Zitat des Tages: Der Bachelor, eine tote Katze

Was fliegt denn da übern Zaun? An der verkorksten Uni-Umstellung auf Bachelor und Master will niemand schuld sein. Der Telekom-Manager Thomas Sattelberger nimmt die Hochschulen ins Gebet und ruft Studenten zu: "Ich hätte auch mitdemonstriert."

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REUTERS

Telekom-Manager Sattelberger

"Wir haben die Hälfte der Bologna-Reform verschlafen. Die ersten fünf Jahre bis 2004/2005 waren ja eigentlich nur heiße Luft. Im Grunde hat man ein auf zehn Jahre angelegtes Reformprogramm in den zweiten fünf Jahren umgesetzt. (...) Anfang des Jahrzehnts hat die Politik die Reform wie eine tote Katze über den Zaun geworfen. Die meisten Hochschulen haben sie dann erst einmal links liegengelassen, der alte Stiefel wurde routiniert weitergemacht. Und dann, als es drängte, wurde seitens der Hochschule praktisch die Reform im Schnelltempo ebenfalls über den Zaun geworfen. (...)

Die Studierenden gehen auf die Straße, weil sie sich zu Lernautomaten degradiert fühlen. Ich habe große Sympathie für sie und hätte auch mitdemonstriert."

Thomas Sattelberger, 60, in einem Interview des "DSW-Journal", der Zeitschrift des Deutschen Studentenwerkes. Der Personalvorstand der Deutschen Telekom-AG ist eigentlich ein flammender Befürworter der "Bologna-Reform" - aber er gibt der Umsetzung ausgesprochen schlechte Noten und wirft den Hochschulen vor, Studenten zu "reinen Aufnahme- und Abspulmaschinen" von Lehrstoff" zu machen. Damit werde das Ziel verfehlt, meint Sattelberger und erwartet auch von der Wirtschaft mehr Offenheit für den neuen Abschluss. Noch heute gebe es Top-Manager, die den deutschen Diplomingenieur selig sprechen, aber Großunternehmer hätten die Reform insgesamt verstanden, noch nicht angekommen sei sie bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Dass Sattelberger als Student jetzt mit auf der Straße wäre, mag anbiedernd klingen, ist aber so unwahrscheinlich nicht. Heute ist er Top-Manager, einst zählte er zu den Apo-Aktivisten und unterschrieb in den sechziger Jahren auch mal eine Petition mit "Es lebe die sozialistische Weltrevolution!", wie Sattelberger kürzlich der Zeitschrift "Zeit Campus" erzählte: "Ich habe mehr Zeit mit politischer Arbeit verbracht als im Hörsaal und dabei viel gelernt. Das wirkliche Lernen findet nicht im Klassenzimmer, sondern im realen Leben statt."

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