Was kostet die Welt? La Paz, hoch und herrlich

Das Leben in der bolivianischen Höhenluft ist hart - aber für ein Auslandsstudium unbedingt empfehlenswert, findet Sebastian Erb. Die Stadt ist günstig, bunt und voller kleiner Kulturschocks: Wer ein Haus bauen will, sollte zum Beispiel den Lama-Fötus nicht vergessen. 

Höhen-Studium: Ganz praktisch durch La Paz Fotos
Sebastian Erb

Als ob die Höhe nicht schon genug wäre, liegt La Paz auch noch in einem engen Tal. Die meisten Straßen führen deshalb steil die Hänge hoch. Es ist gerade am Anfang sehr anstrengend, zu Fuß unterwegs zu sein. Schließlich erstreckt sich Boliviens Regierungssitz in den Anden auf einer Höhe zwischen gut 3000 und 4000 Metern.

Von den Einheimischen bekommt man gleich das Wundermittel gegen die Auswirkungen der Höhe präsentiert: Kokablätter. Der Tee schmeckt etwas herb und ganz lecker, das Kauen der Blätter ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Alternativ hilft es selbstverständlich auch, die Sache einfach mal langsam anzugehen.

Aber das will man gar nicht, denn in La Paz gibt es viel zu erleben und zu entdecken, es ist eine lebendige und liebenswürdige Stadt. Geschäftsleute im Anzug sind hier genauso unterwegs wie Frauen in traditioneller Tracht, dem Konsum-Schickimicki à la USA wird hier weniger stark gefrönt als in vielen anderen lateinamerikanischen Städten.

Nicht nur die indigenen Sprachen Aymara und Quechua sind allgegenwärtig, sondern auch die Weltsicht der Indigenas. So gibt es an Marktständen etwa getrocknete Lama-Föten zu kaufen, die braucht, wer ein Haus bauen will. Man betoniert sie ins Fundament ein, das soll Pachamama, die Mutter Erde, besänftigen.

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
sackpfeife 07.06.2011
Was soll man denn hier diskutieren? Ich war vor 3 Jahren auch mal da, und aus meiner Sicht stimmt alles, was der Autor so schreibt.
2. Meine Erfahrung in La Paz
eljot1 07.06.2011
Ich habe über über 5 Jahre in La Paz gelebt und besitze auch die Nationalität. Supermärkte gibt es haufenweise: Ketal, Zatt, Hipermaxi, Fidalga. Ich habe nur im Supermarkt meinen Kram gekauft und ganz selten mal was auf den Märkten. La Paz hat viele Gesichter: eine indigene Bevölkerung, viele, die gemischt sind aber auch Bolivianer, die rein Europäischer Herkunft sind. Es gibt Leute, die keine 50 Euro verdienen und Multi-Millionäre, die in fetten Villen in der Zona Sur wohnen. Wie in Deutschland leben diese verschiedene Leute ganz anders. Ein Hartz-Iv Empfänger in Köln Chorweiler hat auch nicht das gleiche Leben wie der Manager von BMW. McDonalds hat sich zwar nie durchgesetzt aber es gibt dort diverse Burger Kings, die immmer rappel voll sind und andere Fastfood-Ketten. Das mit der Höhenluft ist auch übertrieben. Ich habe noch nie Probleme damit gehabt. Es gibt Menschen, die Probleme bekommen aber das sind eher die wenigsten. Das Leben ist für den Durchschnittsbürger recht teuer. Ein Brötchen kostet vielleicht nur 4 Cent, aber wenn man nur 50 Euro verdient, ist das als würde in Deutschland ein Brötchen ca. 2-3 Euro kosten. Bolivien ist nur billig wenn man sein Gehalt aus Europa bezieht oder wenn man viel Geld besitzt. Seit Evo Morales an der Macht ist, geht es dem Land schlechter und schlechter. Alles ist wesentlich teurer als vor seiner Zeit. Die einzigen, denen es besser geht seitdem Evo an der Macht ist, sind Kokainschmuggler. Sie verdienen jetzt das dicke Geld. Das waren meine 2 "Centavos" zu dem Thema.
3. "La Paz"-Fieber?
siwica 08.06.2011
Huch, in den deutschen Online-Zeitungen ist wohl das La Paz Fieber ausgebrochen. Fast zeitgleich hat die Onlineausgabe der Zeit auch einen solchen Artikel veröffentlicht, allerdings ging es dort um eine Studentin, die dort ein Auslandssemester an einer Privatuniversität verbringt. Da sich die beiden vermutlich kennen (so viele Deutsche gibt es nicht in La Paz und in Zeiten von Facebook und Co. ist es ziemlich leicht im Ausland zueinander zu finden), fließen das kleine Honorar für die Artikel wahrscheinlich in einen gemeinsamen Urlaub am Titicacasee. Glückwunsch dazu!
4. La Paz, hoch und herrlich
huracanito 08.06.2011
Guter Beitrag! La Paz ist ein "muss" fuer Lateinamerika liebhaber, bietet sie doch als "unmoeglichste Hauptstadt der Welt" reichlich Kontraste und unvergessliche Erlebnisse. Flugzeuge landen und starten bei 4000m Hoehe auch viel schneller als sonst woanders, da die Luft sonst sie nicht traegt... Hier und generell in Bolivien kann man noch die Anden in "echt" erleben, jenseits von allen kommerziellen Tourismusklischees. Wir fahren jedes Jahr hin, zu unserem Haus weit ausserhalb des Trudels der Altstadt. Es stimmt, dass man mit harter Waehrung in La Paz sehr weit kommen kann, es stimmt aber auch dass es dem Land wirtschaftlich ganz und gar nicht gut geht, denn national- und populistische Massnahmen der jetzigen Regierung sind sehr schlecht fuer eine gesunde Entwicklung von klein und Mittlebetriebe. So sind viele Betriebe entweder pleite gegangen, oder nach Santa Cruz im Tiefland uebergesiedelt, wo man (noch) etwas mehr unternehmerischer Freiheiten hat. Die bescheidene Tourismusbranche bietet gerade in und um La Paz "super"-interessante Angebote, wie z.B. die Fahrradtouren in den Yungas durch die "Strasse des Todes", es fehlt aber leider seitens der Regierung die richtige Politik, Tourismus als eine vernuenftige Alternative zu foerdern. Denn Tourismus wuerde einer sehr breiten Bevoelkerungsschicht nachhaltig gute Einnahmen sichern. Das haben die Peruaner schon lange besser verstanden! Einen Verkehrsmittel waere noch zu erwaehnen, was allerdings fast verschwunden ist: Der "Colectivo", das sind groessere Linienbusse, aehnlich wie die amerikanischen Schulbusse... Damit bin ich damals (siebziger Jahre) regelmaessig gefahren. Allerdings gab es damals, im Vergleich zu heute, kaum Autos auf den Strassen von La Paz... Beste Zeit, La Paz zu besuchen ist zwischen Juni-September, dann ist Winter. Es ist etwas kaelter Nachts und im Schatten, dafuer hat man aber tagsueber einen wolkenlosen, tiefblauen Himmel.
5. coca sí - cocaína no !!
tom-pex 25.06.2011
eben: guter artikel. aber was soll das permanente evo-bashing hier im forum?? seit in bolivien ein indianer an der macht ist - merke: zum ersten mal seit 500 jahren regiert ein angehöriger der ureinwohner sein land!! - hat der freie westen offenbar ein problem mit diesem land, in dem zuvor fast ausschließlich korrupte weiße regierungen, die sich sicher nicht durch kokablätter, sondern gern durch kokain finanzierten, zum nachteil der indigenen ureinwohner regierten. die evo-regierung macht nun politik zum vorteil dieser jahrhundertelang marginalisierten bevölkerungsmehrheit und verteidigt mit gutem grund das alte kulturgut koka, eine heilpflanze mit vielen guten und keinen schlechten eigenschaften (solange nicht irgendwelche überwiegend weißen gangster daraus kokain destillieren). wer damit ein problem hat, mag nach kolumbien gehen (da sind die verhältnisse noch wie offenbar gewünscht) und dieses schöne land bolivien, welches sich seine jetzige regierung mit großen demokratischen mehrheiten bereits mehrfach wiedergewählt hat, in frieden lassen.
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Autor
Sebastian Erb, 26, hat Sozialwissenschaften in Düsseldorf und Brüssel studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Er lebt in Berlin und berichtet als freier Reporter besonders gerne aus Lateinamerika.

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