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Weltweites Hochschul-Ranking: Deutsche Unis erst ab Platz 60

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Ein neues Ranking trübt die Feierlaune an den deutschen Elite-Unis: Im Weltvergleich schafft keine einzige den Sprung unter die besten 50 - Briten und Amerikaner machen die Spitzenplätze unter sich aus. SPIEGEL ONLINE zeigt die Sieger und die besten deutschen Hochschulen.

Das waren akademische Festtage de luxe: Erst verzückte die Wissenschaftsgemeinde die frohe Botschaft, dass dieses Jahr gleich zwei deutsche Forscher den Nobelpreis erhalten, der Chemiker Gerhard Ertl und der Physiker Peter Grünberg. Und direkt darauf folgte das Finale der Exzellenzinitiative, zweite Runde. Insgesamt neun deutsche Hochschulen dürfen sich nunmehr stolz "Elite-Uni" nennen und räumen viele Millionen für die Forschung ab.

Ein neues internationales Ranking trübt die Wir-sind-wieder-wer-Stimmung. Wie stets im Herbst hat das "Times Higher Education Supplement" (THES) Universitäten global nach ihrem wissenschaftlichen Ruf sortiert. Wer nach den deutschen Hochschulen sucht, muss mit dem Finger in den Listen weit nach unten fahren: Top 50? Fehlanzeige. Top 100? Genau drei.

Die erste taucht erst auf Platz 60 auf - es ist die Universität Heidelberg, gefolgt von der LMU München (Platz 65) und der TU München (Platz 67). Einen Platz zwischen 100 und 200 erreichten acht weitere von der FU Berlin bis zur RWTH Aachen. THES spricht dennoch von einer "starken Vorstellung" der deutschen Hochschulen, von einer "Anerkennung ihrer Bildungsqualität". Begründung: Inzwischen sind elf Universitäten unter den ersten 200; im Vorjahr waren es zehn und vor zwei Jahren erst neun.

Das wirkt nicht gerade wie ein Quantensprung, mehr wie ein schwacher Trost. Aber den brauchen die deutschen Hochschulen eher nicht - jedenfalls nicht wegen des weltweiten Rankings. Universitäten sind überaus behäbige Institutionen, ihre wissenschaftliche Reputation baut sich über lange Jahre auf und verändert sich nur sehr langsam. Daher kann sich die international durchaus stark beachtete "Exzellenzinitiative" unmöglich sofort in besseren Platzierungen niederschlagen, zumal ihr Öffentlichkeits-Effekt in Deutschland größer ist als die greifbaren Verbesserungen: Die insgesamt 1,9 Milliarden Euro zusätzlich für die Forschung wirken wie ein stattlicher Betrag, verteilen sich aber auf mehrere Jahre, viele Hochschulen und Projekte.

Harvard: Der ewige Klassenprimus

Der internationalen Konkurrenz stehen ganz andere Summen zur Verfügung. Die Besten unter den Guten haben über Jahrzehnte oder Jahrhunderte an ihrem Profil gefeilt und einen Ruf wie Donnerhall - durch fast nichts zu erschüttern. Das zeigt auch das THES-Ranking: Der ewige Klassenprimus Harvard siegt auch diesmal, wie schon in den letzten drei Jahren. Die Top Ten versammeln ausschließlich Universitäten aus den USA und aus Großbritannien - die üblichen Verdächtigen vom britischen Rivalen-Duo Cambridge und Oxford über Princeton bis zum MIT. Die Verschiebungen sind geringfügig. Allein dem University College London gelang ein steiler Aufstieg von Rang 25 im Vorjahr auf Rang 9.

Der Rest der Welt muss sich mit den Plätzen dahinter bescheiden, etwa die Universitäten in Canberra, Tokio und Hongkong zwischen 17 und 20. Unter den ersten 50 sind lediglich drei Hochschulen vom europäischen Festland: zweimal Frankreich (Ecole Normale Supérieure; Ecole Polytechnique), je einmal Schweiz (ETH Zürich) und Niederlande (Amsterdam). Und unter ferner liefen dann die hoffnungsfrohen "Elite-Unis" aus Deutschland - freilich in einer Rangfolge, die sich mit der Einschätzung internationaler Gutachter bei der Exzellenzinitiative nicht deckt.

Aber was sind solche Ranglisten überhaupt wert? Wie die anderen nennenswerten internationalen Untersuchungen, etwa das Shanghai-Ranking, stützt sich auch das THES-Ranking auf eine Mischung aus weichen und harten Kriterien. Deren Aussagekraft ist immer für einen Streit gut. "Peer Review" gilt zum Beispiel ein zentraler Faktor: Über 5000 Wissenschaftler aus aller Welt waren aufgerufen, über den Ruf von insgesamt 500 Hochschulen zu urteilen - von denen sie eine Handvoll genauer, viele aber nur vom Hörensagen kennen dürften. Ähnliches gilt für die Vertreter von knapp 1500 internationalen Unternehmen, die ebenfalls die Qualität der Hochschulen bewerten sollten.

Seriöse Urteile oder nur ein Gesellschaftsspiel?

Bei den Universitäten abgefragt wurden außerdem Daten wie die Zahl der Wissenschaftler und ausländischen Studenten sowie die Betreuungsrelationen. Außerdem floss die Zahl der Zitationen in großen Fachmagazinen in das Ergebnis ein.

Jeder einzelne dieser Faktoren und auch ihre Gewichtung provoziert in der Welt der Gelehrten erhebliche Zweifel am Gehalt solcher Rankings, zumal es mitunter zu bizarren Pannen kommt. So ist beim Shanghai-Ranking die Zahl der Nobelpreisträger einer Hochschule von großer Bedeutung - was zuletzt dazu führte, dass weder die FU Berlin noch die Humboldt-Universität berücksichtigt wurden. Sie hatten nämlich darüber gestritten, wem die Nobelpreisträger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuzuordnen seien.

Die deutschen Universitäten zählen täglich ihre Sorgen, sie könnten solche Rankings auch nonchalant der Abteilung Gesellschaftsspiele zuschlagen. Aber der Imagefaktor ist für die Hochschulen wichtig beim weltweiten Buhlen um Studieninteressenten und um die besten Wissenschaftler.

Dass bei internationalen Rankings stets die angelsächsischen Hochschulen auftrumpfen, muss nicht an ihrer schieren Brillanz liegen: Das große Messen und Wiegen ist zugeschnitten auf eine Wissenschaftsgemeinde, die in der lingua franca Englisch kommuniziert und publiziert. So finden etwa Forschungsergebnisse aus anderen Teilen der Welt schwerer Eingang in die wichtigen Magazine. Zudem sind Wissenschaftler aus den USA und Großbritannien untereinander stärker vernetzt, ihre Universitäten attraktiver für die besten Studenten, Doktoranden und Forscher.

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Forum - Deutsche Unis - international konkurrenzfähig?
insgesamt 721 Beiträge
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1.
Vinodissimo, 14.08.2007
Zitat von sysopIm internationalen Vergleich schneiden deutsche Hochschulen schlecht ab: In einem neuen weltweiten Ranking sind die beiden besten aus Bayern - aber sie schafften es nicht unter die Top 50. Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?
Was hätte man auch anders erwarten können, dass die angelsächsischen Länder sich mal wieder als Weltmeister dekorieren, weil sie über höhere Budgets verfügen.
2. International "konkurrenzfähig"?
discipulus, 14.08.2007
[QUOTE=sysop;1386834 ... Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?[/QUOTE] Welche Kriterien für die "Konkurrenzfähigkeit" werden angelegt?? Bei mancher Diskussion - auch hier in Bayern - habe ich den Eindruck: Versorgung der Professoren auf Kosten der Steuerzahler: Besoldung und Pension aus C4, andrerseits staatsunabhängige Entscheidungskompetenz mit den Mitteln des Steuerzahlers. Was wollen die selbst ernannten "Excellence cluster" a la Stoiber eigentlich?
3. Durchaus
Peter Kunze 14.08.2007
Zitat von sysopIm internationalen Vergleich schneiden deutsche Hochschulen schlecht ab: In einem neuen weltweiten Ranking sind die beiden besten aus Bayern - aber sie schafften es nicht unter die Top 50. Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?
Tach, Die Frage sollte sich eher nach dem Produkt richten, welches Unis produzieren: Forschungsergebnisse und Akademiker. Hier können die deutschen Unis durchaus mithalten, wobei eine wachsende technik- und wissenschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft sowie die Einführung des Master/Bachelor-Matsches das ihrige zum Absinken des Rufs der Unis beitragen. Die Art der Umsetzung wiederum ist international natürlich nicht mehr konkurrenzfähig. Die Vorteile der angelsächsischen Topunis ist überwältigend: - Mehr Geldmittel stehen zur Verfügung. Die Privatwirtschaft und die Ehemaligen lassen sich da nicht lumpen. - Freie Wahl der Studis. Ein Abi entlockt mal ein müdes Lächeln bei der Zulassungsstelle. - Freie Wahl der Studien- und Forschungsgebiete, keine bis wenige staatliche Vorschriften. Vor einer Antwort bitte bedenken: Darüber zu streiten, ob dies nun sinnvoll, ethisch vertretbar und sozial gerecht sei ist NICHT das Thema des Threads - zumal auch in D Eliten händeringend gesucht werden... Bye Peter
4.
Andreas2, 14.08.2007
Schon die erste Antwort zeigt das Problem: die Vogel-Straußpolitik in diesem Lande, sprich: das Ignorieren der Realität und ihrer Ursachen, wird eine wirkliche Verbesserung verhindern, denn dafür bräuchte es ein Umdenken auf vielen Ebenen und nicht dieses übliche Geschwätz. Übrigens, Vinodissiomo, schon gemerkt ? Es geht keineswegs um ein Dekorieren der angelsächsischen Länder ( von denen dieses Ranking überhaupt nicht entworfen wurde, wie man dem Artikel eigentlich recht deutlich entnehmen kann). Und weiter: ist es unappetitlich, ja sittenwidrig, dass die "Sieger-Unis" höhere Budgets haben ? Natürlich nicht, aber solange eine wirkliche und überfällige Eliteförderung in unserer Sozialneidgesellschaft diskreditiert wird, so lange eine absolut sinnvolle und kontrollierte Zusammenarbeit mit der Industrie durch völlig surrealistische Restriktionen zuverlässig verhindert wird, so lange brauchen wir uns über solche Ergebnisse nicht zu wundern.
5.
Müder_Mensch 14.08.2007
Zitat von VinodissimoWas hätte man auch anders erwarten können, dass die angelsächsischen Länder sich mal wieder als Weltmeister dekorieren, weil sie über höhere Budgets verfügen.
Laut dem Artikel ist die Untersuchung durch die Universität Shanghai gemacht worden, also haben sich die angelsächsischen Länder nicht selbst als Weltmeister dekoriert, das sollte man nicht übersehen. Sehr gut bemerkt, das die meisten dieser Institute über ein wesentlich höheres Budget verfügen. Und natürlich die brilliantesten Köpfe der Welt anziehen.
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