In Marburg bewerben sich auf ein WG-Zimmer nicht selten über 60 Studenten. Weil am Ende längst nicht jeder fündig wird, richtet das Studentenwerk zum Semesterstart rund hundert Notunterkünfte ein. Auch aus meinem Plan, mit einer Freundin eine WG zu gründen, wurde nichts. Zum Glück hatte ich mich rechtzeitig auf die Warteliste für das Studentenwohnheim setzen lassen, so entging ich dem Trubel auf dem Wohnungsmarkt.
Das WG-Leben werde ich später kennenlernen, für den Anfang ist das Studentenwohnheim ideal. Es könnte zwar eine Renovierung vertragen, und ein paar Quadratmeter mehr wären auch nicht schlecht, aber ich bin dennoch zufrieden. Ich habe es nicht weit bis zur Uni, treffe viele neue Leute, und der Preis ist unschlagbar: 176 Euro im Monat, inklusive aller Nebenkosten.
Hier ist immer etwas los: Mittags kocht ein koreanischer Student Koreanisch, außerdem wohnen noch zwei Amerikaner mit mir auf dem Flur. Mein Studienfach heißt Globalisierung und Internationale Beziehungen - hier im Wohnheim habe ich beides direkt vor der Zimmertür.
Verwirrende Buslinien, beeindruckende Kneipendichte
Mein Zimmer hat elf Quadratmeter. Zumindest beim Umzug hat diese Größe einen entscheidenden Vorteil: Eine Autoladung reicht aus, um fast alles zu transportieren. Kaum habe ich die Sachen ausgepackt, stehen zwei ehemalige Mitschüler vor der Tür, die auch gerade zum Studieren hierher gezogen sind.
Gemeinsam erkunden wir die Stadt. Die vielen Buslinien verwirren uns anfangs, die Kneipendichte hingegen ist beeindruckend - angeblich die höchste in ganz Deutschland, erzählen die Marburger.
Meine Fachschaft hat auf ihrer Homepage Tipps für Erstsemester veröffentlicht. Die Überschrift: "Don't panic!" Sie empfehlen zum Beispiel den Leseausweis für die Uni-Bibliothek, der gleichzeitig Mensa-Karte ist, möglichst schnell freizuschalten. "Erfahrungsgemäß kommt es in den ersten zwei Wochen zu extrem langen Wartezeiten bei der Ausgabe", schreiben sie. Das habe ich getan. Bisher läuft bei mir noch alles glatt, und ich bin weit davon entfernt, auszuflippen.
Als ich spätabends zurück ins Wohnheim komme, brennt in der Küche noch Licht. Meine Wohnheim-Kollegen spielen Karten, ich setze mich dazu. Ein Informatiker, der kurz vor dem Diplom steht, hat heute seinen letzten Abend. Wehmütig schaut er auf die vergangenen Jahre zurück. Ich denke nur: Bei mir geht es jetzt richtig los.
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