Vorspiel zum Uni-Start: Wir wären dann so weit

3. Teil: Marc checkt ein: 176 Euro Miete, koreanische Küche inklusive

Marc vor dem Umzugswagen: Einmal fahren reicht - mehr passt nicht ins Zimmer Zur Großansicht
Steffen Becker

Marc vor dem Umzugswagen: Einmal fahren reicht - mehr passt nicht ins Zimmer

In Marburg bewerben sich auf ein WG-Zimmer nicht selten über 60 Studenten. Weil am Ende längst nicht jeder fündig wird, richtet das Studentenwerk zum Semesterstart rund hundert Notunterkünfte ein. Auch aus meinem Plan, mit einer Freundin eine WG zu gründen, wurde nichts. Zum Glück hatte ich mich rechtzeitig auf die Warteliste für das Studentenwohnheim setzen lassen, so entging ich dem Trubel auf dem Wohnungsmarkt.

Das WG-Leben werde ich später kennenlernen, für den Anfang ist das Studentenwohnheim ideal. Es könnte zwar eine Renovierung vertragen, und ein paar Quadratmeter mehr wären auch nicht schlecht, aber ich bin dennoch zufrieden. Ich habe es nicht weit bis zur Uni, treffe viele neue Leute, und der Preis ist unschlagbar: 176 Euro im Monat, inklusive aller Nebenkosten.

Hier ist immer etwas los: Mittags kocht ein koreanischer Student Koreanisch, außerdem wohnen noch zwei Amerikaner mit mir auf dem Flur. Mein Studienfach heißt Globalisierung und Internationale Beziehungen - hier im Wohnheim habe ich beides direkt vor der Zimmertür.

Verwirrende Buslinien, beeindruckende Kneipendichte

Mein Zimmer hat elf Quadratmeter. Zumindest beim Umzug hat diese Größe einen entscheidenden Vorteil: Eine Autoladung reicht aus, um fast alles zu transportieren. Kaum habe ich die Sachen ausgepackt, stehen zwei ehemalige Mitschüler vor der Tür, die auch gerade zum Studieren hierher gezogen sind.

Gemeinsam erkunden wir die Stadt. Die vielen Buslinien verwirren uns anfangs, die Kneipendichte hingegen ist beeindruckend - angeblich die höchste in ganz Deutschland, erzählen die Marburger.

Meine Fachschaft hat auf ihrer Homepage Tipps für Erstsemester veröffentlicht. Die Überschrift: "Don't panic!" Sie empfehlen zum Beispiel den Leseausweis für die Uni-Bibliothek, der gleichzeitig Mensa-Karte ist, möglichst schnell freizuschalten. "Erfahrungsgemäß kommt es in den ersten zwei Wochen zu extrem langen Wartezeiten bei der Ausgabe", schreiben sie. Das habe ich getan. Bisher läuft bei mir noch alles glatt, und ich bin weit davon entfernt, auszuflippen.

Als ich spätabends zurück ins Wohnheim komme, brennt in der Küche noch Licht. Meine Wohnheim-Kollegen spielen Karten, ich setze mich dazu. Ein Informatiker, der kurz vor dem Diplom steht, hat heute seinen letzten Abend. Wehmütig schaut er auf die vergangenen Jahre zurück. Ich denke nur: Bei mir geht es jetzt richtig los.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. ...
Roque Spiegel 07.10.2011
Zitat von sysopBevor*Fabienne, Marc und Larissa*an der Uni starten, müssen sie*lernen, sich zu Hause abzunabeln und woanders zu wohnen. Das bedeutet: Mutter-Tochter-Zwist im Möbelhaus, Sächsisch-Crashkurs im Einwohnermeldeamt -*und Lampenfieber vor dem ersten Hochschul-Tag. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,788910,00.html
Oh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
2. Sehe ich auch so..
lmike 07.10.2011
Zitat von Roque SpiegelOh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
Nur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
3. t
loncaros 07.10.2011
Auf "Was studierst du" Smalltalk hätte ich auch keine Lust wenn ich so ziemlich das reaktionärste, rückständigste Fach der ganzen Uni belegen würde.
4. ...
Roque Spiegel 07.10.2011
Zitat von lmikeNur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
Es fällt tatsächlich auf, dass hier fast nur Studenten von Geisteswissenschaften eine Plattform geboten wird. Nur würde ich das nicht als Diskriminierung oder Böswilligkeit von Seiten des Spiegels ansehen - ich glaube, angehende Ingenieure haben schlichtweg weder Lust noch Zeit sich geistig für den Spiegel öffentlich zu entblößen.
5. Vielleicht ist es heute anders
diefreiheitdermeinung 07.10.2011
aber als ich damals in Berlin studierte nahm ich mir fuer einen sehr niedrigen Betrag ein moebliertes Zimmer bei einer alten Dame, die nicht ganz unfroh dass sie jemanden in der Wohnung hatte, der auch mal eine kleine Reparatur machen konnte. Vorteil: der Besuch im Moebelgeschaeft entfiel und es gab beim Einzug keinen Stress. Nachteil: Damenbesuch nach 10 Uhr gabs nicht. Basta. Spaeter nahm ich mir eine ebenfalls moeblierte 1 1/2 Zimmer Wohnung mit Moebeln, die zwar stabil und alt aber sicher nicht "cool" waren in einer sog. Mietskaserne, 3. Hinterhof, Toilette auf dem Halbstock, transportable Notdusche zu umgerechnet 25 Euro im Monat. Aber ich nehme an, auf den Standard will heute kein Student mehr zurueck. Mich und meine Kommilitonen hats weder umgebracht noch haben wir deswegen den Abschluss nicht geschafft.
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