Tausend Studenten der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität drängelten sich am Donnerstag in einen Hörsaal der Philosophischen Fakultät, Hunderte mussten draußen bleiben. Der Showmaster Thomas Gottschalk hielt am Donnerstag bei den Germanisten eine Vorlesung der besonderen Art: Populär-Literatur von Dieter Bohlen.
Damit löste der 52-jährige Entertainer und frühere Germanistikstudent eine Wettschuld ein. In seiner letzten "Wetten, dass...?"-Sendung hatte er bezweifelt, dass es einigen Kielern gelingt, ein Fährschiff mit bloßer Muskelkraft über zwanzig Meter weit zu ziehen. Doch mit vereinten Kräften schafften sie es - und Gottschalk musste zur Vorlesung in Düsseldorf antreten.
Es gibt schlimmere Wettschulden. Gut gelaunt trug er aus Bohlens Bestseller "Nichts als die Wahrheit" vor, der wegen zahlreiche Details aus dem Intimleben des Pop-Produzenten und seiner wechselnden Frauen für Furore gesorgt hatte.
Schweig, Freundchen, stille
"Es geht hier nicht um Literatur, es geht um ein Phänomen", kündigte Gottschalk an. "Ich bin in der leichten Muse gelandet. Wer 12 bis 15 Millionen Zuschauer möchte, dealt mit der Masse. Der Bohlen und ich, wir sitzen in einer Maschine. Was nicht ankommt, machst du nicht mehr, was ankommt, machst du öfter."
Mit Kritik sparte Gottschalk dennoch nicht. Wie Bohlen seine Ex-Freundin "Naddel" vorführe, sei allerdings "nicht die feine englische Art" und "nicht fair", befand Gottschalk, um gleich die peinlichen Stellen zu zitieren und dann mit Heinrich Heine zu empfehlen: "Hast Du vertrauten Umgang mit Damen? Dann schweig, Freundchen, stille: um ihret Willen, wenn sie fein sind, um deinet Willen, wenn sie gemein sind."
Heinrich Heine ist der Namenspatron der Düsseldorfer Uni; Rektor Gert Kaiser, selbst nicht im Hörsaal, hatte Gottschalk um Heine-Verse als Kontrastprogramm zu Bohlen gebeten. Und so zitierte Gottschalk zunächst einige Gedanken von Bohlen über Verona Feldbusch: "Komm, die ist zwar behindert, aber die reißt du jetzt auf." Und stellte dagegen den Dichter Heine: "Verona, die uralte und weltberühmte Stadt, war erste Station für germanische Wandervölker."
Das Publikum johlte. Der von einigen Leibwächtern eskortierte Moderator reagierte bescheiden: "Ich bin schon froh, wenn ich von Leuten in Ihrem Alter nicht ausgepfiffen werde." Eine Handvoll Protestierer gab es dennoch. Sie nutzten die Medienpräsenz, um gegen Studiengebühren und überfüllte Seminare zu demonstrieren - oder lautstark über die Enge im brechend vollen Hörsaal zu jammern. Das Publikum buhte sie aber aus. Und auch eine AStA-Gegenlesung war offenbar kein großer Erfolg: "Da ist keiner hingegangen", berichtete eine Studentin.
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