Vorspiel zum Uni-Start: Wir wären dann so weit

4. Teil: Fabienne wird Dresdnerin: Keine Lust auf "Was studierst du so?"-Small-Talk

Fabienne sitzt Probe im Hörsaal: Bleibt das hier so leer? Zur Großansicht
Maren Volk

Fabienne sitzt Probe im Hörsaal: Bleibt das hier so leer?

"Nu", sagt die Frau. Nein? - Ich bin verwirrt. Ich habe doch nur gefragt, ob ich bitte meinen Erstwohnsitz nach Dresden verlagern darf und wie das geht - warum soll ich die Unterlagen auf dem Einwohnermeldeamt nicht bekommen?

Es dauert ein paar Sekunden, bis die nette Dame versteht: "Ach, Sie sind nicht von hier?", fragt sie mütterlich und reicht mir die Papiere. Ich erzähle ihr von meinem Studium und fülle nebenher das Formular aus. Zur Belohnung gibt's eine Willkommenstüte der Stadt Dresden - und einen Crahskurs in Sächsisch von der Frau: "Nu" heiße "ja", und "ni" sei auch ein ganz wichtiges Wort und bedeute "nicht". Eigentlich ganz einfach. In meiner schwäbischen Heimat verlängert und verniedlicht man alles, hier reichen Laute.

Mit meiner Willkommenstüte verlasse ich das Amt und überquere die Carolabrücke. Ich schaue auf das Elbufer und die Altstadt, es ist noch früh am Morgen, noch keine Touristen in Sicht. Ich denke zum ersten Mal: Das ist jetzt meine Stadt.

Nu! Dresden fetzt übelst

Als Student braucht man eigentlich keine Angst zu haben, in einer neuen Stadt keinen Anschluss zu finden. Kaum der StudiVZ-Gruppe "TU Dresden Erstsemester WS 11/12" beigetreten, purzeln Nachrichten in den Posteingang: Max, angehender Verkehrswissenschaftler, will wissen, was ich studiere; Julia, angehende Biologin, fragt höflich, ob ich vielleicht noch einen Tipp für die Wohnungssuche hätte, und Eric, angehender Informatiker, lädt mich zu einem "Vorab-Ersti-Treffen" mit ein.

Scheinbar will jeder möglichst schnell Leute kennenlernen und erwartet freudig die Ersti-Kneipentour durch die Neustadt. Ich habe aber keine Lust auf "Und, was studierst du?"-Gespräche, Geplänkel über die Heimatstadt und Ersti-Menschenmassen. Ich finde, das ist vor allem eins: anstrengend und langweilig. Durch mein Praktikum in der "Spiesser"-Redaktion kenne ich zum Glück schon Leute in Dresden, mit denen ich auf einer Wellenlänge liege.

Mein Mitbewohner Mirko, der Kommunikationswissenschaften und Philosophie studiert hat, war zugegebenermaßen auch von Anfang an hilfreich beim Einleben - er ist Vorstand in einem von ihm gegründeten Kulturverein und kennt praktisch alles und jeden in der Neustadt.

"Das fetzt", sagt er gerne, wenn er mir irgendwas erzählt. "Fetzt", das ist auch so etwas, das hier zum Grundwortschatz gehört - ebenso "übelst": In Dresden ist immer alles "übelst krass" und "übelst gut" - oder ganz einfach: Es fetzt in Dresden. Nu!

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insgesamt 34 Beiträge
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1. ...
Roque Spiegel 07.10.2011
Zitat von sysopBevor*Fabienne, Marc und Larissa*an der Uni starten, müssen sie*lernen, sich zu Hause abzunabeln und woanders zu wohnen. Das bedeutet: Mutter-Tochter-Zwist im Möbelhaus, Sächsisch-Crashkurs im Einwohnermeldeamt -*und Lampenfieber vor dem ersten Hochschul-Tag. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,788910,00.html
Oh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
2. Sehe ich auch so..
lmike 07.10.2011
Zitat von Roque SpiegelOh je, das wird wieder böses Blut in diesem Forum geben.
Nur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
3. t
loncaros 07.10.2011
Auf "Was studierst du" Smalltalk hätte ich auch keine Lust wenn ich so ziemlich das reaktionärste, rückständigste Fach der ganzen Uni belegen würde.
4. ...
Roque Spiegel 07.10.2011
Zitat von lmikeNur, warum werden hier immer wieder Studierende vorgestellt die nicht arbeiten können?
Es fällt tatsächlich auf, dass hier fast nur Studenten von Geisteswissenschaften eine Plattform geboten wird. Nur würde ich das nicht als Diskriminierung oder Böswilligkeit von Seiten des Spiegels ansehen - ich glaube, angehende Ingenieure haben schlichtweg weder Lust noch Zeit sich geistig für den Spiegel öffentlich zu entblößen.
5. Vielleicht ist es heute anders
diefreiheitdermeinung 07.10.2011
aber als ich damals in Berlin studierte nahm ich mir fuer einen sehr niedrigen Betrag ein moebliertes Zimmer bei einer alten Dame, die nicht ganz unfroh dass sie jemanden in der Wohnung hatte, der auch mal eine kleine Reparatur machen konnte. Vorteil: der Besuch im Moebelgeschaeft entfiel und es gab beim Einzug keinen Stress. Nachteil: Damenbesuch nach 10 Uhr gabs nicht. Basta. Spaeter nahm ich mir eine ebenfalls moeblierte 1 1/2 Zimmer Wohnung mit Moebeln, die zwar stabil und alt aber sicher nicht "cool" waren in einer sog. Mietskaserne, 3. Hinterhof, Toilette auf dem Halbstock, transportable Notdusche zu umgerechnet 25 Euro im Monat. Aber ich nehme an, auf den Standard will heute kein Student mehr zurueck. Mich und meine Kommilitonen hats weder umgebracht noch haben wir deswegen den Abschluss nicht geschafft.
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