Sie gehört zu den renommiertesten britischen Hochschulen, landet in nationalen Ranglisten meist auf dem dritten Platz hinter Oxford und Cambridge und gehört in internationalen Rankings regelmäßig zu den besten hundert der Welt: die Uni-Perle St Andrews an der schottischen Ostküste, an der auch Prinz William und seine Braut Kate studiert haben.
Doch jetzt ist die Kaderschmiede, die intensiv wirbt mit ihrem prominenten Absolventen-Paar ("Romance made in St Andrews"), in eine pikante Affäre verwickelt. Einem Bericht des "Guardian" zufolge spielt ein dubioses Spenden-Konstrukt darin eine Rolle und eine Verbindung zum syrischen Regime von Baschar al-Assad.
Der "Guardian" berichtet, die Universität habe mehr als 100.000 Pfund, umgerechnet etwa 112.000 Euro, Spendengeld bekommen für ein Forschungszentrum für Syrien-Studien. Die Spenden seien zustande gekommen mit Unterstützung des syrischen Botschafters in Großbritannien, Sami Khiyami. Zudem würden in einem Beratergremium des Zentrums einige Assad-Getreue sitzen, darunter der Schwiegervater des Diktators, Fawaz Akhras.
Akhras, im Hauptberuf Kardiologe, fungiert dem Bericht zufolge als eine Art Mittelsmann für das Regime, etwa indem er britische Journalisten unter die Lupe nimmt, bevor ihnen ein Interview mit Assad gewährt wird. Er hat demnach die Britisch-Syrische-Gesellschaft gegründet, die etwa Reisen für Politiker nach Damaskus arrangiert und europäische Investoren mit syrischen Regierungsmitgliedern zusammenbringt.
Gibt es also eine indirekte Verbindung zwischen der angesehenen britischen Hochschule, an der die Elite des Landes ausgebildet wird, und einem Diktator, der Demonstranten in Syrien niederschießen lässt? Wie nah steht die Hochschule jenem Regime, dessen brutales Vorgehen die britische Regierung vom Uno-Sicherheitsrat verurteilen lassen wollte?
Seltsame Nähe zwischen Uni und syrischem Botschafter
Dem "Guardian" sagte ein Sprecher von St Andrews, die Universität werde die Arbeit des Forschungszentrums überprüfen, um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Standards eingehalten würden - auch im "Hinblick auf die internationalen Bedenken in Bezug auf die Ereignisse in Syrien".
Die Zeitung zeichnet die Verbindung zwischen dem syrischen Regime und der Hochschule so nach: Als das Forschungszentrum im Jahr 2006 eröffnet wurde, habe der Botschafter Khiyami einen in Syrien geborenen britischen Geschäftsmann davon überzeugt, das Zentrum finanziell zu unterstützen. Dieser Geschäftsmann wiederum steht dem "Guardian" zufolge an der Spitze einer Öl- und Gasfirma, die gemeinsam mit der syrischen Regierung zwei Mega-Projekten stemmt, im Wert von rund einer Milliarde Dollar.
Die Zeitung zitiert aus einem Newsletter der "Syrian Studies Association" aus dem vergangenen Jahr, in dem der Direktor des Forschungszentrums, Raymond Hinnebusch, demnach schrieb, mithilfe des Botschafters sei der entscheidende Durchbruch gelungen. Nur so habe sich ein Spender finden lassen, mit dessen Hilfe das Zentrum aufgebaut werden konnte.
Dem "Guardian" zufolge betont Hinnebusch zwar, dass die Arbeit des Zentrums stets frei gewesen sei von politischer Einflussnahme. Er habe aber auch geschrieben, dass Syrien in politischen Kreisen leider oft falsch verstanden werde und all zu oft jene dämonisiert würden, die sich gegen imperialistische Pläne für die Region wehren würden.
Der "Guardian" sieht Parallelen zu einem anderen Fall: Die ebenfalls höchst angesehene London School of Economics (LSE) hatte eine Spende der Gaddafi-Stiftung angenommen, 300.000 Pfund - kurz nachdem der Sohn von Despot Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, dort seinen Doktor gemacht hatte. Als im März Plagiatsvorwürfe gegen den ehemaligen Doktoranden laut wurden, kündigte die Hochschule an, den Fall zu überprüfen.
Der konservative Abgeordnete Robert Halfon wird von der Zeitung mit der Forderung zitiert, dass Universitäten kein Geld von Regierungen wie der Syriens akzeptieren dürften. Das müsse eine der Lehren aus dem LSE-Gaddafi-Fall sein. Er schlägt demnach vor, Unis öffentliche Mittel zu kürzen, wenn sie Geld von Diktatoren annehmen.
Auch an anderer Stelle ist der syrische Botschafter mittlerweile kein gern gesehener Gast mehr: Zwar war er erst zur Hochzeit von Kate und William eingeladen worden, doch nun hat Außenminister William Hague mitgeteilt, dass Khiyami in Abstimmung mit dem Buckingham Palast bei den Feierlichkeiten nicht anwesend sein solle.
otr
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