Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?
WG-Krach ist für Ludger Büter Alltag. Der 59-jährige Psychologe schlichtet im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).
Thilo K., 23, aus Jena:
Seit zwei Semestern wohne ich als einziger Student in einer Dreier-WG. Meine Mitbewohner Christine und Max sind ein paar Jahre älter als ich und arbeiten tagsüber im Büro. Ich sitze häufig zu Hause an meinem Schreibtisch - besonders für Christine bedeutet das wohl, dass ich den Haushalt schmeißen muss.
Leider ist es mir unmöglich, Christines Erwartungen zu erfüllen. Sie putzt häufiger als ich, das liegt aber nicht daran, dass sie fleißiger ist, sondern, dass sie andere Vorstellungen von Reinlichkeit hat. Ich schlug vor, einen Putzplan aufzustellen, aber den will sie nicht. Stattdessen macht sie irgendwann einfach sauber, obwohl es vorher nicht dreckig war, und stellt mich dann so hin, als käme ich einfach nicht auf die Idee zu putzen.
Ständig gibt es Probleme, dabei haben wir mittlerweile sogar eine Putzfrau engagiert, um die Situation zu entschärfen. Vor einer WG-Party putzte Christine zum Beispiel Ewigkeiten den Herd von innen, bis er blitzblank war. Als würden unsere Gäste da reingucken, um zu überprüfen, ob er auch sauber genug fürs Kräuterbaguette ist. Noch am Abend der Party gab es Streit, weil Christine uns vorwarf, wir Männer hätten nicht beim Saubermachen geholfen, dabei war morgens noch die Putzfrau da gewesen. Mich bezeichnete sie als "asoziales Arschloch".
Neulich hat sie mir mal wieder vorgeworfen, ich hätte die letzten Wochen nicht saubergemacht - dabei war ich im Urlaub. Das ist doch kafkaesk! Was kann ich tun, um den Hausfrieden wieder herzustellen?
Ludger Büter:
Wer in einer WG auf einen sehr hohen Hygienestandard drängt, erscheint schnell als zwanghaft und dominant. Wer eine höhere Toleranzschwelle für Unordnung hat, gilt als faul oder gar "asozial". Beides wäre ja in der Tat möglich und kommt auch vor. Ich gehe aber davon aus, dass Ihre Vorstellung und die Ihrer Mitbewohnerin im Normbereich liegen.
Es war klug von Ihnen, eine Putzhilfe zu engagieren, gewissermaßen als neutrale und vermittelnde "Variable" zwischen Ihnen. Da diese aber nicht jeden Tag kommt und Ihre Mitbewohnerin auch nicht ganz zufriedenstellt, bleibt offenbar noch Konfliktstoff für den Alltag: Angebranntes um die Herdplatten vielleicht, benutztes Geschirr auf der Ablage.
Bestehen Sie freundlich auf einem Putzplan, denn diesen brauchen Sie sehr wohl! Einigen Sie sich über die Punkte einer Liste, auf die jeder achtet, wenn er mit seinem Revier an der Reihe ist. So ein Plan schafft eine gute, weil entlastende Routine. Ohne Absprache haben Sie den Stress, stets von neuem aufreibende Diskussionen führen zu müssen.
Lehnt Ihre Mitbewohnerin Ihr konstruktives Angebot tatsächlich ab, erstellen Sie einen Plan mit Ihrem Nachbarn Max und berücksichtigen dabei ein paar von den Wünschen, die Christine am Herzen liegen. Wird sie sich wirklich ins Abseits stellen und in der dritten Woche, wenn sie dran wäre, sagen: "Ich mach nicht mit!"?
Christines verbalen Übergriff sollten Sie nicht überbewerten. Auch Lebenspartner hängen sich bisweilen unfreundliche Etiketten an. Erst wenn solches Vokabular zum Dauerton wird, wirkt es zerstörerisch. Schaffen Sie beide es, Kompromisse in freundlichem Einvernehmen zu definieren, hat Ihre WG eine Zukunft.
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