Was kostet die Welt? Stockholm, kühl und zurückhaltend

Gerade mal 760.000 Einwohner zählt Stockholm. Und doch pulsiert hier das Leben: heiße Clubs, schöne Menschen, hippe Boutiquen. Um auch was davon zu haben, sollte man genug Kronen im Portemonnaie haben, rät Erasmus-Studentin Frauke Lüpke-Narberhaus.

Das Leben in Stockholm ist teuer. Obwohl es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht: In einem Ranking des Beratungsunternehmens ECA International, das weltweit die Lebenshaltungskosten vergleicht, findet sich das Venedig des Nordens erst auf Platz 33. Im europäischen Vergleich liegt Schwedens Hauptstadt auf Platz 19, hinter Kopenhagen, Zürich, London, Paris und Berlin.

Deutsche Austauschstudenten in Stockholm betrachten den läppischen Platz im weltweiten Ranking allerdings mit großen Augen. Auf ihren Konten herrscht nämlich meistens chronische Leere - obwohl viele Erasmus-Gelder bekommen. Schwedische Studenten allerdings stehen finanziell besser da: Der Staat greift jedem von ihnen unter die Arme. Bis zu 7000 Kronen, das sind rund 780 Euro, wandern monatlich auf das studentische Konto. Einen Teil davon muss man zwar später zurückzahlen, rund 270 Euro dürfen die Studenten aber behalten.

Bei den hohen Eintrittspreisen in famosen Clubs und horrenden Preisen für ein Reagenzglas Bier muss ein Austauschstudent ganz schön aufpassen, dass die Kronen nicht einfach so aus dem Geldbeutel rinnen. Aber nicht nur da.

Hütten & Hochhäuser

Ein schwedenrotes Bullerbühaus wäre fabelhaft, aber ein Austauschstudent in Stockholm sollte sich schon glücklich schätzen, wenn er überhaupt ein Dach über dem Kopf hat. Es kann nämlich passieren, dass er in den ersten Wochen mit Sack und Pack in einer Jugendherberge hausen muss.

Die Uni hilft Austauschstudenten zwar bei der Wohnungssuche, garantiert aber keinen Platz in einem der vielen Wohnheime. Die meisten kommen dann aber doch irgendwie unter – etwa im größten Wohnheim Lappkärrsberget direkt neben der Uni. Oder in einer kleinen Holzhütte auf einer stillgelegten Straße im Vorort Solna. Ein Student muss für seine Wohnung – egal ob Hütte oder Zimmer – um die 3000 Kronen, das sind rund 330 Euro, berappen.

Möchte ein ausländischer Student partout nicht im Dunstkreis der Uni wohnen und sich eigene vier Wände organisieren, so braucht er entweder Geduld, gute Kontakte oder einen Haufen Geld. Schweden stehen gerne Schlange, das gilt auch für den Wohnungsmarkt. Für eine Ein-Zimmer-Wohnung im In-Viertel Södermalm beispielsweise dauert das Schlangestehen etwa zehn Jahre. Ein Wohnungskauf geht natürlich schneller.

Für alles gilt: No way ohne Personennummer! Ein Mensch ohne Personennummer existiert für die Schweden quasi nicht. Eine Personennummer kann jedoch nur beantragen, wer mindestens ein Jahr in Schweden lebt - was bei Austausch-Studenten gelegentlich für Probleme sorgen kann.

An den Pinnwänden in der Uni tummeln sich aber auch immer wieder WG-Zimmer-Angebote auf kleinen, ausgefransten Zettelchen. Und auch im Annonstorget, einem Wohnungsmarkt auf der Uni-Homepage, tauchen WG-Zimmer auf – und dort fragt niemand nach einer Personennummer. Je nach Lage schlägt das Zuhause zwischen 2000 und 4000 Kronen (220 und 440 Euro) zu Buche.

Bus & Boot

Busfahrt zum Studentenrabatt? Davon können Studenten in Schweden nur träumen. Nur Kinder und Jugendliche unter 20 sowie ältere Herrschaften über 65 fahren in Stockholm zum reduzierten Preis.

Momentan gilt in Stockholm noch ein Einheitspreis. Ab dem 1. April allerdings ist die Stadt in drei Tarifzonen A, B und C eingeteilt. Das gesamte tunnelbanesystem (U-Bahn-System) liegt in der Zone A. Eine Fahrt kostet dann 20 Kronen (etwa 2,30 Euro) - sofern man zuvor ein 10er Ticketmäppchen am Kiosk gekauft hat. Eine Reise durch drei Tarifzonen kostet 40 Kronen (etwa 4,50 Euro).

Eine Monatskarte kostet 620 Kronen (rund 69 Euro). Inklusive sind: Busse, Straßen- und U-Bahnen, pendeltåg (Pendelzug), sowie Boote, die zwischen Slussen und der Insel Djurgården hin- und herschippern.

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