Neu-Ulm - Eine Hochschule gilt als Ort der stillen Einkehr, dem gewissenhaften Studium verpflichtet und schlichtem Klamauk eher abgetan. Längst allerdings hält auch König Pop Einzug in die heiligen Hallen der Gelehrsamkeit - als Seminarthema ohnehin, aber ebenso in Form von Gastvorlesungen und medienwirksamen Events.
Jetzt entschied sich die Fachhochschule Neu-Ulm, den oft eher drögen Unterricht in der Betriebswirtschaft ein wenig bunter zu gestalten. Am Dienstag gab Verona Feldbusch, 35, ein Gastspiel als Dozentin - und die rund 150 Studenten im überfüllten Hörsaal A 134 begrüßten sie gleich mit "Hola Verona"-Schildern. Die Entertainerin und Unternehmerin plauderte am Stehpult über ihre Produktlinie "Verona's Dreams", statt wie sonst bei Prominentenempfängen, Reklame-Events oder pompösen Galas in die Mikrophone zu quäken.
"Genie in Sachen Selbstvermarktung"
Eine Dreiviertelstunde sprach die umtriebige Werbe-Ikone über Marketing im Allgemeinen und ihre Selbstvermarktung, bevor FH-Präsident Gerhard Hack sie zur Belohnung zur "Ehren-Betriebswirtin" für Kommunikationstechnik ernannte: "Sie ist ein Naturtalent in Sachen Kommunikation." Obendrein gab es einen Hut zur öffentlich wirksamen Zurschaustellung ihrer neu erlangten Würde - immerhin ist Verona Feldbusch jetzt akademisch gleichsam in die Liga von Dieter Bohlen, studierter Betriebswirt mit Promotions-Ambitionen, aufgestiegen.
Die gebürtige Bolivianerin äußerte sich recht freimütig über ihren geschäftlichen Erfolg und den Rummel um ihre Person: "An manchen Tagen fühlt man sich wie eine Kuh, von der sich jeder fragt, wie viel Milch sie heute gibt." Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens zu sein, sei nicht so einfach. "Aber ich traue mich, die naiven Fragen zu stellen, die sonst keiner stellt", erklärte sie ihr Rezept. Geplant sei wenig, "ich entscheide emotional".
Die Studenten freuten sich sichtlich über die Abwechslung und geizten nicht mit Applaus. "Ist doch mal etwas anderes, als dauernd trockene Fachvorlesungen zu hören", lobte Martin Zott, 25, angehender Wirtschaftsingenieur. Und Informationsmanagement-Studentin Friederike Waldenfels, 21, meinte: "Ich finde es schon interessant, sie mal zu sehen."
In einem Marketing-Seminar sollen die Neu-Ulmer Studenten vom Wintersemester an ein Verkaufsförderungs-Konzept für die Dessous, Bademoden und den Schmuck der Kollektion erarbeiten. Und wenn Verona will, kann sie vom Herbst an öfter kommen - die Fachhochschule würde sie gern als Lehrbeauftragte gewinnen. FH-Präsident Gerhard Hack jedenfalls ist zuversichtlich, dass in Feldbusch auch Dozententalente schlummern: "Verona ist ja ein wirkliches Genie in Sachen Selbstvermarktung", sagt Hack, "sie kann den Studierenden sicher in diesem Bereich eine Menge beibringen."
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