Von Jochen Leffers
Manche Jugendlichen haben es leicht. Ihr Berufswunsch steht aus dynastischen Gründen früh fest: Großvater gründete eine Tischlerei, Vater übernahm sie - da denken sie über die passende Lehre gar nicht lange nach (und werden mitunter kreuzunglücklich). Derweil fällen zahllose Abiturienten konfuse Studienentscheidungen. Sie stolpern zum Beispiel nur deshalb in den nächstbesten Studiengang, weil sie immer prima Deutschaufsätze geschrieben haben, "irgend etwas mit Medien" machen wollen oder der Biolehrer so sympathisch war. Auch das geht nicht selten schief, wie atemberaubende Studienabbrecherquoten beweisen.
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Zum Glück gibt es das Arbeitsamt. Unweigerlich führt der Weg vieler Schulabgänger früher oder später zum Berufsinformationszentrum (BIZ). Dort helfen Berater bei der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle, halten eine ganze Palette bunter Broschüren bereit und organisieren Veranstaltungen für Unentschlossene. Und weil selbst die Arbeitsämter mit der Zeit gehen, kommt auch der PC zum Einsatz: Am BIZ-Computer können Jugendliche ihre Neigungen und Interessen angeben. Sie wählen zum Beispiel aus, ob sie lieber gestalterisch oder körperlich aktiv sind, ob sie ihre Mission eher in Informations- oder Erziehungsberufen sehen.
Sommer, Thoma, Noll: Mission impossible
Computer aber, jeder Windows-Benutzer weiß das, sind doof. Sie reagieren nur auf die Informationen, mit denen man sie füttert: Je schematischer die Eingabe, desto sinnfreier das Ergebnis. Die "Zeit" machte jetzt die Probe aufs Exempel und überredete neun Prominente, das BIZ-Orakel zu befragen. Die Zeitung wusste, dass es sich um "mehr oder weniger schwer vermittelbare Zeitgenossen" handelt. Und so förderte der Computertest teils schräge, teils verheerende Empfehlungen zutage.
Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Ariane Sommer nicht zum Schokoluder, sondern für alle möglichen akademischen Berufe taugt und sogar "Begabung zum Beruf Professorin an Hochschulen" mitbringt? Dass in Xavier Naidoo kein Talent zum Soulknödler oder Pastor, sondern zum Kosmetiker oder Tankwart wohnt? Dass die wienerische Windmaschine Helmut Thoma besser Choreograf geworden wäre?
Fast in allen der neun Promis schlummern heimliche Gaben. Popsirene Nena etwa gab als Interessen an: "im Freien arbeiten", "mit Pflanzen und Tieren umgehen", "körperlich tätig sein". Der BIZ-Computer riet ihr, durchaus folgerichtig, zu einem Job als Forstwirtin. Umweltminister Jürgen Trittin hätte das Schicksal als Diplomkaufmann in die Unternehmensplanung verschlagen können - Hauptsache "körperlich leichte, geistig anspruchsvolle Tätigkeit".
Bei einigen der Testkandidaten warf der Rechner durchaus passable Empfehlungen aus. Für den Modedesigner und Talkshow-Touristen Wolfgang Joop etwa kamen kreative Berufe wie Architekt oder Dirigent in die engere Wahl. Dem ehemaligen Berliner Kultursenator Christoph Stölzl wurde nahegelegt: "Konfrontation mit dem Leiden anderer Menschen, mit Notlagen, die in vielen Fällen nicht behebbar sind" - ein nahezu exaktes Jobprofil für den Umgang mit schwer erziehbaren Hauptstadt-Künstlern. Und bei Esther Schweins landete der Computer gleich 25 Empfehlungen, auf Platz 20 Schauspielerin: endlich ein Volltreffer.
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