Elite-Uni Oxford: Weiße Bewerber haben bessere Chancen

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Studenten der Elite-Uni Oxford: Minderheiten haben's oft schwerer

Abgelehnte Kandidaten nörgeln gern, dass die Elite-Unis Oxford und Cambridge unfair auswählen. Jetzt belegen Zulassungsdaten: In manchen Fächern haben weiße Bewerber tatsächlich viel bessere Aussichten auf einen der begehrten Studienplätze.

Immer wieder müssen sich die britischen Spitzenuniversitäten Oxford und Cambridge den Vorwurf gefallen lassen, weiße Bewerber in ihrem harten Auswahlverfahren zu bevorzugen. Und immer wieder beteuern die Eliteeinrichtungen, dass allein die Leistung zähle und dass man gleichzeitig auf ethnische Vielfalt großen Wert lege.

Die Zeitung "The Guardian" hat nun jedoch Daten der Universität Oxford ausgewertet, die belegen: Weiße Bewerber haben bessere Chancen. Besonders in begehrten Fächern wie Medizin und Management hätten sie viel höhere Aussichten, angenommen zu werden, obwohl ihre Schulnoten nicht besser sind. In den Jahren 2010 und 2011 bekam insgesamt jeder vierte weiße Bewerber in Oxford einen Studienplatz, aber nicht einmal jeder fünfte Kandidat, der einer ethnischen Minderheit angehörte.

Cambridge weigerte sich, aktuelle Daten herauszugeben, da eine Aufschlüsselung nach Fächern und Bewerbernoten zu aufwendig sei. Ältere Daten ließen allerdings einen ähnlichen Trend vermuten, heißt es in dem Artikel. Oxford und Cambridge haben das in der Vergangenheit oft so erklärt: Aus einigen Bevölkerungsgruppen bewürben sich sehr viele Schüler für bestimmte Fächer. Dadurch sinke für Minderheiten der Anteil der Bewerber, die tatsächlich zugelassen werden könnten.

Doppelt so gute Chancen auf einen Studienplatz in Medizin

In den besonders beliebten Fächern sei die Kluft zwischen erfolgreichen weißen und nichtweißen Kandidaten allerdings so groß, dass sich das nicht mit den unausgeglichenen Bewerberzahlen rechtfertigen lasse, schreibt der "Guardian".

Weiße Bewerber für das Fach Medizin, die in ihrem Schulabschlusszeugnis dreimal oder öfter die Spitzennote A* stehen hätten, haben demnach doppelt so gute Chancen auf einen Studienplatz wie Angehörige einer Minderheit mit denselben sehr guten Noten. 43 Prozent der weißen Leistungsträger werden angenommen - und nur 22,1 Prozent der nichtweißen.

In Wirtschaft und Management bekam jeder fünfte weiße Kandidat ein Angebot, aber nur jeder zehnte Vertreter einer Minderheit. Weiße Schulabgänger mit außergewöhnlich guten Noten im A-Level-Zeugnis, das für den Hochschulzugang entscheidend ist, hatten eine Erfolgsquote von 44 Prozent - die anderen kamen nur auf knapp 30 Prozent. In den Rechtswissenschaften gibt es hingegen keinen statistisch signifikanten Unterschied.

"Das ist ziemlich beängstigend", sagt eine Studentenvertreterin

Eine Sprecherin der Universität sagte dem "Guardian": Man habe nie behauptet, dass die Bewerberzahlen der einzige Faktor seien, der über die ungleichen Erfolgschancen von Schülern mit ähnlichen Noten und unterschiedlicher Hautfarbe entscheide. "Wir prüfen das weiterhin sorgfältig auf mögliche Erklärungen."

Allerdings kenne die Uni die A-Level-Noten ihrer Bewerber zum Zeitpunkt des Auswahlverfahrens gar nicht, da die Schüler ihre Prüfungen erst danach schrieben. Stattdessen seien Eignungstests, ältere Zeugnisse und Interviews entscheidend. Diese seien aber in die Auswertung nicht mit eingeflossen, kritisierte die Sprecherin. Auch eine Sprecherin der Universität Cambridge nannte die Analyse oberflächlich, weil sie solche und andere Faktoren außer Acht lasse.

Rachel Wenstone von der nationalen Studentenvertretung NUS zeigte sich hingegen schockiert über die Zahlen. "Das ist ziemlich beängstigend", sagte sie. In einigen Fakultäten in Oxford gebe es offenbar strukturelle Diskriminierung. "Die Universität muss sich sofort darum kümmern."

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insgesamt 31 Beiträge
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1.
bekkawei 27.02.2013
Zitat von sysopREUTERSAbgelehnte Kandidaten nörgeln gern, dass die Elite-Unis Oxford und Cambridge unfair auswählen. Jetzt belegen Zulassungsdaten: In manchen Fächern haben weiße Bewerber tatsächlich viel bessere Aussichten auf einen der begehrten Studienplätze. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/weisse-bewerber-haben-in-oxford-bessere-chancen-auf-studienplatz-a-885855.html
Wir darf man sich das vorstellen: Die filtern alle raus, die "dreimal oder öfter die Spitzennote A* stehen" haben, schauen sich dann die Gesichter an (aufm Foto oder live?) und geben dann die Mehrheit der freien Plaetze an Weisse. Oder ist es doch eher so: Aha. Also mal wieder viel heisse Luft und Empoerungspotenzial. Genau wie bei uns.
2. Skandal
derneinsager 27.02.2013
Wie wäre es denn mal so einen Vergleich im Rahmen von Kriminalitätsstatistiken anzustreben??? Aber ich bin mir sicher das die Ersteller der o. a. Untersuchung selbst in diesem Falle die voraussehbaren Ergebnisse verdrehen würden...
3.
petrapanther 27.02.2013
Zitat von bekkaweiWir darf man sich das vorstellen: Die filtern alle raus, die "dreimal oder öfter die Spitzennote A* stehen" haben, schauen sich dann die Gesichter an (aufm Foto oder live?) und geben dann die Mehrheit der freien Plaetze an Weisse. Oder ist es doch eher so: Aha. Also mal wieder viel heisse Luft und Empoerungspotenzial. Genau wie bei uns.
An britischen Universitäten finden üblicherweise Interviews statt, die Uni bekommt die Bewerber also direkt zu Gesicht. "Heisse Luft"? Weisse sind offenbar in einigen Fächern doppelt so erfolgreich, bei gleicher akademischer Eignung (die sich in denselben hervorragenden Schulnoten widerspiegelt). Die Eliteunis haben ganz offensichtlich ein ernsthaftes Problem mit ihrem Bewerbungsverfahren. Ich weiss nicht, ob unbedingt Rassismus die Ursache ist. Denkbar wäre auch eine (bewusste oder unbewusste) Bevorzugung von Kandidaten, die den richtigen "Stallgeruch" haben - die vornehme Schule, den gepflegten Akzent, den richtigen familiären Hintergrund (am besten mit Eltern, die ebenfalls in Oxford und Cambridge waren) etc. In Grossbritannien gibt es leider immer noch ein fest verankertes Klassendenken, dass per definitionem Weisse bevorzugt.
4. mein lieber eddy...
kolibri73 27.02.2013
Bist leider ziemlich geschichtskenntnisfrei!Noch im mittelalter hatte das gelobte Abendland kaum rudimentaere kenntnis in medizin mathematik astronomie...Da haben wir von den kalifen auf der iberischen halbinsel kraeftig dazugelernt! soll genuegen als kleine relativierung deines rassischen schwunges.
5.
asmcoder 27.02.2013
---Zitat--- dass allein die Leistung zähle und dass man gleichzeitig auf ethnische Vielfalt großen Wert lege. ---Zitatende--- hat mir doch eine lächeln entlockt.... :)
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