Plagiatsvorwürfe: Wissenschaftler stellen sich hinter Lammert

Bundestagspräsident Lammert: Unterstützung durch vermeintlich plagiierte Wissenschaftler Zur Großansicht
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Bundestagspräsident Lammert: Unterstützung durch vermeintlich plagiierte Wissenschaftler

Norbert Lammert soll sich in seiner Doktorarbeit aus ihren Werken bedient haben - doch zwei Wissenschaftler stützen nun den Bundestagspräsidenten. In der "Süddeutschen Zeitung" werfen die Politologen vielmehr dem anonymen Plagiatsjäger unseriöse Arbeit vor.

München - Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erhält nach den Plagiatsvorwürfen gegen seine Doktorarbeit Beistand aus der Wissenschaft - ausgerechnet von zwei Forschern, bei denen Lammert sich angeblich unerlaubt bedient haben soll. Der Politologe Wolfgang Jäger sagte der "Süddeutschen Zeitung", der anonyme Autor der Vorwürfe habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt. "Der hat nicht seriös gearbeitet", sagte Jäger.

Der Aufstellung zufolge, die der anonyme Blogger im Internet veröffentlicht hat, soll sich Lammert bei dem Politikwissenschaftler Jäger bedient und ebenso wie dieser aus einem Buch zitiert haben, das es gar nicht gibt. Dies sei falsch, sagte Jäger nun. Er habe damals zwar den Titel fehlerhaft wiedergegeben, das Buch existiere jedoch. Den Vorwurf nannte Jäger einen "Witz".

Auch der Politologe Hans-Otto Mühleisen stellte sich hinter Lammert: "Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt", sagte er der Zeitung. In der Arbeit Lammerts finden sich Ähnlichkeiten mit einigen Werken Mühleisens.

Bislang hat der anonyme Plagiatsjäger eigenen Angaben zufolge erst ein Drittel der Doktorarbeit Lammerts geprüft. Auf seiner Website behauptet er, in der Dissertation befänden sich auf 42 Seiten Textpassagen aus 21 Quellen, bei denen er Unregelmäßigkeiten festgestellt habe. Die Universität Bochum leitete auf Wunsch Lammerts eine Überprüfung der Vorwürfe ein.

Plagiatsjäger will weiter anonym bleiben

Der unter dem Pseudonym Robert Schmidt auftretende Plagiatsjäger sagte der "Welt", er wolle weiter anonym bleiben. "Ich möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen", zitiert die Zeitung eine E-Mail. Darin schreibt er weiter, er sehe in der Untersuchung der Universität Bochum einen möglichen Interessenkonflikt, "da Herr Lammert als Honorarprofessor Mitglied der Fakultät ist und somit eine Befangenheit bestehen könnte".

Er habe die Dissertation seit Mitte Juni untersucht und rund 250 Arbeitsstunden investiert, erklärt der Plagiatsjäger demnach weiter. Er wehre sich zudem gegen den Vorwurf, eine politische Agenda zu verfolgen: "Ich hätte zum Beispiel auch wissenschaftliches Fehlverhalten prominenter SPD-Mitglieder öffentlich gemacht, aber das hat sich nicht so ergeben."

Erst Anfang des Jahres war Annette Schavan von ihrem Amt als Bundesbildungsministerin zurückgetreten, nachdem ihr der Doktortitel aberkannt worden war. Auch in diesem Fall hatte der Plagiatsjäger die ersten Hinweise auf Fehler in der Dissertation gegeben.

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Wer hat dran herumgedoktert?
Plagiatjäger entlarvten Guttenberg als Copy-and-Paste-Akademiker. Seine Politikerkollegen promovierten über "Infektionen durch Entspannungsbäder" oder das "mittelniederländische Plenarium Ms. germ. 1612". Wer's war, erfahren Sie hier und werden so Quiz-Doktor im Doktor-Quiz!

fdi/AFP/dpa

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insgesamt 220 Beiträge
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1. merkwürdig
schaeff5 31.07.2013
einige Mitmenschen scheinen politisches Engagement so zu verstehen, das man gezielt Leute fertig macht, weniger mit Fehlverhalten in deren Ämtern oder durch politische Diskussion, sondern durch fragwürdige Suchen nach irgendwelchen patzern in Doktorarbeiten. Ich wette , man kann auf diese Art die Hälfte aller Doktorarbeiten Deutschlands in Frage stellen. Keiner hat sich bisher die >Frage gestellt, was das für ein politischer Stil ist. War es ein Zufall, das just ein bekannter Jurprofessor, der mit Andrea Nahles in einem linken Arbeitskreis der SPD eng zusammenarbeitet, die Doktorarbeit des Herrn Guttenberg zerpflückte? Hm,es hat ih ja völlig überraswcht, was für eine Lawine er da losgetreten habe, kommentierte er damals. So ein Unschuldsengel.
2. Verjährung einführen bei gleichzeitiger schärferer Prüfung der Arbeit vor der Titelvergabe
mxmx 31.07.2013
Der Plagiatsvorwurf wird zunehmend als Waffe eingesetzt, unabhängig davon ob ein Plagiat vorliegt oder nicht. Daher wäre es sinnvoll eine Art Verjährung einfzuführen, um dieses zu beenden. Während Spicken in der Schule als "Heldentat" gilt, wird für gleiches bei Doktorarbeiten fast schon die Todesstrafe gefordert. Das macht keinen Sinn. Daneben ist es auch aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen irrelevant, wenn sich eine Arbeit nach 30 Jahren als Plagiat herausstellt: Die Verwendung dieser Arbeit für andere Werke läßt sich ja schließlich nicht mehr rückgängig machen. Gleichzeitig mit eine Verjährung sollte man aber eine bessere Prüfung der Arbeiten vor der Titelvergabe einführen, denn da gehört die Prüfung ja auch hin. Und darunter fallen dann auch alle Arbeiten und nicht nur die Arbeiten, die später prominent werden.
3. ...!
ckriddle 31.07.2013
250 Arbeitsstunden für sowas?! Der gute Mann sollte seine Zeit sinnvoll nutzen und uns mit Halbwahrheiten verschonen - wenn er sich seiner Sache sicher ist, soll er das gefälligst so ausdrücken und sich persönlich dazu äußern. Die Zeiten der Hexenjagd sind vorbei, ich halte nichts von Leuten, die andere anonym an den Pranger stellen, ohne sich selbst zu erkennen zu geben. Wenn er nicht in der Öffentlichkeit stehen möchte, soll er sich bitte ein anderes Hobby suchen!
4. Komische Häufung von Skandalen
robin-masters 31.07.2013
Zitat von sysopDPANorbert Lammert soll sich in seiner Doktorarbeit aus ihren Werken bedient haben - doch zwei Wissenschaftler stützen nun den Bundestagspräsidenten. In der "Süddeutschen Zeitung" werfen die Politologen vielmehr dem anonymen Plagiatejäger unseriöse Arbeit vor. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/wissenschaftler-unterstuetzen-lammert-in-plagiatsaffaere-a-913993.html
Die SPD hat viele Anhänger im Bildungsbetrieb. Komisch das solche "Skandale" immer direkt vor Wahlen kommen. Außerdem hat eine Teilschuld auch das Gremium das ihm damals den Dr. zugesprochen hat. Deren Aufgabe sollte es sein die Arbeit zu überprüfen... Jahrzehnte später irgendwelche Fehler zu suchen ist einfach nur beschämend für die Opposition und/oder irgendwelche Kleingeister. Gleiche gilt bei Gutenberg ... einzige Fehler von Gutenberg war es nicht zu gestehen... erst dadurch war für mich ein Rücktritt zwingend geworden.
5. Warum
Beijinger 31.07.2013
Arbeitet dieser "Robert Schmidt" anonym? Ich sehe den eher als einen Denunzianten, gab es doch schon in Deutschland, da nannte man es Blockwarte.
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