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Schneller zum Professor: Wanka kämpft gegen befristete Verträge an Unis

Bundesbildungsministerin Wanka: "Unfairer Weg der Hochschulen "  Zur Großansicht
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Bundesbildungsministerin Wanka: "Unfairer Weg der Hochschulen"

Sie hangeln sich von Vertrag zu Vertrag und leben in permanenter Unsicherheit: junge Forscher an deutschen Unis. Johanna Wanka will nun ihre Karrierechancen stärken - die Bildungsministerin hat dafür zwei Ideen.

"Das ganze System der Nachwuchsförderung ist in eine Schieflage geraten", sagt Johanna Wanka. Die Bildungsministerin fordert mehr Sicherheit für Nachwuchswissenschaftler an Hochschulen. In der "Zeit" kündigte sie nun eine "Offensive Wissenschaftlicher Nachwuchs" an.

Wer Professor werden wolle, solle früher erfahren, ob es eine Chance gibt oder nicht. "Die Entscheidung, ob jemand in der Wissenschaft bleiben kann oder nicht, fällt bei uns erst sehr spät", sagte Wanka der Zeitung.

Wanka stellt laut der "Zeit" unter anderem vom Bund mitfinanzierte Tenure-Track-Stellen in Aussicht, auf denen junge Forscher nach einer Bewährungszeit eine Dauerstelle als Professor zugesichert bekommen. "Bei besonders brillanten Nachwuchswissenschaftlern kann das gleich nach der Promotion sein", sagte sie.

Die Ministerin kritisiert die Praxis der Hochschulen, wissenschaftliche Mitarbeiter nur mit Kurzzeitverträgen anzustellen. "Damit gehen die Universitäten das geringste Risiko ein", sagt Wanka. "Fair gegenüber den Mitarbeitern ist dieser bequeme Weg freilich nicht. Dass wir die Hochschulen daran erinnern müssen, ist schon schade."

Verträge sollen so lange dauern wie eine Promotion

Um die Sicherheit junger Forscher weiter zu stärken, schlägt Wanka vor, sie in der Regel mit Verträgen anzustellen, die so lange dauern wie eine Promotion. Feste Untergrenzen will sie den Hochschulen allerdings nicht vorschreiben. Auch ein Halbjahresvertrag könne im Einzelfall sinnvoll sein, etwa wenn ein Doktorand noch sechs Monate mehr brauche, um seine Promotion abzuschließen.

Wanka forderte zudem, Gymnasiasten besser auf die Zeit nach dem Abitur vorzubereiten. Die Hochschulen hätten zu wenig gegen die hohen Abbruchzahlen unternommen. "Entscheidend ist individuelle Beratung. Und dann ein praktischer Einblick von ein, zwei Tagen, bei dem Schüler mehr darüber erfahren, was ein Studium oder eine Ausbildung bietet", sagte Wanka. Zudem sollten Gymnasien, Kammern und Hochschulen besser miteinander verzahnt werden.

Bereits im Januar hatte die Ministerin angekündigt, gegen die miserablen Arbeitsbedingungen von Forschern vorzugehen. Damals hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert, dass der Großteil der 160.000 Nachwuchswissenschaftler in Deutschland befristet angestellt ist, mehr als die Hälfte davon mit einer Laufzeit von unter einem Jahr. Um ihrer prekären Situation zu entkommen, haben sich Wissenschaftler bereits eingeklagt. Einer von ihnen, ein Forscher aus Dresden, hatte 25 Befristungen in sechs Jahren erhalten.

kha

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Mal ehrlich
Al.Ba. 07.05.2015
Es kann eigentlich auch nicht sein, dass die meißten Promotionsstellen schon nur halbtags bezahlt werden obwohl das mehr als ein Vollzeitjob ist der da gemacht wird. Das spricht nicht gerade für die "Bildungsrepublik".
2.
Lagrange 07.05.2015
gut dass sich hier mal jemand drum kümmert. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Staat von Amazon und co. verlangt, seine Mitarbeiter aus prekären Arbeitsverhältnissen herauszuholen und der Staat macht genau das gleiche. Aus meiner Sicht muss es einfach noch eine oder vielleicht sogar zwei Positionen zwischen PostDoc und Professor geben. Finanziert werden kann das aber wohl leider nur mit Studiengebühren.
3. Und dann?
firenafirena 07.05.2015
Es mag ja im Einzelfall sinnvoll sein, eine Professur zu erleichtern. Aber wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern vor allem einen guten und verlässlichen Mittelbau in Form von PostDocs! Dieser Bereich braucht bessere Verträge. Nur so kann beispielsweise die überaus gängige Praxis unterbunden werden, bei praktisch jeder schwangeren Wissenschaftlerin einfach den Vertrag auslaufen zu lassen. De Fakto existieren an Unis feste Verträge höchstens für Sekretariat und Professur und das wars. Lehre, etc. wird total vernachlässigt oder den Doktoranden überlassen, weil das Personal fehlt.
4. Wieso Prof?
kaltschale 07.05.2015
Mittelbauer sind viel wichtiger für den Betrieb der Uni. Profs gibt es immer wenig, kann nicht jeder werden. Mittelbauer sind unverzichtbar für den Lehr und Forschungsbetrieb. Aber klar, das kostet Geld.
5. Feedback herstellen
lilili42 07.05.2015
Es gibt einen ganz einfachen und kostengünstigen Weg, mittelfristig die Situation der "vielen Studienabbrecher" an den Hochschulen zu beheben: Da die Hochschulen die Herkunftsschulen Ihrer Studenten kennen, sollten sie zu jeder Prüfung im Grundstudium (pardon: Bachelorstudium) die Ergebnis-Statistiken per Herkunftsschule veröffentlichen. In vielen Prüfungen (Mathematik, Latein, etc.) würde sich rasch ein sehr klares Bild ergeben. In der Politologie wohl weniger (geringe Trennschärfe der Prüfungen), aber das macht ja nichts. Das wäre nicht nur ein gutes Feedback für die Schüler die noch in den Schulen sind, sondern vor allen Dingen für die Schulen und Lehrer selbst über den tatsächlichen Erfolg ihrer Bemügungen. Aber genau das wird vermutlich der Grund sein, warum diese Vorschlag niemals umgesetzt werden wird.
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