werden.

Spannend dürfte vor allem die Frage nach der Titelverteidigung werden. Nicht alle Universitäten, die in den Jahren 2006 und 2007 mit Forschungsgeld bedacht wurden, behalten ihre Schulen, Cluster und den Elite-Titel. Sie mussten sich wie die Neuberwerber erneut ins Zeug legen. DFG-Präsident Matthias Kleiner hatte schon beim Start der neuen Runde gesagt, er erwarte "einen spannenden und harten Wettbewerb".

Entschieden wird, wenn die Gutachter ausgeschwärmt sind

Groß war der Aufschrei in der Politik, als in der ersten Runde vor vier Jahren nur die beiden Münchner Universitäten TU und LMU sowie die Universität Karlsruhe (TH) mit dem Elite-Titel bedacht wurden. Schleswig-Holstein und einige andere Länder erwogen sogar, die Initiative in letzter Sekunde scheitern zu lassen, weil sie sich nicht ausreichend berücksichtigt sahen.

In der nächsten Runde verteilten sich die Titel dann deutlich gleichmäßiger über die Republik, die Nordlichter waren besänftigt, der Osten aber ging wieder weitgehend leer aus - bis auf Berlin. Dort treten jetzt gleich zwei Universitäten an: Die Freie Universität, die ihren Titel verteidigen will, und die Humboldt Universität, die sich jetzt erfolgreich durch die Vorrunde kämpfte. Die punktuellen Erfolge in den neuen Bundesländern hob auch DFG-Präsident Kleiner bei der Verkündung der aktuellen Entscheidung hervor.

Entscheidend wird es, wenn nach den Vollanträgen die rund 150 Gutachter ausschwärmen und sich die Bewerber vor Ort genauer ansehen. Spätestens dann zeigt sich, ob die Mitarbeiter und Forscher mitziehen oder ob die Bewerbung vor allem auf die ehrgeizigen Visionen des Hochschulmanagements zurückgeht.

In einer ersten Phase der Exzellenzinitiative hatten Bund und Länder von 2006 bis 2011 bereits insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro in die Unis gepumpt. Dass es weitergeht mit dem Programm, wurde im Juni 2009 beschlossen.

"Werkzeug eines tiefgreifenden Umbaus"

Zum jetzigen Vorentscheid sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), es sei ein Zeichen für die Bedeutung des Förderprogramms für den Wissenschaftsstandort Deutschland, dass sich so viele Hochschulen beworben hätten.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt, bezeichnete die Exzellenzinitiative als "Werkzeug eines tiefgreifenden Umbaus". Die Leistungsfähigkeit der Universitäten insgesamt verbessere sich. Bei den Elite-Unis soll künftig auch besser als bislang negativen Effekten für die Lehre durch die Forschungsförderung vorgebeugt werden.

Die Anspannung bei den Antragstellern war hoch. Mit Anschubfinanzierung, mehr Personal, Geräten versuchen einzelne Länder ihre Chancen zu verbessern. Doch in der Wissenschaft gibt es auch Unwohlsein angesichts der steigenden Bedeutung dieses und weiterer Wettbewerbe. "Es geht nicht nur um die besten Ideen, sondern um die besten Anträge", sagte der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, dem "Tagesspiegel". "Das kostet viel Kraft und Zeit."

Die Landespolitiker sehnen die Adelung ihrer Unis als Exzellenz freilich herbei. Zumal Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) schon signalisiert hatte, dass es nach Ende der zweiten Förderphase 2017 möglicherweise vom Bund finanzierte Bundes-Unis geben könne. Diese könnten wohl aus dem Kreis der Elite-Unis auserkoren werden.

Bei der Verkündung der Entscheidung, einen Tag nach dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs, war viel von "guter, das heißt redlicher wissenschaftlicher Praxis" die Rede. Jemand fragte, ob der Fall Guttenberg die Spitzenorganisationen der deutschen Forschung bei ihrer Sitzung auch beschäftigt habe. Darauf DFG-Präsident Kleiner ironisch: "Zu Guttenberg hat einen Antrag gestellt?"

otr/dpa

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1. Großer Unfug: selbsternannte Elite-Unis
plagiatejäger 02.03.2011
Echte Elite-Unis sind weltweit aufgrund ihrer Forschung, d.h. ihrer nicht Plagiate-Doktoranden, anerkannt: USA - Harvard, Yale, UC Berkeley, Stanford, Princeton, MIT. Großbritannien: Oxford, Cambridge. Und vor über hundert Jahren sogar: Göttingen. Heute sind vielleicht zwei Deutsche Unis unter den Top100 - und das etwa bei Ranking-Nr. 67. Also, sollten die Medien sich auch an die Nase fassen und prüfen, ob es wirklich Elite-Uni heißt, weil ja niemand eine dt. Uni mit den "echten" Elite-Unis vergleichen will, d.h. es ja keine einzige echte Elite-Uni gibt in Deutschland. Deshalb heißt es offiziell ja auch "Spitzenuniversität", wobei den Unis ja nur die Gelder gegeben werden, die allen vor ein paar Jahren genommen wurden. Ohne echte Kultur der Forschung - anstatt immer nur Plagiate zu fördern, bzw. die Söhne von reichen und einflußreichen Vätern - wird es in Deutschland immer schneller bergab gehen. Asien und USA sind 50 Jahre voraus - das kann durch korrupte Unis und gekaufte Doktorarbeiten kaum mehr kompensiert werden. Echten dt. Forschern wird keine Möglichkeit gegeben nach einem Aufenthalt an einer Elite-Uni in den USA auch eine genauso fortschrittliche Forschung fortzuführen - weil ja hier alles 10 Jahre hinterherhinkt und nur Plagiate zur Habilitation gefördert werden, Originalforschung leider nicht.
2. ...
Kanzleramt 02.03.2011
Leider wird bei dieser Exzellenzinitiative nicht wirklich festgestellt welche Universität tatsächlich "am besten" ist (falls man das überhaupt letztendlich feststellen kann), sondern darum, welche Uni sich am besten präsentiert! Ein Freund von mir arbeitet am 'KIT' in Karlsruhe und hat gemeint, dass es auch beim Beantragen von Forschungsgeldern nur um die Präsentation geht und nicht wirklich um den Inhalt der Forschung oder die Fähigkeiten und das Vorwissen der Forscher.
3. elite und so
zynik 02.03.2011
Zitat von sysopEs geht um 2,7 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre - und um den Status Elite-Universität: Sieben Hochschulen setzten sich im Vorentscheid der Exzellenzinitiative durch. Jetzt treten sie an gegen neun Titelverteidiger. Und diesmal haben auch Ost-Unis eine Chance. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,748688,00.html
Dieses ganze Eliten-Getue ist ein maßgeblicher Auslöser für das, was uns die Causa Guttenberg gerade als Spitze des Eisbergs präsentiert hat. Nebenbei wird dadurch die konsequente Unterfinanzierung des Hochschulwesens sowie die zunehmende Einflussnahme durch die Wirtschaft kaschiert. Ein aufschlussreicher Aufsatz von Michael Hartmann zum Thema "Exzellenzinitiative": http://www.nachdenkseiten.de/?p=1974
4. ...
Mel.M 02.03.2011
Zitat von KanzleramtLeider wird bei dieser Exzellenzinitiative nicht wirklich festgestellt welche Universität tatsächlich "am besten" ist (falls man das überhaupt letztendlich feststellen kann), sondern darum, welche Uni sich am besten präsentiert! Ein Freund von mir arbeitet am 'KIT' in Karlsruhe und hat gemeint, dass es auch beim Beantragen von Forschungsgeldern nur um die Präsentation geht und nicht wirklich um den Inhalt der Forschung oder die Fähigkeiten und das Vorwissen der Forscher.
Dem kann ich nur zustimmen. Es geht um die Präsentation und um Moden. Gefördert wird das, was gerade in ist. Das ist bei der DFG so, aber auch bei allen anderen Geldgebern. Und noch eines - der Titel Excellence-Uni sagt nichts über die Qualität der Lehre aus.
5. .
asdf01 02.03.2011
Zitat von plagiatejägerEchte Elite-Unis sind weltweit aufgrund ihrer Forschung, d.h. ihrer nicht Plagiate-Doktoranden, anerkannt: USA - Harvard, Yale, UC Berkeley, Stanford, Princeton, MIT. Großbritannien: Oxford, Cambridge. Und vor über hundert Jahren sogar: Göttingen. Heute sind vielleicht zwei Deutsche Unis unter den Top100 - und das etwa bei Ranking-Nr. 67. Also, sollten die Medien sich auch an die Nase fassen und prüfen, ob es wirklich Elite-Uni heißt, weil ja niemand eine dt. Uni mit den "echten" Elite-Unis vergleichen will, d.h. es ja keine einzige echte Elite-Uni gibt in Deutschland. Deshalb heißt es offiziell ja auch "Spitzenuniversität", wobei den Unis ja nur die Gelder gegeben werden, die allen vor ein paar Jahren genommen wurden. Ohne echte Kultur der Forschung - anstatt immer nur Plagiate zu fördern, bzw. die Söhne von reichen und einflußreichen Vätern - wird es in Deutschland immer schneller bergab gehen. Asien und USA sind 50 Jahre voraus - das kann durch korrupte Unis und gekaufte Doktorarbeiten kaum mehr kompensiert werden. Echten dt. Forschern wird keine Möglichkeit gegeben nach einem Aufenthalt an einer Elite-Uni in den USA auch eine genauso fortschrittliche Forschung fortzuführen - weil ja hier alles 10 Jahre hinterherhinkt und nur Plagiate zur Habilitation gefördert werden, Originalforschung leider nicht.
Mit solchen Sprüchen wäre ich persönlich zurückhaltend. Wenn man sich die Listen "namhafter" Alumni dieser Einrichtungen anschaut, sind da Kollegen dabei, gegen deren "Schaffen" Guttenbergs schwerstkriminelle Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Danke nochmal an den Spiegel für die lückenlose "Aufklärung", weniger als ein Dutzend Guttenberg-Artikel pro Tag ist eben einfach nicht genug.) kaum mehr als als Kindergarten ist.
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Fotostrecke
Elite-Unis: Das Finale der Exzellenzinitiative

Exellenzinitiative - Der Wettbewerb im Überblick
Insgesamt 2,7 Milliarden Euro stellen Bund und Länder von 2012 bis 2017 für die Exzellenzinitiative bereit.
Zeitplan

1. September 2010 (Ausschlussfrist): Eingang der Antragsskizzen für Neuanträge

Mitte März 2011: Aufforderung zur Stellung der Neu- und Fortsetzungsanträge

1. September 2011 (Ausschlussfrist): Eingang der Neu- und Fortsetzungsanträge

Mitte Juni 2012: Bekanntgabe der Förderentscheidungen 2012 bis 2017 nach Abschluss eines wissenschaftsgeleiteten Verfahrens

1. November 2012: Beginn der Förderung

Förderlinien

Graduiertenschulen mit jährlich 1 bis 2,3 Millionen Euro. Info: Dr. Anselm Fremmer (anselm.fremmer@dfg.de), Dr. Annette Schmidtmann (annette.schmidtmann@dfg.de)

Exzellenzcluster mit drei bis acht Millionen Euro plus Programmpauschale. Info: Dr. Sonja Ochsenfeld-Repp (sonja.ochsenfeldrepp@dfg.de, Tel. 0228 8852387), Dr. Klaus Wehrberger (klaus.wehrberger@dfg.de, Tel. 0228 8852355)

Bis zu zwölf Zukunftskonzepte, Förderung von bis zu fünf neuen Anträgen mit insgesamt rund 142 Millionen Euro jährlich einschließlich Programmpauschale. Info: Dr. Sabine Behrenbeck (Tel. 0221 3776234), Dr. Hildegard Brauns (Tel. 0221 3776255)

Link und Literatur

Stephan Leibfried: Die Exzellenzinitiative, Campus Verlag, 2010

www.dfg.de/foerderung/programme/exzellenzinitiative

Quelle: "duz"

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Plakatwettbewerb: Elite ist nicht für alle da