Von Julia Susat
Bristol - Die Initiatoren des Stipendiums, Studenten der Roger Williams University im US-Bundesstaat Rhode Island, gehören den College Republicans an. Sie haben seit langem den Ruf, Konflikte an der Hochschule anzuzetteln.
Das Fördergeld will die Gruppe aus eigener Tasche zahlen. Zunächst hatte das Protest-Stipendium eine Höhe von 50 US-Dollar, aber durch Spenden beläuft sich die Förderung inzwischen auf mindestens 250 Dollar, die ein Student symbolisch als einmaliges "Startgeld" erhalten soll. Ein Studienjahr an der Roger Williams University kostet ohne Förderung 19.920 Dollar.
Um sich für das Stipendium zu bewerben, soll jeder Anwärter in einem kurzen Essay plausibel begründen, "warum er stolz auf seine weiße Abstammung ist" und was sie für ihn bedeutet. Außerdem muss zum Beweis der Hautfarbe ein aktuelles Foto eingereicht werden.
"Wir lassen nicht locker"
Auf der Homepage der College Republicans heißt es: "Wenn es so viele Stipendien für Menschen anderer Abstammung gibt, warum sollte es keines nur für Weiße geben? Diese Bewegung soll eine aktive politische Diskussion über Minderheitenförderung, affirmative action und andere Rassenfragen entfachen. Wir lassen nicht locker, auch wenn wir rassistisch genannt werden."
Im vergangenen Jahr hatte der Oberste Gerichtshof in Washington in einem Aufsehen erregenden Prozess entschieden, dass die Förderung von ethnischen Minderheiten an Universitäten prinzipiell zulässig sei. Solange Weiße nicht durch starre Minderheitenquoten oder mechanische Bonussysteme benachteiligt werden, dürfen Hochschulen ihre "affirmative action"-Programme fortsetzen, also überdurchschnittlich viele Schwarze, Latinos und Indianer aufnehmen, so das Urteil. Zuvor hatten zwei Studentinnen geklagt, dass Kandidaten anderer Abstammung trotz schlechterer Noten bessere Zulassungschancen hatten.
Die "affirmative action" an staatlichen Hochschulen ist in den USA seit den siebziger Jahren heiß diskutiert. Zuvor hatte sich das Oberste Gericht 1978 mit dem Programm an staatlichen Universitäten befasst. Die Richter der Universität von Kalifornien verboten damals zwar eine Quotenregelung für Minderheiten, beurteilten sie aber unter besonderen Umständen als zulässig, um eine gemischte Studentenschaft zu erreichen. Unter den Studenten sorgt das Programm seit Jahren für Zündstoff, so dass auf dem Campus auch schon mal die Fäuste flogen. Selbst die US-Regierung ist im Streit um die "affirmative action" gespalten; Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Außenminister Colin Powell vertraten eine andere Auffassung als Präsident George W. Bush.
Die republikanischen Studenten wollen provozieren
Mit dem Grundsatzurteil des Obersten Gerichts schien zunächst ein wenig Ruhe eingekehrt in der Debatte über die Minderheitenförderung. Jason Mattera, Vorsitzender der College Republicans, erklärte jetzt, die Gruppe wolle mit dem Stipendium für Weiße solche Förderungen parodieren, die nur ethnischen Minderheiten zustehen. Nur eine derartige Provokation mache deutlich, wie absurd es sei, jemandem aufgrund seiner Hautfarbe bessere Zulassungschancen zu geben. "Viele denken, dass jeder Weiße automatisch privilegiert und reich ist und Eltern hat, die die vollen Studiengebühren zahlen können. Das ist nicht der Fall", sagte der 20-jährige Student.
Mattera ist selbst puertoricanischer Herkunft. Deshalb erhielt auch er eine Förderung von 5000 US-Dollar, die nur für eine kleine Minderheit vorgesehen ist. Dennoch setzt er sich gegen die "affirmative action" ein. "Es spielt keine Rolle, welcher Abstammung ich bin. Ich möchte klar machen, dass Stipendien nach Leistung und Bedürftigkeit vergeben werden sollten", sagte er.
Auf dem Campus hat die Aktion zwiespältige Reaktionen ausgelöst. Obwohl viele Studenten gegen die privat ausgeschriebene Förderung protestieren, wollen sich die Mitarbeiter der Universität nicht einmischen. Der Dekan der Hochschule sagte, es sei ausschließlich die Initiative einer Studentengruppe, die von der Universität nicht unterstützt werde.
Die taktische Protestaktion könne von politischer Bedeutung sein, sagte Tim Phelps, ebenfalls Mitglied der College Republicans. Er könne verstehen, dass einige Leute entsetzt seien, dennoch habe die Aktion die "affirmative action" einmal von einer anderen Seite beleuchtet. "Dadurch sprechen die Leute wieder über das Thema. Ob man die Aktion befürwortet oder nicht, sie löst neue Diskussionen aus", sagte der Student.
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