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Guten Abend allerseits Ein Hurra auf das Pay-TV

2. Teil: Rendezvous mit Olli Kahn, die Rückkehr zum Fastfood und die schönsten Fotos der beiden Radler von ihrem Parforce-Ritt durch Europa und Asien

Denn das Stadion ist halb leer; die deutschen Spieler kicken, als liefe ihr Biorhythmus noch nach mitteleuropäischer Zeit laufen. Oliver Kahn sagt später: "Das Stadion war nicht voll, das Wetter komisch. Irgendwie herrschte so eine seichte Atmosphäre. Man hat nicht daran gedacht, bei der WM zu sein. Als ich hinter meinem Tor noch ein Geburtstagsständchen hörte, habe ich mich wirklich gefragt, wo ich hier bin."

Olli Kahn: Lach doch mal!
REUTERS

Olli Kahn: Lach doch mal!

Dem haben wir nur hinzuzufügen: "Als nach dem Geburtstagsständchen ein leichtes Lächeln über das Gesicht von Kahn huschte, wussten wir, dass heute was nicht stimmt."

Zudem wird unser Freude über das Treffen mit dem deutschen Kulturkreis im Stadion von Jeju gedämpft, weil die deutschen Fans nicht nur quantitativ beschränkt sind. Es wird gesoffen und gepöbelt, was das Zeug hält. Nur unser Kameramann freut sich über klischeegerechte Aufnahmen von den Deutschen. Am Ende singt der Chor "Deutschland ist das schönste Land der Welt". Und, weniger rhythmisch, aber in der Aussage direkter: "Außer Deutschland ist alles Scheiße!" Kevin und ich sehen zu, dass wir das Stadion verlassen.

Die Situation für den WM-Touristen hat sich außerhalb Seouls leider nicht verbessert. Wir schauen das Achtelfinale Belgien gegen Brasilien vor der Großbildleinwand auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Jejus mit fünf anderen Koreanern und einem Schotten. Nach zwölf Minuten schalten Ordner den Bildschirm ab - bei so wenigen Zuschauern lohne sich die Übertragung nicht. Die Koreaner bleiben sitzen, sie sind eh nur zum Picknick hierher gekommen. Nur der Schotte flucht.

Pasta macht Italien sympathisch

Wir finden einen Fernseher in einer teuren Kneipe, schimpfen über karibische Schiedsrichter und koreanisches Fußvolk. Allmählich finden wir heraus, was hinter der koreanischen Begeisterung steckt: Hier geht nicht um Fußball. Das Interesse der Gastgeber beschränkt sich ausschließlich auf die Spiele der eigenen Mannschaft - der Motor ist nicht der Sport, sondern einzig Nationalismus. Außer den Toren der eigenen Mannschaft werden nur die Treffer der Gegner Japans bejubelt.

Stadion in Jeju: "Irgendwie so eine seichte Atmosphäre"
AFP

Stadion in Jeju: "Irgendwie so eine seichte Atmosphäre"

Und vom Fußball haben sie offenbar keine Ahnung. Neben uns sitzt ein koreanischer Taxifahrer und staunt, als in der Halbzeit die besten Szenen des Spiels wiederholt werden. Unsere Dolmetscherin vom Fernsehen übersetzt: "Mann, in den letzten fünf Minuten geht's im Spiel ja drunter und drüber." Der Plan der Fifa, Korea den Fußball und den japanischen Nachbarn näher zu bringen, ist ungefähr so erfolgreich verlaufen wie die französische Titelverteidigung.

Also entschließen wir uns, beim nächsten Korea-Spiel die Fronten zu wechseln: Unsere Sympathien werden wir ab jetzt politisch vorbildlich vom Nationalismusgrad des Landes abhängig machen. Das koreanische TV-Team können wir überreden, uns am letzten Tag in ein italienisches Restaurant einzuladen. Die Pasta ist dem Darm des Schweins dermaßen überlegen, dass unsere Sympathien für die Italiener weiter steigen.

Gruß und Kuss, Euer George Bush

Angesichts des fehlenden Gens (Alkoholabbau) und der Taek-Won-Do-Künste koreanischer Männer bleibt unsere Unterstützung allerdings unauffällig. Vor der Großbildleinwand ziehe ich zur Halbzeit im roten Menschenmeer meine azurblaue Regenjacke an. Allein, es nützt nichts. Tröste dich, Squadra, daheim ist zumindest das Essen besser.

Wir fahren ohne das koreanische Kamerateam und auf eigene Kosten mit der Fähre nach Busan. Wir wollen der deutschen Mannschaft beim Spiel gegen die USA möglichst nah sein. Unseren Kameramann vermissen wir schnell, denn wir müssen wieder im Freien übernachten und bei den Fastfood-Läden einkehren, um Geld zu sparen.

Im Internet lese ich die Glückwünsche des US-Präsidenten an sein Team: "Ich verstehe zwar nicht viel von Soccer, aber ich drücke euch die Daumen. Ihr repräsentiert das beste Land der Welt." Es scheint, als hätte der mächtigste Mann der Welt seine Brüder im Geiste in der deutschen Fankurve getroffen.

Uns ist das Recht. So können wir am Freitag getrost der deutschen Mannschaft die Daumen drücken. Und die Burger hängen uns auch langsam zum Hals raus.

Von Felix Göpel

In den nächsten Tagen bei UniSPIEGEL ONLINE: Endspurt im WM-Turnier - Felix Göpel und Kevin Meisel berichten weiter über ihre Erlebnisse

Felix Göpel und Kevin Meisel: Hier konnten sie sich an einen Lastwagen anhängen und etwas Luft schnappen, das Foto schossen die mitfahrenden Arbeiter. Rattentempel im indischen Rajasthan: Im hinduistischen Tempel werden Ratten als Reinkarnationen von Geschichtenerzählern verehrt, täglich von Mönchen mit Zuckerbällchen und Milch gefüttert. Betreten darf man den Tempel nur barfuß - eine Nervenprobe für Besucher. Indien: Treffen mit einem alten Inder, der über die Radler aus Deutschland staunte.
Mit prächtigen Sonnenuntergängen wurden Felix Göpel und Kevin Meisel für ihre Strapazen entlohnt. Zwischenstation Prag: Rast auf der Karlsbrücke. Iran im Dezember letzten Jahres: Erst wurden die Radler in Teheran verwöhnt, dann mussten sie die harte Fahrt durch die persische Steinwüste antreten.
Kevin in Heaven: Oops, ein riesiges Marihuanafeld... Kurdischer Reiter: Manche Verkehrsmittel sind noch flotter als die beiden Radler - 1 PS in der Osttürkei gegen 4 stählerne Waden. Cave canem: Nicht alle Hunde auf der Tour waren so freundlich wie dieser - bei manchen half nur Pfefferspray.

Von Berlin nach Seoul: Fotos von einer langen Radtour - klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.


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