Beim Uni-TV im fränkischen Erlangen gibt es dieses notwendige Hörsaal-Equipment. Mit drei Kameras zeichnen Uni-Mitarbeiter Vorlesungen auf, die dann auf BR-Alpha, dem Wissenschaftskanal des Bayerischen Rundfunks, und im Internet zu sehen sind.
Vorlesungen im Bildungsfernsehen
Das Format heißt "st", sine tempore, und läuft dienstags, Punkt 18 Uhr. Der Anspruch: Jeder soll die Inhalte verstehen. Ob das allerdings bei "Schnelligkeit und Mobilität im Mittelalter" oder "Aspekten des römischen Gallierbildes" der Fall ist, bezweifelt selbst Projektleiter Peter Holleczek: "Bei diesen Themen erschließt sich das nicht auf den ersten Blick." Populärwissenschaft kommt besser an: Vorlesungen zur Entstehung von Regenbögen oder zur operativen Entfernung von Schweißdrüsen sind die Zuschauer-Renner.
Auf hohe Einschaltquoten und eindrucksvolle Klickraten setzt das Uni-TV für das kommende Semester. Das sei nicht einfach, meint Holleczek. Die Erlanger Professoren orientierten sich an ihren Forschungen, nicht an den Quoten.
Andere befragen Hinz und Kunz
Holleczek ist zufrieden mit seinem Campus-Fernsehen, auch wenn sich die Beteiligung der Studenten in Grenzen hält. Nur einer arbeitet redaktionell mit, ein anderer verlegt Kabel. Ein Uni-TV-Modell wie das Ilmenauer hält der Projektleiter für "nicht innovativ". Da gingen Studenten "wie beim Uni-Radio raus und befragen Hinz und Kunz" - das sei nichts Neues. Seine Form der Produktion dagegen schon. Große Funkhäuser müssten "nicht überall einen Ü-Wagen hinschicken". Holleczek stellt sein Modell nun auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vor.
Über die Uni Erlangen berichtet auch das regionale Frankenfernsehen einmal im Monat. "Die Inhalte sind ähnlich wie bei einer Uni-Zeitung", sagt Ute Missel, die Pressesprecherin der Friedrich-Alexander-Universität. Im Frankenfernsehen geht's um "römische Katakomben als Forschungsbereich" oder um das Schlossgartenfest. "Die laufen rum und filmen", beschreibt Holleczek den Mitanbieter.
Harter Kern filmt beim Hessischen Rundfunk
Julia Beck, 26, arbeitete bis 1999 für das Frankfurter Uni-Fernsehen Utv. Die Soziologie-Studentin war mitverantwortlich für das Magazin "univativ", das der Offene Kanal Offenbach-Frankfurt regelmäßig ausstrahlte. Becks erster Schritt zur Fernsehkarriere: Heute arbeitet sie als Ablaufredakteurin in der "Logo"-Redaktion des ZDF. Zehn anderen Frankfurter Campus-Filmern ging es ähnlich. "Unser gesamter harter Kern ist bei den Medien gelandet, die meisten beim Hessischen Rundfunk."
Beck selbst hat nach ihrem Studium in jeder Bewerbung auf ihr Hobby Campus-TV hingewiesen. "Das kam bei den Personalchefs ziemlich gut an." Doch mittlerweile findet sie ihre ersten Werke "ein bisschen peinlich". Das Campus-TV sieht sie heute als gutes Übungsfeld, als "extremes Learning by doing". Die 26-Jährige tarierte aus, welche Formate ihr liegen, und wurde firm in der Technik. "Diese Menge an Erfahrung ist nun ein Riesenvorteil.", urteilt Beck. Ähnlich wie ihre Mitfilmer studierte sie deshalb "bestimmt zwei Semester" länger. Die Fernsehtruppe löste sich auf, als immer mehr ihrer Mitglieder professionell arbeiteten. "Jeder wollte ja auch mal Geld verdienen."
Jugend trainiert für Olympia
Ans große Geld denkt auch Peter Eckardt von der TU Ilmenau. Er will später "schon Karriere machen". Doch der Job von Julia Beck in der "Logo"-Redaktion wäre nichts für ihn. Eckardt denkt in ganz anderen Dimensionen. Heute noch Campus-Filmer, will er zum Chefplaner einer TV-Station avancieren. Doch Bundesliga-Spiele und Rockkonzerte reizen ihn nicht. Er will eine Übertragung der Olympischen Spiele verantworten. Das Motto "Jugend trainiert für Olympia" nimmt Eckardt offenbar wörtlich.
Lesen Sie im ersten Teil, wie Ilmenauer Campus-Filmer ein Programm machen, das "fast schon anarchistisch" ist.
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