Studenten auf Wohnungssuche: Traumbude gesucht, aber bitte nicht so teuer

Wohnungssuche in Berlin: Szeneviertel kosten meist extra Zur Großansicht
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Wohnungssuche in Berlin: Szeneviertel kosten meist extra

Günstig am Glockenbach, schick in der Schanze, nobel in Neukölln? Zehntausende Erstsemester suchen diesen Sommer wieder dasselbe - ein Zimmer im Szeneviertel ihrer Hochschulstadt. Nebeneffekt: Studenten werden damit zu Preistreibern.

Wer zum kommenden Semesterstart eine günstige Wohnung im Zentrum von Hamburg oder einer anderen beliebten Universitätsstadt sucht, hat es nicht leicht.

Besonders in den Szenevierteln, in die es viele Studenten zieht, sind die Mieten in den vergangenen Jahren zum Teil stark gestiegen. Das liegt nicht nur an renditeversessenen Hauseigentümern, sondern vermutlich auch an unerfahrenen Studenten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hamburger Beratungsgesellschaft "Analyse & Konzepte". Weil viele Medien über teure Mieten und knappen Wohnraum berichteten, ließen sich gerade Erstsemesterstudenten oft auf überteuerte Angebote ein und leisteten so ungewollt einen Beitrag dazu, dass die Mieten steigen.

"Studierende verschärfen mitunter unbeabsichtigt ihre eigene Situation", resümiert Tobias Jacobs von "Analyse & Konzepte". Hinzu komme nämlich, dass sich auch die Gründung von Wohngemeinschaften negativ auf das Mietpreisniveau auswirke. Hauseigentümer wüssten, dass zum Beispiel drei Studenten oft eine höhere Kaufkraft als eine Kleinfamilie hätten. Deswegen reagierten einige Vermieter mit einer Art "WG-Zuschlag", teilt das Beratungsunternehmen mit.

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In den zentralen Lagen von Göttingen zahlten Studenten zum Beispiel elf Euro pro Quadratmeter - doppelt so viel wie Mieter in benachbarten Vierteln. Die studentische Kundschaft trage damit sogar zur "Verdrängung anderer Bewohnergruppen" bei. Auch bei Investoren hat sich längst herumgesprochen, dass angehende Hochschüler - oft dank ihrer Eltern - zum Teil durchaus zahlungskräftig sind und hohe Mieten akzeptieren.

Von einer stattlichen Rendite angelockt, kaufen deutsche und ausländische Anleger derzeit viele kleine Apartments oder sogar ganze Wohnkomplexe in Uni-Nähe. Andere beteiligen sich an entsprechenden Immobilienfonds. Gut für die Geldmacher: Studenten bleiben meist nicht länger als drei oder vier Jahre - und bei einem Mieterwechsel kann der Eigentümer die Mieten derzeit noch praktisch ohne Einschränkungen erhöhen.

Mietspiegel der Studentenbuden
Rangfolge der Hochschulstädte nach monatlichen Ausgaben
In Berlin wohnt es sich noch immer vergleichsweise günstig, insgesamt sind die Mieten im Osten erschwinglicher als im Westen. Über 350 Euro kostet wohnen in München und Hamburg. Die 54 teuersten Unistädte im Überblick.
Die 27 teuersten Universitätsstädte...
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
1 Köln 359
2 München 358
3 Hamburg (ohne Uni Hamburg) 351
4 Düsseldorf 338
5 Frankfurt-a.M. 337
6 Mainz 327
7 Konstanz 327
8 Darmstadt 322
9 Berlin 321
10 Wuppertal 318
11 Heidelberg 314
12 Ulm 313
13 Duisburg 311
14 Bonn 309
15 Bremen 308
16 Freiburg 307
17 Stuttgart 306
18 Münster 305
19 Tübingen 304
20 Aachen 304
21 Mannheim 302
22 Braunschweig 302
23 Potsdam 301
24 Karlsruhe 300
25 Hannover 299
26 Regensburg 295
27 Marburg 294
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung

...und die Plätze 28 bis 54
Rangfolge der Hochschulstädte nach der Höhe der monatlichen Ausgaben für Miete und Nebenkosten
Rang Standort Ausgaben für Miete*
28 Oldenburg 292
29 Bochum 290
30 Kiel 290
31 Siegen 289
32 Augsburg 289
33 Trier 289
34 Saarbrücken 288
35 Passau 288
36 Bamberg 286
37 Rostock 282
38 Greifswald 281
39 Osnabrück 280
40 Gießen 279
41 Göttingen 277
42 Würzburg 277
43 Kassel 277
44 Bayreuth 275
45 Bielefeld 274
46 Kaiserslautern 268
47 Hildesheim 262
48 Jena 260
49 Magdeburg 253
50 Leipzig 251
51 Halle 249
52 Erfurt 248
53 Dresden 247
54 Chemnitz 211
Gilt für Standorte, für die Angaben von mindestens 50 Studierenden vorliegen; *einschließlich Nebenkosten (Bezugsgruppe "Normalstudent", arithm. Mittelwert in Euro)

Quelle: DSW/HIS 20. Sozialerhebung

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insgesamt 55 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ach sooo...
kaktebenestydno 19.08.2013
Zitat von sysop... Nebeneffekt: Studenten werden damit zu Preistreibern.
... und ich dachte, die Vermieter hätten was mit den Preisen zu tun. Zu blöd aber auch.
2. Ganz toll.
skal666 19.08.2013
Wenn man aus einer anderen Stadt heraus wochenlang Sa. und Sonntags anfährt, um sich dann zwei Tage lang von Morgens bis Abends Zimmer anzugucken, auf denen man dann doch keine Chance hat bei weiteren 150 Mitbewerbern, dann lässt man sich auch auf Kompromisse ein. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
3.
tarvos 19.08.2013
Zitat von kaktebenestydno... und ich dachte, die Vermieter hätten was mit den Preisen zu tun. Zu blöd aber auch.
Was knapp ist, wird teurer. Es können eben nicht alle Deutschen in bester Innenstadtlage (am besten noch in "Szenevierteln") wohnen für 5€/m². Das heißt aber noch lange nicht, dass wir in Deutschland Wohnungsnot haben. In anderen (weniger trendigen) Vierteln und in vielen Vororten stehen Wohnungen leer, es gibt also durchaus Alternativen für Menschen mit kleinem Einkommen. Man darf sich halt von Politik und Medien keine falsche Vorstellungen machen lassen, wonach jeder ALGII-Empfänger das "Menschenrecht" auf eine Wohnung in exklusiver Citylage hat. Dem Vermieter kann man Mieterhöhungen bei explodierender Nachfrage nicht ernsthaft verübeln. Wenn der die Mieten aus reiner Nächstenliebe niedrig lässt, verschenkt dieser nicht nur Geld, sondern hat statt 20 am Ende bis zu 200 Bewerber in der Bude stehen. Wenn man jetzt anfängt, die Mietpreise zu deckeln, werden noch weniger Wohnungen gebaut und der knappe Wohnraum wird trotzdem noch an den Bewerber mit der besten Bonität fließen.
4. Es gibt keine Wonhnungnot!
suplesse 19.08.2013
Es gibt aber Leute die bestimmte Ansprüche haben. Daraus resultiert eine partielle Wohnungsknappheit. Von Not kann man nur sprechen, wenn es keine Wohnungen gibt. Die gibt es aber, auch in Großstädten. Auf dem Lande bekommt man Wohnungen für 4 € den qm und hat dazu ohne Ende Auswahl. Es gibt sogar Leerstände. Allerdings nicht in Szene- und Invierteln der Großstädte. Auch die übrigen Ansprüche der Wohnungsuchenden sind teilweise maßlos. Aus Echtparkett, Designer Küchen, Dreifachglasfenstern, stilgerecht saniertem Altbau mit Stuck resultieren dann auch oft die hohen Mieten. Oder eben aus der Knappheit in den den Innvierteln. Wer nur vom Hipp-Stadtteil in einen unspektakulären Stadtteil wechselt, der hat Auswahl und günstigere Mieten.
5.
Crom 19.08.2013
Zitat von sysopWohnungsmarkt: Studenten als Preistreiber - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/wohnungsmarkt-studenten-als-preistreiber-a-910354.html)
"Weil viele Medien über teure Mieten und knappen Wohnraum berichteten, ließen sich gerade Erstsemesterstudenten oft auf überteuerte Angebote ein und leisteten so ungewollt einen Beitrag dazu, dass die Mieten steigen." Also ist Spiegel Online schuld, denn alle paar Wochen wird das Thema bekanntlich hier durchgekaut.
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