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Vorwürfe gegen Althusmann: Uni prüft Doktorarbeit von Niedersachsens Kultusminister

Unsauber zitiert, fehlende Anführungszeichen: So lauten die Vorwürfe gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Der CDU-Politiker soll in seiner Doktorarbeit vielfach gegen wissenschaftliche Standards verstoßen haben, berichtet die "Zeit". Er räumte "mögliche handwerkliche Fehler" ein.

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Kultusminister Althusmann: Unsauber zitiert?

Berlin - Der niedersächsische Kultusminister und derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Bernd Althusmann (CDU), soll nach einem Bericht der Wochenzeitung "Zeit" beim Verfassen seiner Doktorarbeit gegen wissenschaftliche Regeln verstoßen haben. Eine Analyse der Promotionsschrift Althusmanns belege, "dass der CDU-Politiker an vielen Stellen inhaltliche wie wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet hat", berichtet das Blatt. Anstelle von Zitaten habe er in Fußnoten häufig unbestimmt auf andere Autoren verwiesen.

Unstimmigkeiten fanden sich demnach auf 88 von 114 untersuchten Seiten der Schrift. Die Redaktion der Wochenzeitung hatte demnach rund die Hälfte der Promotionsschrift überprüft, nämlich Einleitung, Schlusswort und zwei Hauptkapitel. Sie fand "Hinweise darauf, dass Althusmann sich großzügig aus fremdem geistigen Eigentum bedient hat, ohne dies in der notwendigen Weise deutlich zu machen", heißt es in dem Artikel, der am Donnerstag erscheint.

In dem Text heißt es aber auch: "Ob ein bewusster Täuschungsversuch vorliegt, ob die Arbeit gar teilweise oder vollständig als Plagiat zu werten ist, muss eine weitere Prüfung zeigen."

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz räumte Althusmann ein, seine Arbeit könne "handwerkliche Fehler" enthalten. Dafür entschuldige er sich. Er betonte aber, es habe keinen Täuschungsversuch gegeben. Er habe seine Arbeit "nach bestem Wissen" und nach den ihm "damals bekannten Zitierstandards angefertigt".

Althusmann hatte Pädagogik an der Bundeswehruniversität Hamburg studiert und das Studium mit einem Diplom abgeschlossen. Anschließend studierte er noch Betriebswirtschaft an der Süddeutschen Hochschule für Berufstätige in Lahr, einer FH, und schloss dort ebenfalls mit einem Diplom ab. Promoviert wurde er aber erst im Jahr 2007, als externer Doktorand, an der Universität Potsdam zum Dr. rer. pol., mit einer Arbeit über "Prozessorganisation und Prozesskoordination in der öffentlichen Verwaltung".

Die Universität Potsdam bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass sie den Vorwürfen nachgehe. Im ersten Schritt werde sich der Dekan der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät mit dem Fall vertraut machen, sagte eine Sprecherin. Der Dekan werde Althusmann die Möglichkeit einräumen, sich zu äußern. Erst dann werde darüber entschieden, ob sich die Kommission zur Wahrung guter wissenschaftlicher Praxis des Falls annimmt. Althusmann kündigte an, mit der Universität zusammenzuarbeiten. Er sehe der Entscheidung gelassen entgegen.

Ein Regierungssprecher in Hannover sagte der Nachrichtenagentur dpa, Ministerpräsident David McAllister (CDU) werde die Ergebnisse der Prüfungen abwarten.

Die KMK, der Althusmann vorsitzt, hat unter anderem die Aufgabe, "Qualitätsstandards in Schule und Hochschule" zu sichern, wie es auf der Internetseite heißt.

otr/dapd/dpa

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insgesamt 316 Beiträge
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1. überfällig
mitwisser, 06.07.2011
Als Diplom Oekonom o.ä. verschwand er nach Hannover und wenige Jahre später kam er als "Dr" zurück, klar. Und wurde dann auch noch ausgerechnet Kultusminister. Na, das hatte schon lange ein Geschmäckle. Entweder haben die Herren Abgeordneten zuviel Zeit um nebenbei zu promovieren, dann ist das Steuergeldverschwendung oder es wurde bei der Diss ein wenig nachgeholfen (oder beides ;-)) Letzteres scheint sich ja nun zu bestätigen und ich kann mich nach wie vor auf meine Menschenkenntnis verlassen...;-)
2. Leistung Leistung Leistung
maximillian64 06.07.2011
An was liegt es dass die bisher auffälligsten gefälschten Doktorarbeiten aus der wirtschafts-konservertiven Ecke auftauchen? Vermutlich das die ewige Predigt "Leistung Leistung Leistung" gerne für die Anderen gelten darf, man sich selbst aber lieber beim "Networking" am Champagnerglas festhält. Wichtig ist der Stempel auf dem Statuspapier. Nicht mit welchem Charakter mann dazu gekommen ist. Ist mann den erst im Club der "Leistungsträger" dann kann man ja im lässigen Ton die anderen an die Arbeite befehlen. Die Demut des politschen Personals vor seinem Souveran fehlt, man arbeite für sich selbst und nicht fürs Volk. Mal sehen wie lange dieser Arbeitgeber das Mitmacht. Hoffentlich hält die Erinnerung vis zur nächsten Wahl.
3. Dr. rer. pol.
Layer_8 06.07.2011
Zitat von sysopUnsauber zitiert, fehlende Anführungszeichen, wörtlich abgeschrieben: So lauten die Vorwürfe gegen Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann. Der Unionspolitiker soll in seiner Doktorarbeit vielfach gegen Standards verstoßen haben, berichtet die "Zeit". Die Uni Potsdam prüft die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,772670,00.html
"Prozessorganisation und Prozesskoordination in der öffentlichen Verwaltung" Bitteschön, über was man doch nicht alles promovieren kann. Ich glaube bei solchen Themen MUSS man einfach nur abschreiben, weil neues ja eh nicht herauskommen kann. Ich frage mich langsam, warum Politikwissenschaftler, BWLer oder Juristen immer promovieren wollen. Das ist doch alles eine Farce. Und dann brauchen die dafür auch noch evtl. 5 Jahre oder länger. Und die groteskesten Promotionen finden bei den Medizinern statt. Ich kenne da eine, welche nach dem Vordiplom, oder wie das immer bei denen heißt, schon ihre Promotion in einem halben Jahr beendete. OK, war ne 3, aber immerhin, chapeau, lol. Gruß vom Diplomphysiker und Fachinformatiker, welcher nie universitäre Karriereambitionen hatte. Ich fühle mich auch ganz wohl ohne Doktortitel :D
4. Eine Genugtuung
Phonomatrix 06.07.2011
... ist es, zu sehen, wie in diesem so selbsgerechten System nun doch Köpfe rollen, die sich selbst über absolute Mindeststandards tölpelhaft hinwegsetzen wollten. Geistiges Eigentum Rauben, sich Titel erschleichen... das alles sollte man eben nicht machen, wenn man Positionen anstrebt, in denen tausende von Augen einen jeden Schritt interessiert beobachten und auch die Abdrücke längst gegangener Schritte unter die Lupe nehmen. Hoffentlich bleiben die so Entlarvten nachhaltig von der Bildfläche verschwunden. Und hoffentlich gehen diese Enthüllungen weiter - ein Segen für den Wissenschaftsstandort Deutschland! Vielen, von denen wir glauben, sie wären höchst kompetent, sitzen mit dem Hintern schon längst auf Grundeis.
5. Das pass gut zu
atipic, 06.07.2011
... dieser Meldung: Mittwoch, 06. Juli 2011, 11:14 UHR CDU-Abgeordneter ist Dr.-Titel los Tübingen – Die Universität Tübingen hat dem CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) seinen Doktortitel aberkannt. „Die Untersuchung der Dissertation hat ergeben, dass sie in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde” Sollen wir noch das Kommentieren? Eine Frage stelle ich mir dennoch: warum greifen so viele CDU/FDP Politiker zu ?
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