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Weltweites Ranking: Nur vier deutsche Hochschulen in der globalen Uni-Elite

Da können deutsche Unis noch so strampeln, in internationalen Ranglisten kommen sie kaum vom Fleck. Die beste deutsche Hochschule ist laut "World University Ranking 2009" noch die TU München - und auch einer Hauptstadt-Uni gelang erstmals der Sprung unter die Top 100.

US-Elite-Uni Harvard: Die beste Hochschule der Welt Zur Großansicht
AFP

US-Elite-Uni Harvard: Die beste Hochschule der Welt

Hochschul-Rankings sind für europäische Unis ein ewiges Ärgernis: Ganz oben balgen sich die Besten der Besten aus den USA mit den britischen Elite-Unis, und Kontinentaleuropa hat mit dem Ausgang des Rennens wenig bis nichts zu tun. Jedenfalls gilt das, wenn man solche Ranglisten für mehr hält als ein akademisches Gesellschaftsspiel - und wenn man speziell dem World University Ranking des britischen Hochschulmagazins "Times Higher Education" ("Times"-Ranking) traut.

Das Magazin veröffentlicht am Donnerstag seine aktuelle Bestenliste. Und die sieht der des Vorjahres sehr ähnlich: Abermals rangieren auf den ersten zehn Plätzen ausschließlich Universitäten aus den USA und Großbritannien. Nur vier deutsche Unis schafften es überhaupt unter die hundert Besten.

Die erfolgreichste unter den, laut "Times", weltweit allenfalls mittelprächtigen deutschen Hochschulen ist erstmals die TU München auf dem 53. Platz. Damit überholte die TU die Heidelberger Universität , die wie im Vorjahr auf Rang 57 landete. Abwärts ging es erneut für die LMU München, sie schaffte es mit dem 98. Platz gerade noch unter die Top 100. Ein wenig davor und erstmals in den Club der 100 kam die Freie Universität Berlin auf Platz 94 (Vorjahr 137.). Alle vier Hochschulen wurden bei der deutschen Exzellenzinitiative mit Elite-Lorbeer behängt.

Leichter Aufwind für Europa und Asien

Internationaler Spitzenreiter bleibt unangefochten die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts, gefolgt von der englischen Uni Cambridge. Der dritte Platz geht an Yale, dahinter die Aufsteiger des University College London. Platz 5 teilen sich das Imperial College London und Oxford. Dann folgt eine lange Reihe US-amerikanischer Hochschulen, darunter die bekannten Spitzen-Unis Princeton (8.), die Ingenieurschmiede MIT (9.) Columbia (11.), Cornell (15.) und Stanford (16.). Die vollständige Liste zeigt die Web-Seite des World University Rankings 2009.

Bemerkenswert an der diesjährigen Liste: Unter den Top 100 sank die Zahl der US-Hochschulen von 42 auf 36 - für die Autoren der Studie ein Beleg dafür, dass asiatische und europäische Unis im internationalen Vergleich aufholen.

Wie bei den meisten anderen internationalen Ranglisten holen auch beim Times-Ranking englischsprachige Unis stets die besten Platzierungen. Wichtig für das Abschneiden ist der Stand in der Forschung. Dafür werten die Ranking-Macher aus, wie viele Artikel in renommierten internationalen Fachzeitschriften eine Hochschule im Verhältnis zur Zahl ihrer Mitarbeiter veröffentlicht hat. Ein Fünftel der Gesamtpunktzahl wird so ermittelt.

Dass Englisch die Wissenschaftssprache Nummer eins ist, wissen natürlich auch die Macher des Rankings: "Wir akzeptieren eine Verzerrung zugunsten von Veröffentlichungen in englischer Sprache", hieß es in den Methoden-Erklärungen zum Ranking von 2008. Als einzige nicht-englischsprachige Uni schaffte es die ETH Zürich unter die besten 20.

Entscheidungshilfe oder Zeitverschwendung?

Neben der Zitation zählte zu den wichtigsten Kriterien die Einschätzung der Unis durch 9386 Wissenschaftler und gut 3200 Arbeitgeber. Ermittelt wurde außerdem das Betreuungsverhältnis wissenschaftlicher Mitarbeiter zu Studenten sowie die Internationalität von Dozenten und Studenten. Das sei ein Kriterium für die Attraktivität, so die Autoren der Studie - auch hier kein Wunder, dass angelsächsische Unis mit der wichtigsten wissenschaftlichen Gebrauchssprache in Führung liegen.

Weil die Kontinentaleuropäer diese ungleichen Maßstäbe ärgern, soll nun bald zurückgerankt werden: Eine neuartige Bestenliste entwickelt derzeit das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Auftrag der EU. Die Rangliste soll im Sommer 2011 fertig sein und fairer und besser werden als die Ranking-Dinosaurier der "Times Higher Education" oder der Jiao-Tong-Universität in Shanghai. Das jedenfalls versprechen die Hochschulforscher des CHE.

Viele Wissenschaftler halten Ranglisten für Zeitverschwendung, über deren Sinn und Unsinn gezankt wird, seit es sie gibt. Wie unterschiedlich man sie bewerten kann, zeigten kürzlich Debattenbeiträge in der Wissenschaftszeitschrift "duz": Für Ranking-Freund Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ermöglichen solche Bestenlisten eine qualifizierte Entscheidung gerade für Studieninteressenten, die nicht aus akademisch geprägten Elternhäusern stammen. Dagegen sieht Ranking-Gegner Michael Daxner, Soziologe an der Uni Oldenburg, die selbstbestimmte Entwicklung der Hochschulen in Gefahr: Wer die Ranking-Kriterien bestimme, diktiere die Richtung, in die sich Hochschule entwickeln - auch für jene, die gegen eine Ranking-Teilnahme entscheiden.

cht

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Forum - Deutsche Unis - international konkurrenzfähig?
insgesamt 721 Beiträge
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1.
Vinodissimo, 14.08.2007
Zitat von sysopIm internationalen Vergleich schneiden deutsche Hochschulen schlecht ab: In einem neuen weltweiten Ranking sind die beiden besten aus Bayern - aber sie schafften es nicht unter die Top 50. Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?
Was hätte man auch anders erwarten können, dass die angelsächsischen Länder sich mal wieder als Weltmeister dekorieren, weil sie über höhere Budgets verfügen.
2. International "konkurrenzfähig"?
discipulus, 14.08.2007
[QUOTE=sysop;1386834 ... Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?[/QUOTE] Welche Kriterien für die "Konkurrenzfähigkeit" werden angelegt?? Bei mancher Diskussion - auch hier in Bayern - habe ich den Eindruck: Versorgung der Professoren auf Kosten der Steuerzahler: Besoldung und Pension aus C4, andrerseits staatsunabhängige Entscheidungskompetenz mit den Mitteln des Steuerzahlers. Was wollen die selbst ernannten "Excellence cluster" a la Stoiber eigentlich?
3. Durchaus
Peter Kunze 14.08.2007
Zitat von sysopIm internationalen Vergleich schneiden deutsche Hochschulen schlecht ab: In einem neuen weltweiten Ranking sind die beiden besten aus Bayern - aber sie schafften es nicht unter die Top 50. Sind die deutschen Unis international noch konkurrenzfähig?
Tach, Die Frage sollte sich eher nach dem Produkt richten, welches Unis produzieren: Forschungsergebnisse und Akademiker. Hier können die deutschen Unis durchaus mithalten, wobei eine wachsende technik- und wissenschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft sowie die Einführung des Master/Bachelor-Matsches das ihrige zum Absinken des Rufs der Unis beitragen. Die Art der Umsetzung wiederum ist international natürlich nicht mehr konkurrenzfähig. Die Vorteile der angelsächsischen Topunis ist überwältigend: - Mehr Geldmittel stehen zur Verfügung. Die Privatwirtschaft und die Ehemaligen lassen sich da nicht lumpen. - Freie Wahl der Studis. Ein Abi entlockt mal ein müdes Lächeln bei der Zulassungsstelle. - Freie Wahl der Studien- und Forschungsgebiete, keine bis wenige staatliche Vorschriften. Vor einer Antwort bitte bedenken: Darüber zu streiten, ob dies nun sinnvoll, ethisch vertretbar und sozial gerecht sei ist NICHT das Thema des Threads - zumal auch in D Eliten händeringend gesucht werden... Bye Peter
4.
Andreas2, 14.08.2007
Schon die erste Antwort zeigt das Problem: die Vogel-Straußpolitik in diesem Lande, sprich: das Ignorieren der Realität und ihrer Ursachen, wird eine wirkliche Verbesserung verhindern, denn dafür bräuchte es ein Umdenken auf vielen Ebenen und nicht dieses übliche Geschwätz. Übrigens, Vinodissiomo, schon gemerkt ? Es geht keineswegs um ein Dekorieren der angelsächsischen Länder ( von denen dieses Ranking überhaupt nicht entworfen wurde, wie man dem Artikel eigentlich recht deutlich entnehmen kann). Und weiter: ist es unappetitlich, ja sittenwidrig, dass die "Sieger-Unis" höhere Budgets haben ? Natürlich nicht, aber solange eine wirkliche und überfällige Eliteförderung in unserer Sozialneidgesellschaft diskreditiert wird, so lange eine absolut sinnvolle und kontrollierte Zusammenarbeit mit der Industrie durch völlig surrealistische Restriktionen zuverlässig verhindert wird, so lange brauchen wir uns über solche Ergebnisse nicht zu wundern.
5.
Müder_Mensch 14.08.2007
Zitat von VinodissimoWas hätte man auch anders erwarten können, dass die angelsächsischen Länder sich mal wieder als Weltmeister dekorieren, weil sie über höhere Budgets verfügen.
Laut dem Artikel ist die Untersuchung durch die Universität Shanghai gemacht worden, also haben sich die angelsächsischen Länder nicht selbst als Weltmeister dekoriert, das sollte man nicht übersehen. Sehr gut bemerkt, das die meisten dieser Institute über ein wesentlich höheres Budget verfügen. Und natürlich die brilliantesten Köpfe der Welt anziehen.
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"Times"-Ranking: Die zehn besten Unis der Welt

Die wichtigsten Rankings im Überblick
Das Times Higher Education Ranking
Das Times Higher Education Ranking erscheint in der Londoner Zeitung "Times Higher Education Supplement". Das Ranking basiert auf dem Ansehen von Hochschulen in der Fachwelt und bei Arbeitgebern. Auch spielen Zitationsraten, Betreuungsverhältnis von Lehrenden und Studierenden und der Anteil ausländischer Studierender und Dozenten eine Rolle.
Ranking der Shanghai Jiao Tong University
Die Jiao-Tong-Universität in Shanghai vergleicht Unis seit 2004 auf der Basis von sechs Indikatoren, die sich auf die Forschung konzentrieren. Neben Publikationen bringen Forscher und Alumni, die einen Nobelpreis oder einen wichtigen Mathematikpreis gewonnen haben, Punkte.
Professional Ranking of World Universities
Professional Ranking of World Universities, etabliert 2007 von der École Nationale Supérieure des Mines in Paris. Kernkriterium ist die Zahl der Alumni, die in den 500 Top-Industrieunternehmen der Welt eine Führungsposition bekleiden.
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