"Nu", sagt die Frau. Nein? - Ich bin verwirrt. Ich habe doch nur gefragt, ob ich bitte meinen Erstwohnsitz nach Dresden verlagern darf und wie das geht - warum soll ich die Unterlagen auf dem Einwohnermeldeamt nicht bekommen?
Es dauert ein paar Sekunden, bis die nette Dame versteht: "Ach, Sie sind nicht von hier?", fragt sie mütterlich und reicht mir die Papiere. Ich erzähle ihr von meinem Studium und fülle nebenher das Formular aus. Zur Belohnung gibt's eine Willkommenstüte der Stadt Dresden - und einen Crahskurs in Sächsisch von der Frau: "Nu" heiße "ja", und "ni" sei auch ein ganz wichtiges Wort und bedeute "nicht". Eigentlich ganz einfach. In meiner schwäbischen Heimat verlängert und verniedlicht man alles, hier reichen Laute.
Mit meiner Willkommenstüte verlasse ich das Amt und überquere die Carolabrücke. Ich schaue auf das Elbufer und die Altstadt, es ist noch früh am Morgen, noch keine Touristen in Sicht. Ich denke zum ersten Mal: Das ist jetzt meine Stadt.
Nu! Dresden fetzt übelst
Als Student braucht man eigentlich keine Angst zu haben, in einer neuen Stadt keinen Anschluss zu finden. Kaum der StudiVZ-Gruppe "TU Dresden Erstsemester WS 11/12" beigetreten, purzeln Nachrichten in den Posteingang: Max, angehender Verkehrswissenschaftler, will wissen, was ich studiere; Julia, angehende Biologin, fragt höflich, ob ich vielleicht noch einen Tipp für die Wohnungssuche hätte, und Eric, angehender Informatiker, lädt mich zu einem "Vorab-Ersti-Treffen" mit ein.
Scheinbar will jeder möglichst schnell Leute kennenlernen und erwartet freudig die Ersti-Kneipentour durch die Neustadt. Ich habe aber keine Lust auf "Und, was studierst du?"-Gespräche, Geplänkel über die Heimatstadt und Ersti-Menschenmassen. Ich finde, das ist vor allem eins: anstrengend und langweilig. Durch mein Praktikum in der "Spiesser"-Redaktion kenne ich zum Glück schon Leute in Dresden, mit denen ich auf einer Wellenlänge liege.
Mein Mitbewohner Mirko, der Kommunikationswissenschaften und Philosophie studiert hat, war zugegebenermaßen auch von Anfang an hilfreich beim Einleben - er ist Vorstand in einem von ihm gegründeten Kulturverein und kennt praktisch alles und jeden in der Neustadt.
"Das fetzt", sagt er gerne, wenn er mir irgendwas erzählt. "Fetzt", das ist auch so etwas, das hier zum Grundwortschatz gehört - ebenso "übelst": In Dresden ist immer alles "übelst krass" und "übelst gut" - oder ganz einfach: Es fetzt in Dresden. Nu!
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