UniSPIEGEL: Ihr gehört zu den jungen Amerikanern zwischen 18 und 29 Jahren, die mehr als 20 Prozent der Wählerschaft ausmachen. Vor vier Jahren haben sich die meisten dieser Altersgruppe für Barack Obama entschieden. Jetzt würden ihn Umfragen zufolge nur noch gut 50 Prozent wählen. Was ist passiert?
Spencer: Die Zeiten sind hart, die Wirtschaft erholt sich nur langsam. Aber 2008 war historisch, einzigartig, einfach unglaublich! Millionen junger Menschen, die damals zwischen 14 und 18 waren und das alles miterlebt haben, dürfen jetzt wählen - sie müssen sich nur darüber klarwerden, dass Obamas Politik ihren Interessen entspricht.
Maggie: Ich glaube, dieses Mal werden viele junge Leute gar nicht wählen gehen. Die Studenten sind einfach nicht begeistert, auf beiden Seiten nicht.
UniSPIEGEL: Die Studiengebühren in den USA sind in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 75 Prozent gestiegen, viele können sich ein Studium nicht mehr leisten oder ihre Schulden nicht zurückzahlen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat und Multimillionär Mitt Romney hat gesagt, wer die Uni nicht bezahlen kann, solle doch seine Eltern fragen...
Spencer: Ein unsäglicher Kommentar. Ich komme aus einer Familie der gehobenen Mittelschicht und werde die Uni mit Tausenden Dollar Schulden verlassen. Eigentlich will ich noch einen Master machen, aber es wird nach oben hin immer schwieriger, Finanzierungshilfen zu finden. Und was ist der Grund für die steigenden Kosten, vor allem an den staatlichen Unis? Die Haushaltskürzungen der Republikaner.
Maggie: Der Staat kann nicht einfach weiter Geld rausschmeißen. Wir befinden uns in einer der schlimmsten ökonomischen Krisen, die dieses Land je durchgemacht hat. Auch an den Unis muss kürzergetreten werden - sie könnten ja beim Mensaessen oder den Professorengehältern Abstriche machen. Meine Uni kostet 45.000 Dollar im Jahr, was absurd ist! Ich bin Einzelkind, und meine Eltern haben über Jahre gespart, um mir meine Ausbildung komplett zu finanzieren.
Spencer: Steuervergünstigungen für Reiche und gleichzeitig hochverschuldete Studenten, so darf es nicht weitergehen. Das ist eine Grundsatzentscheidung: Wollen wir weiterhin das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein und in Menschen und deren Talente investieren?
Maggie: Was sich stets auszahlt, ist harte Arbeit, das ist doch das Tolle an Amerika! Ich habe als Schülerin an den Wochenenden zu Hause gesessen und gelernt. So kam ich an meine Wunsch-Uni und habe Stipendien angeboten bekommen. Es heißt immer, es käme darauf an, aus welchem Umfeld man stamme. Aber direkt neben uns in Virginia wuchsen drei andere Kinder in meinem Alter auf, und ich bin die Einzige, die studiert. Die anderen haben hingeschmissen, zwei arbeiten jetzt im Supermarkt, ein anderer beim Nationaldenkmal hier in Washington.
UniSPIEGEL: Was schließt du daraus?
Maggie: Es sollten nicht so viele Leute ermutigt werden, an die Uni zu gehen. Manche Schüler mögen die Highschool nicht, das ist auch okay. Sie lernen nicht gern, sie wollen nicht hart arbeiten, sie sollten dann aber auch nicht studieren. Anstatt sich zu verschulden, sollten sie lieber gleich einen Beruf lernen, für den sie als Uni-Absolventen überqualifiziert wären, wie Friseur oder so.
Spencer: Das finde ich zynisch. Ein Abschluss ist eine Investition. Je besser die Bildung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden. Deshalb muss Amerika Geld in Berufsschulen und öffentliche Hochschulen stecken, auch im Interesse der Wirtschaft.
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