Von Sabine Hoffmann
Die Vorgaben sind eindeutig: Morden ist strikt verboten, Tote darf es überhaupt nicht geben. Also müssen Möbel fliegen und Gespenster durch verlassene Villen sausen. Dann tauchen drei jungenhafte Detektive auf. "Wir übernehmen jeden Fall", steht auf ihren schlichten, weißen Visitenkarten. Unterschrift: Die drei ??? - Justus, Peter und Bob. Was dann folgt, bezeichnet André Marx als Mischung aus Krimi und Mystery.
Seit zwanzig Jahren ist er Fan der drei Detektive, seit sechs Jahren schreibt er ihre Geschichten selbst. Eigentlich, sagt Marx, sei alles nur eine Schnapsidee gewesen. Er war Anfang zwanzig und wusste nicht, was er einmal werden wollte. Studierte dann Germanistik und Sprachwissenschaften an der Universität Osnabrück und fragte sich: "Was soll ich mit dem Magister anfangen?"
Mit seinen Freunden kramte er auf Dachböden nach alten "Drei ???"-Büchern und ließ die Helden aus Kindheitstagen auf Revival-Parties wieder aufleben. Und weil er "ziemlich viel Zeit" hatte, schrieb er sein erstes "Drei ???"- Buch und schickte es dem Verlag.
Kein Bock auf Karteileichen
Das war 1995. Sein erstes Stück "Das versunkene Schiff", sagt Marx heute, sei nur durchschnittlich gewesen: zu viel ???-Spezialwissen, zu wenig Erzählung. Also zog er sein Manuskript wieder zurück. Der Verlag versprach, seinen Namen zu notieren. "Als Karteileiche enden? Nee, danke", dachte er sich, setzte sich an seinen PC und begann zu tippen. Zwei Jahre später lag "Der Poltergeist" in den Buchläden, 17 weitere Bände schrieb Marx seitdem.
Jubiläumsband: Toteninsel
Der Jubiläumsband - die Trilogie "Toteninsel" - stammt wieder aus der Feder von André Marx. Mit dem Theaterstück tourt das Wuppertaler Vollplaybacktheater in den kommenden Wochen durch Deutschland; zum Sound vom Band stellen die Schauspieler die Handlung pantomimisch nach.
In der Trilogie müssen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews gleich die ganze Welt retten. Der neueste Krimi, so der Autor, sei ernst mit politischem Hintergrund. "Es geht um mehr als Bankraub - zum Jubiläum lasse ich es richtig krachen." Auch CIA und Regierungen sind in den Fall verwickelt.
Justus und der Knobelclub: Wie alles begann
Die Karriere des Detektivtrios begann eher zufällig: Justus Jonas, so die Vorgeschichte, gewinnt einen Rolls-Royce samt Chauffeur für 30 Tage. Und ist nun fest entschlossen, aus dem Knobelclub, den er mit seinen zwei Freunden Peter Shaw und Bob Andrews gegründet hatte, ein richtiges Detektivbüro zu machen.
Folglich ernennt er sich zum ersten Detektiv und Führer der Gruppe. Die drei Detektive wohnen im kalifornischen Rocky Beach. Peter ist zweiter Detektiv - als "wunderbar menschlich" beschreibt Marx seine Lieblingsfigur. Bob ist für Recherchen und Archiv verantwortlich.
Weil Justus Eltern früh starben, lebt er bei Tante Mathilde und Onkel Titus. Zur "Zentrale" der drei Detektive wird ein alter Wohnwagen, verborgen unter einem Berg Trödel auf dem Schrottplatz von Onkel Titus. Im Bauch des Wohnwagens stapeln sich allerlei Utensilien: eine Abhöranlage, ein Labor mit Dunkelkammer und ein Periskop. Justus bastelte es aus alten Ersatzteilen, um aus dem Dunkel der Zentrale nach draußen blicken können.
Neue Geschichten, sagt Marx, notiere er in einigen Sätzen. Manche Bücher schreibe er in wenigen Wochen - "ganz, ganz schnell". Die Geschichten der "Drei ???" sprechen nicht mehr nur Kinder an. So ergab eine Marktstudie der Bertelsmann-Tochter "Europa", dass 65 Prozent der Hörspiel-Käufer über 20 Jahre alt. Sie sind es auch, die der Firma die höchsten Verkaufszahlen in der 22-jährigen Geschichte der "Drei ???" bescheren. Allein im vergangenen Jahr wurden zwei Millionen Kopien verkauft; schon in der ersten Woche wurden die neuen Hörspielfolgen über 100.000 Mal verkauft. In den drei Fragezeichen stecke eben viel Nostalgie, erklärt Marx.
Heute haben sie ein Handy und Sex
Aber nicht nur die Fans der Detektive wurden älter, auch die Jungs entwickelten sich weiter. Sagte Justus 1964 noch, dass ihnen einzig ein "Funktelefon" fehle, so sind die drei heute mit Internet und Handy ausgerüstet. Alle haben Freundinnen und einen Führerschein. Unterschiede zur US-Serie gebe es aber kaum, weiß der Krimiautor. "In US-Büchern essen die drei Jungdetektive mehr Hamburger, in deutschen dafür Äpfel."
Heute lebt André Marx als freier Autor in Berlin. Das Studium hat er längst an den Nagel gehängt. Heilfroh sei er gewesen, als der Verlag ihn mit neuen Detektivgeschichten beauftragte, habe "keine Sekunde gezögert". Oft surft er jetzt durchs Netz und beantwortet auf den vielen Internetseiten Fragen seiner Fans. Manchmal, so Marx, sei die Kritik der Fans gnadenlos. So mailte ihm einer, er hätte doch besser zur Konkurrenz gehen sollen und für den Erzrivalen, die "TKKG"-Serie, schreiben sollen. "Aber TKKG", so André Marx, "sind mir einfach zu doof."
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