Empfehlung des Wissenschaftsrats: Hochschulen sollen sich differenzieren

Die LMU gilt seit der Exzellenzinitiative als Elite-Uni - aber wie geht es weiter? Zur Großansicht
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Die LMU gilt seit der Exzellenzinitiative als Elite-Uni - aber wie geht es weiter?

Ende einer turbulenten Frühjahrssitzung: Der Wissenschaftsrat empfiehlt Bund und Länder das Nationale Bildungspanel stärker zu fördern - darüber sind sich alle einig. Das Gremium diskutierte allerdings auch heftig über die Zukunft der Hochschulen. Fest steht bislang: Es soll mehr Wettbewerb geben.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt Bund und Ländern, das Nationale Bildungspanel (Neps) künftig in die gemeinsame Förderung aufzunehmen. Bei der Datensammlung handele es sich um eine weltweit einzigartige Längsschnittstudie zur Bildungs- und Kompetenzentwicklung, sagte der Wissenschaftsrats-Vorsitzende Wolfgang Marquardt am Montag in Berlin. Deswegen nutze es der gesamten Forschung.

2009 wurde das Bildungspanel gestartet, seitdem sammelt es Daten von rund 100.000 Bürgern über den Bildungsverlauf - von der Geburt an über Kindergartenbesuch, Schule, Lehre, Studium und Beruf bis hin zur Weiterbildung. Bildungsforscher erwarten durch die Daten auch Aufschluss, warum der Bildungserfolg in Deutschland so extrem wie in keiner anderen vergleichbaren Industrienation von der sozialen Herkunft abhängig ist.

Bei der Frühjahrssitzung beschäftigte sich der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium von Bund und Ländern in der Hochschul- und Forschungspolitik, auch mit dem vertraulichen Papier "Perspektiven des deutschen Wissenschaftssystem". Ein Expertengremium des Wissenschaftsrats hat in dem umfassenden Papier skizziert, wie der Rat sich die Zukunft der deutschen Hochschulen vorstellt. Beschlossen werden soll es erst im Juli, derzeit werden weitere Punkte um- und eingearbeitet. Klar ist bislang: Die deutschen Hochschulen werden sich auf mehr Wettbewerb um Fördermittel einstellen müssen.

"Differenzierung durch wettbewerbliche Anreize"

"Wir wollen mehr Profilierung und damit mehr Differenzierung der Hochschulen erreichen, das soll auch über wettbewerbliche Anreize gelingen", sagte Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, SPIEGEL ONLINE. Marquardt erteilte Befürchtungen eine Absage, der Wissenschaftsrat empfehle der Politik, unterschiedliche Hochschultypen zu etablieren oder ein Mehrklassen-System von Hochschulen. "Solche Spekulationen sind Blödsinn, wer das behauptet, hat in dem Papier nur ein einzige Seite gelesen."

Laut Marquardt habe die Arbeitsgruppe unter seiner Leitung über ein Jahr an dem gut hundert Seiten starken Schriftstück gesessen. In der Frühjahrssitzung, die von Mittwoch bis Freitag dauerte, sei das vertrauliche Papier zwar kritisch, aber durchaus konstruktiv diskutiert worden. Es enthält Empfehlungen, wie Forschungsförderung an den Hochschulen in Zukunft und besonders nach dem Ende der Exzellenzinitiative gestaltet werden kann. Marquardt betonte, die Hochschulen seien derzeit unzureichend grundfinanziert, manche müssten aber auch ihre Strategiefähigkeit verbessern.

Zusammen mit Marquardt gehörten der Arbeitsgruppe, die das Papier entwickelt hatte, Vertreter des Bundesbildungsministeriums und aus zwei Bundesländern an, sowie weitere Wissenschaftsratsmitglieder und ausländische Experten. Verärgert zeigte sich der Wissenschaftsratsvorsitzende Marquardt über den "Vertrauensbruch", weil das Papier vor der ersten Lesung an die Öffentlichkeit gelangt war. Dadurch werde die Diskussion im Wissenschaftsrat erschwert, so Marquardt. In den vergangen Wochen hatten unter anderem der Berliner "Tagesspiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Papier zitiert.

cht/jon/fln/dpa

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1. Die Antwort lautet...
VPolitologeV 29.04.2013
Zitat von sysopREUTERSEnde einer turbulenten Frühjahrssitzung: Der Wissenschaftsrat empfiehlt Bund und Länder das Nationale Bildungspanel stärker zu fördern - darüber sind sich alle einig. Das Gremium diskutierte allerdings auch heftig über die Zukunft der Hochschulen. Fest steht bislang: Es soll mehr Wettbewerb geben. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/wissenschaftsrat-fordert-internationale-spitzenuniversitaeten-a-896186.html
...wie immer: Wettbewerb - hat da zufälligerweise eine bestimmte Stiftung mitgemischt? Nichts gegen Wettbewerb, vieles wird beflügelt und effizient gestaltet, aber es gibt auch einen Endpunkt, an dem der Wettbewerb vom erwünschten Ziel zu einen "Zahlenziel" oder "Papierziel" kommt. Wie will man wissenschaftliche Arbeit, Grundlagenforschung, Prüfung von "Wissen", Projekte über teils mehrere Jahrzehnte denn quantifizieren? Ich würde vorschlagen, den Ansatz nicht derart monothemaitshc aufzusetzen.
2. ...
Newspeak 29.04.2013
Fest steht bislang: Es soll mehr Wettbewerb geben. Ja, immer noch mehr Wettbewerb, auch dort, wo es keinen Sinn macht. Bis vor lauter Wettbewerb die Grundausbildung unserer Wissenschaftler vor die Hunde geht, bis der Wettbewerb vor allem die Ja-Sager, Opportunisten, Blender und Aufgeblasenen nach oben befördert hat, immer noch mehr Wettbewerb, bis jedem klar ist, daß es an Unis schon längst nicht mehr um Forschung geht, geschweige denn um Bildung. Und das Beste, die Professoren in ihren Gremien beschliessen all das gegen ihre eigenen Interessen und jammern ihrem Nachwuchs dann den Rest des Jahres die Ohren voll, daß sie ja nur noch Gutachten und Anträge schreiben. Aber natürlich ist das dann keine Folge von sinnlosem Wettbewerb, so weit denkt man nicht.
3. Bedeutung von Bildung
Brillenschlumpf 29.04.2013
Warum in Deutschland die soziale Herkunft so bedeutend ist? Weil in DE die Bildungsprägung stark aus dem Elternhaus übernommen wird, und das ist wesentlich anders als in anderen Ländern. Hier bekommen Jugendliche noch sehr oft die Nicht-Bedeutung von Bildung und dem Nicht-Streben nach höheren Schulabschlüssen von den Eltern eingeimpft. Da sind dann Aussagen wie "Wer studiert, der tut das um uns später das Geld wegzunehmen" (Leserkommentar in SpOn), oder "Wieso Abitur? Hier im Dorf gibt es genug Arbeit für dich." (gehört in einem norddeutschen Dorf) nicht selten.
4. Hochschulen
Blaue Fee 29.04.2013
Was meint der Herr damit? Die altehrwürdigen Universitäten mit einem grossen Bildungsumfang oder doch vielleicht nur die kleinen FHs, die sich auf wenige Studiengänge spezialisieren. Klingt irgendwie nach Fachkräftemangel - die Akademiker fühlen sich angesprochen, aber tatsächlich spricht man nur von besseren angelernten Fliessbandarbeitern, die man zum Minitarif haben möchte.
5. Toll
trobello 29.04.2013
Das ist so typisch für die aktuelle Politik, wenn man nicht mehr weiter weiß, dann muss es "mehr Wettbewerb" richten. Dabei ist genau dieses Vorgehen oft kontraproduktiv. In Berlin wird z.B. ein Teil der Gelder zwischen Unis und Fachbereichen nach dem Kriterium verteilt, wie groß die Anzahl der Studenten ist, die ihr Studium in Regelstudienzeit abschließen. Hört sich erstmal ganz vernümpftig an, jedoch führt das in der Praxis dazu, dass die Fachbereiche bestrebt sind die Prüfungen nicht zu schwer zu gestalten, damit möglichst wenige Studenten diese wiederholen müssen. De facto führt das dann zu Qualitätsabstrichen in der Lehre, vor allem in den Fächern mit hohen Durchfallquoten (MINT & co.) Bestärkt wird dieser Trend durch Einsparungen beim Personal. Wenn eine Veranstaltung nur noch alle 2 Jahre, statt jedes Jahr, angeboten wird, dann kommt es einer Katastrophe gleich, wenn ein Student durchfällt. Aus solch trivialen Gründen wird häufig ein Jahr drangehängt. Zur Erinnerung, ein Masterstudium soll sich z.B. nur über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken. Und dann wurden in den letzten Jahren auch noch viele Tutorenstellen gestrichen, so dass mitunter Übungszettel nicht mehr kontrolliert werden. Ein weiterer Punkt ist auch noch, dass Professoren heutzutage enorm viel Zeit darin investieren müssen, Drittmittel einzuwerben. Häufig lassen sich so nur notwendige Arbeitsmittel wie PCs o.ä. finanzieren. Außerdem werden auch bei der Verteilung öffentlicher Gelder die Fachbereiche / Arbeitsgruppen belohnt, welche viele Drittmittel einwerben. So wird dann häufig einfach die Lehre vernachlässigt. Ich habe auf jeden Fall keine positiven Erwartungen für der Zukunft. Wenn von "mehr Wettbewerb" die Rede ist, dann sind damit meiner Erfahrung nach vor allem Einsparungen gemeint, die nur geschickt kaschiert werden. Eigentlich traurig, weil Deutschland als ressourcenarmes Land vor allem auf Bildung und Forschung angewiesen ist.
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