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Yale-Professoren verklagen Rumsfeld: Soldaten sollen draußen bleiben

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Die US-Militärs weigern sich hartnäckig, die Anti-Diskriminierungs-Regeln der Hochschulen zu unterschreiben, fordern aber trotzdem freie Hand bei der Rekrutierung an den Unis. Hochschulen, die sich dagegen wehren, erpresst US-Verteidigungsminister Rumsfeld mit Mittelkürzungen. Juraprofessoren der Eliteuniversität Yale lassen sich das nicht länger gefallen.

Donald Rumsfeld: Wer die Kapelle zahlt, bestimmt die Musik
DPA

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An US-Universitäten bilden Karrierezentren die zentrale Anlaufstelle für Studenten und Absolventen, die Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern suchen - und umgekehrt. Die Zentren verteilen zum Beispiel Firmenbroschüren und vermitteln Bewerbungsgespräche. Um dort ein- und ausgehen zu können, müssen Arbeitgeber allerdings in der Regel Anti-Diskriminierungs-Regeln der Hochschulen unterzeichnen. Die Papiere sollen dafür sorgen, dass alle Studenten die gleichen Chancen haben, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, Religion, Behinderungen - oder von ihren sexuellen Präferenzen.

Das US-Militär hat im Zuge der letzten Kriege im Irak und in Afghanistan verstärkt Zugang zu den Karrierezentren gesucht, um auch auf dem Campus mobil zu machen. Die Regelungen zur Anti-Diskriminierung allerdings sollten für das Verteidigungsministerium nicht gelten. Im Gegenteil: Die US-Regierung setzte die Hochschulen erheblich unter Druck, damit Militärvertreter auf dem Campus agieren können, wie, wo und wann immer sie wollen.

Mobilmachung auf dem Campus

Etliche Hochschulleitungen haten das zunächst mit unüberhörbarem Zähneknirschen akzeptiert. Nun rebelliert ausgerechnet die renommierte Jurafakultät von Yale, eine der lorbeerbekränzten amerikanischen Vorzeigeuniversitäten: 44 Mitglieder der Fakultät - die Mehrheit des Lehrpersonals - haben Klage gegen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld eingereicht. Sie verlangen, dass dem Militär kein Zutritt zu den Karrierezentren gewährt wird, solange der Verzicht auf Diskriminierung nicht verbrieft ist. Denn das erwartet die Hochschule seit 1978 von allen Arbeitgebern.

Recruiting- Klassiker: Komm in meine Army
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In der 20-seitigen Klageschrift, die sie am Freitag bei einem Bezirksgericht in New Haven einreichten, sprechen die 44 Fakultätsmitglieder nur für sich selbst, nicht für die gesamte Universität Yale. Ihre Argumentation ist gewitzt und streckenweise bissig: Sie berufen sich vor allem auf den Ersten Verfassungszusatz, der seit 1791 eine zentrale Rolle für die amerikanische Rechtsordnung spielt und die freie Meinungsäußerung, die Versammlungs- und Pressefreiheit garantiert.

Zum Diskriminierungsverbot gab es in der amerikanischen Geschichte bereits unzählige Gerichtsurteile. Und die akademische Gemeinschaft reagiert auf die Benachteiligung von Minderheiten stets höchst sensibel, wie etwa das jahrzehntelange Tauziehen um die bevorzugte Zulassung von Schwarzen und Latinos ("affirmative action") zeigt. Obendrein gelten die US-Universitäten als vergleichsweise liberales Pflaster und entzogen sich vielfach dem Kriegsgetrommel seit dem 11. September 2001.

Glatte Erpressung: Kein Soldaten, kein Geld

Beim Zwist um die Rekrutierung auf dem Campus meinen die Rebellen von Yale, die Universität sei dem Militär bereits weit entgegen gekommen: Trotz der fehlenden Unterschrift habe sie Namen, Adressen, Telefonnummern von Absolventen zur Verfügung gestellt. Zudem hatten Militärvertreter stets freien Zugang zu Veranstaltungsräumen.

Yale-Campus: Heimstatt widerspenstiger Juristen
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Trotzdem verlange das Militär, "dass wir aktiv bei den Rekrutierungsbemühungen helfen - und versucht damit, uns in den Krieg gegen Schwule und Lesben einzuberufen", zürnte der Rechtswissenschaftler Robert Burt, "wir sind davon überzeugt, dass wir uns dagegen wehren müssen." Die Yale Law School könne selbst entscheiden, mit welchen Arbeitgebern sie zusammenarbeite; "das ist nach der Verfassung eindeutig unser Recht", so Burt. Und er betont: "Es geht nicht um das Militär generell. Es geht um unser Bekenntnis zum Prinzip der Nichtdiskriminierung und unser Recht, so zu agieren, dass wir für unsere Ideale eintreten."

Bisher saß die US-Regierung am längeren Hebel und drohte Hochschulen per Bundesgesetz (dem "Solomon Amendment") mit Mittelkürzungen. Das Gesetz gibt es bereits seit 1995, aber erst seit dem vergangenen Jahr tritt das Verteidigungsministerium massiv auf. So sollten der Universität Yale Forschungsmittel in Höhe von 300 Millionen Dollar entgehen, falls sie Militärs den Zutritt zum Karrierezentrum verweigert - ein gewaltiger Batzen des gesamten Uni-Budgets.

Die Forschung als Geisel

Yale beugte sich dem Druck und setzte die Vorschrift zur Nichtdiskriminierung im vergangenen Jahr aus. Auch andere Universitäten, darunter die Top-Universitäten Harvard und Stanford, knickten ganz ein oder ließen Ausnahmen zu, damit die staatliche Finanzquelle weiter sprudelt.

George W. Bush (im Yale-Jahrbuch): Immer diese liberalen Akademiker
AP

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Die Universität Yale selbst, an der einst auch Präsident George W. Bush studierte, bangte um ihre Forschungsmöglichkeiten in der Medizin und den Naturwissenschaften. Die Rebellen von Yale indes wollen staatliche Einschüchterung und finanzielle Erpressung nicht länger hinnehmen. Aus ihrer Sicht müssen alle Arbeitgeber, die sich Jungakademikern im Karrierezentrum präsentieren wollen, den Richtlinien zur Nichtdiskriminierung zustimmen. Für sie ist klar: Wer nicht unterschreibt, hat dort nichts zu suchen.

Für Homosexuelle gilt beim US-Militär die Devise "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß": Wer seine Neigung verschweigt, bekommt keinen Ärger; wer offen damit umgeht, hat ein großes Problem. Daher wundern die Fakultätsmitglieder sich nicht über die fehlende Unterzeichung des Diskriminierungsverbots - schließlich werfen sie dem Militär ja gerade die Diskriminierung von Homosexuellen vor.

Juristen wollen sich nicht auf Militärlinie trimmen lassen

Und sie sind nicht die ersten, die offen Front machen gegen die Regierung: Bereits im September hat eine Reihe von Law Schools, Professoren und Studenten Verteidigungsminister Rumsfeld und andere Minister verklagt. Zu den Klägern zählen beispielsweise Juristen der Universitäten Harvard, Boston, Columbia, New York und Pennsylvania.

Mit dem "Solomon Amendment" habe die Regierung das Signal senden wollen, dass "akademische Institutionen zu liberal sind", protestierte Kent Greenfield, Jurist in Boston. Das stehe in klarem Gegensatz zum Ersten Verfassungszusatz. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern hat Greenfield kürzlich das "Forum für akademische und institutionelle Rechte" (FAIR) gegründet.

Für die Universitäten selbst ist die Lage prekär. Einerseits setzen sie sich dem Vorwurf aus, sich von der Regierung kaufen zu lassen und ihre Prinzipien zu verraten. Andererseits bleibt ihnen angesichts der Drohgebärden und der gigantischen Summen, die auf dem Spiel stehen, kaum eine andere Wahl, als klein beizugeben. Aber dafür haben die Juristen, in Yale und anderswo, die Sache jetzt selbst in die Hand genommen - auch eine Form von akademischer Arbeitsteilung.

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