Noch ist Johanna Wanka (CDU) nicht im Amt, erst am Donnerstag wird der Bundespräsident sie zur neuen Bundesbildungsministerin ernennen und der Amtsvorgängerin Annette Schavan (CDU) die Entlassungurkunde überreichen. Trotzdem wenden sich jetzt schon all jene an Wanka, die etwas von ihr wollen: Sie müsse das Bafög novellieren, ihre Ansichten zu Studiengebühren korrigieren und überhaupt mehr Geld ausgeben.
Für Wanka alles altbekannte Wünsche. Schließlich leitete sie von 2000 bis 2009 in Brandenburg das Ressort für Wissenschaft, Forschung und Kultur. 2010 wechselte sie als Ministerin für Wissenschaft und Kultur nach Niedersachsen - als erste ostdeutsche Ministerin in einem westdeutschen Kabinett. Dort kämpfte sie vehement für die Studiengebühren, prophezeite sogar, dass sie irgendwann wieder eingeführt werden: "Nicht zuletzt wegen der Notwendigkeit ausgeglichener und schuldenfreier Haushalte wird es Wiedereinführungen geben", sagte sie im vergangenen Sommer.
Wanka gilt als pragmatisch, penibel, zupackend. Sie hat einen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wanka studierte Mathematik in Leipzig, schrieb ihre Dissertation zum Thema "Lösung von Kontakt- und Steuerproblemen mit potential-theoretischen Mitteln" und schloss die Promotion 1980 ab - im gleichen Jahr wie die Noch-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Die war am Samstag zurückgetreten, nachdem die Uni Düsseldorf ihr den Doktortitel entzogen hatte. Schavan will gegen diese Entscheidung klagen.
Was Studenten, Länder und Verbände fordern
Wanka hat erst mal nicht viel Zeit, sich als Bildungsministerin zu profilieren: Im Herbst stehen schließlich Bundestagswahlen. Die Frage ist, welchen Punkt auf der langen Wunschliste sie als erstes angehen wird. Wobei sich die Forderungen der Verbände, Länder und Studentenvertreter in Teilen auch ähneln:
Auch auf der To-Do-Liste von Annette Schavan standen schon viele dieser Themen. Erfolgreich abgearbeitet hat sie sie nicht - was auch daran liegt, dass es inzwischen kaum einen machtloseren Posten in der Regierung gibt als den der Bundesministerin. Schavan hatte ihren Teil dazu beigetragen, indem sie beispielsweise das Ende Hochschulrahmengesetzes herbeiführte und der Föderalismusreform II zustimmte. Vielleicht wird Wanka versuchen, sich einen Teil der Macht zurückzuholen. Es würde zumindest helfen, die Wunschliste abzuarbeiten.
fln
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