Wissenschaftssprache: So klappt's mit der Hausarbeit
2. Teil: Die fünf größten Fehler
Ballast streichen
Nur wer es schafft, eine Schneise durchs Dickicht der Sekundärliteratur zu schlagen, kann auch Position beziehen. Groebner rät, auf Lieblinge zu verzichten und Gedanken mit eigenen Worten zu formulieren. Er schreibt: "Wenn alles wichtig und unverzichtbar ist, jedes Detail, dann kippt beim Lesen der ganze Text plötzlich nach hinten, wie ein U-Boot, in dem jemand eine Luke geöffnet hat, und versinkt unter seinem eigenen Gewicht, bis er am lichtlosen Grund des Meeres im Faktenschlamm aufsetzt."
Sprechende Automaten verbannen
Bürokratisierung, Internationalisierung, Methodenbewusstsein: Derart abstrakte Substantive, gefolgt von Passivkonstruktionen, panzern die Ideen eines Autors, es gibt kein Durchdringen zum Kern. Bei Begriffen, die so mechanisch wie gut geölte Roboter funktionieren, muss man vorsichtig sein: "Beobachten Sie, an welchen Stellen in Ihrem Text diese sprechenden Automaten erscheinen und wo sie sich auffällig zu vermehren beginnen", rät Groebner. Das seien in der Regel exakt jene Passagen, in denen die Argumentation "vager, schaumiger und wolkiger" werde.
Begriffsdrachen hinterfragen
Jeder, der schon einmal eine Seminararbeit schreiben musste, kennt sie: "Diskurs", "Komplexion", "Geist" und "Zeitgeist", "Wissensgesellschaft". Es sind je nach Disziplin gesetzte Großbegriffe, hinter denen ganze Theoriekomplexe stehen. Wer sie verwendet, signalisiert jedoch nicht nur: Ich kenne das, ich verstehe das, ich beziehe mich darauf. Doch man sollte sich nicht hinter derlei "Supersubstantiven" verstecken, findet Valentin Groebner, sondern sollte sie mit eigenen Worten erklären: "Als Autorin & Autor dürfen Sie auf den Zauber des Begriffs, den Sie verwenden, selbst nicht vertrauen - und vor allem dann nicht, wenn Sie ihm viel verdanken und das Ihren Leserinnen auch mitteilen wollen."
Schreiber-Arroganz ablegen
Wer glaubt, es kommt in wissenschaftlichen Texten nur auf die Inhalte an, nicht aber auf die Sprache, mit der sie vermittelt werden, der irrt. Schließlich muss man es auch schaffen, die Leser von seinen Thesen zu überzeugen, findet Valentin Groebner: "Wenn Wissenschaftler sagen, dass ihnen schreiberische Eleganz verdächtig und dass sie nur 'Oberfläche' oder 'literarischer Effekt' sei, dann sagen diese abwertenden Ausdrücke vor allem etwas über diejenigen aus, die sie gebrauchen."
Aus dem Versteck hervortreten
Wenn der Wissenschaftler sich aus seinem eigenen Text komplett zurückzieht, ist der Text wie tot, findet Valentin Groebner. Das "Ich" des Autors als Urheber des Textes zu verleugnen, sei absurd: "Manchen Autoren ist sogar das hauchzarte Pronomen 'es' zu anstößig", schreibt Groebner. "Es ist ihnen offenbar zu pronomig, zu sehr Subjekt, und deshalb lassen sie es in der Ellipse eines vorangestellten Halbsatzes gänzlich verschwinden. 'Anzumerken ist allerdings.' 'Hier muss in erster Linie.'"
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Wissenschaftssprache
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